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Ski-Langlauf

Dählie kollabiert nach achtem Gold

Nagano - Für den achten Olympiasieg quetschte Björn Dählie die allerletzten Reserven aus seinem Körper heraus: Dem Kollaps nahe und fast besinnungslos rettete sich der 30 Jahre alte Norweger am Sonntag im Gold-Rausch nach dem 50 Kilometer langen Ski-Marathon über die Ziellinie. Völlig erschöpft brach der Ausnahmeläufer zusammen, zwei Betreuer schleppten den mit acht Gold- und vier Silbermedaillen erfolgreichsten Wintersportler aus dem Stadion.

"Ich war total kaputt auf den letzten zwei Kilometern und hatte keine Kraft mehr. Nur noch den Willen, zu siegen. Das war das härteste Rennen meines Lebens. Aber es ist ein Traum für mich, denn ich war eigentlich fertig mit der Olympiade und hatte nicht mehr mit diesem Gold gerechnet", sagte Dählie, nachdem er wieder bei Kräften war. In 2:05:08,2 Stunden hatte das "Laufwunder" aus Nannestad seinen letzten historischen Sieg gefeiert, 8,1 Sekunden vor dem Schweden Niklas Jonsson, der 48 km lang im Sog von Dählie gelaufen war und sich Silber holte. Christian Hoffmann aus Österreich, der noch bis vier Kilometer vor Schluß geführt hatte, gewann überraschend Bronze.

Johann Mühlegg im Solo Siebter

Auch Johann Mühlegg (Foto) lief ein hervorragendes Rennen. Der 27 Jahre alte Garmischer war als Siebter auf die Piste gegangen und belegte am Ende in 2:07:25,3 Stunden auch den siebten Platz. Mühlegg hatte dabei das Pech, die Strecke einsam im Alleingang zurücklegen zu müssen. Außerdem kostete ein Stockbruch den besten deutschen Skilangläufer wertvolle Sekunden.

"Ich bin sehr zufrieden. Da ich im Januar drei Wochen wegen einer Lungenentzündung im Bett liegen mußte, fehlten mir die harten Wettkämpfe vor der Olympiade. Deshalb konnte ich auch über 10 und 15 km nicht meine volle Leistung bringen", sagte Mühlegg.

Auf der anfangs harten, dann durch die Sonneneinstrahlung immer weicher werdenden Strecke hatten die beiden anderen Deutschen trotz guter Zwischenzeiten keine Chancen auf vordere Placierungen: Rene Sommerfeldt (Oberweißenbrunn) kam mit 11:11,7 Minuten Rückstand auf den 26. Platz, sein Klubkollege Andreas Schlütter (12:47,9 zurück) wurde 36. "Mich hat es kopfüber in ein Fangnetz geschmissen, aber gegen Ende ist mir auch der Saft ausgegangen", berichtete Schlütter.

Ein Massenstart wäre bei solchen Bedingungen gerechter gewesen", sagte Bundestrainer Eberhard Klessen. "Die Leistungen unseres Trios stimmen mich aber absolut optimistisch für die Zukunft. Johann ist eindeutig der Beste, Andreas hat die Anschlußleistung gebracht. Das sind zwei Leute, auf die man bauen kann", stellte Klessen im Hinblick auf den Neuaufbau fest.

Frauen-Staffel überraschte Tröger

Pauschal betrachtet sind die Perspektiven im deutschen Langlauf nicht schlecht. "Die Frauenstaffel hat mich positiv überrascht, da ist für die Zukunft noch einiges drin", lobte NOK-Präsident Walther Tröger die Langläuferinnen für ihren fünften Platz, zwei Sekunden hinter der Bronzemedaille - und dies mit der nach einer Krankheit nicht voll leistungsfähigen Anke Schulze. "Die Mädchen müssen frecher und leistungshungriger werden, dann klappt es vielleicht schon bei der WM 1998 in der Ramsau", meinte DSV-Sportwart Detlef Braun. "Wir werden den Abstand zur Weltspitze weiter verringern", erklärte Frauen-Trainer Lutz Hänel.

DSV will gute Ansätze nutzen"

Im Männerbereich soll nach dem Rücktritt von Jochen Behle eine neue Mannschaft aufgebaut werden. Als Kapitän ist Johann Mühlegg vorgesehen. "Ich hoffe, daß es künftig ein Team geben wird. Es hat keine Zukunft, wenn jeder seinen eigenen Mist macht. Wir haben keine Probleme mit Johann, er ist für uns ein Vorbild", sagte Schlütter. Auch Klessen stellte fest: "Daß sich Johann separat auf Nagano vorbereitet hat, hat niemandem geschadet. Solche Vorwürfe sind absoluter Humbug. Er hat viele Lehrgänge bei uns mitgemacht und kann das Team führen." Auch Brauns Pläne sehen vor, "um den Johann herum" eine neue Mannschaft aufzubauen. Martin Mühlegg, Johanns Bruder und Betreuer, meinte für die Zukunft: "Die Zusammenarbeit mit Klessen, Schlütter und Sommerfeldt macht uns Spaß. Wir sind ein Team." Von Wolf Günthner, dpa

Letzte Änderung: 23.02.1998 11:56 von to
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