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Ein Atomkraftgegner läuft am 2. März 1997 mit einem symbolischen Ortseingangsschild vor einer Polizeikette her, die sich vor dem Verladekran in Dannenberg bei Gorleben postiert hat. Ende März sollen die ersten Castoren ins westfälische Ahaus transportiert werden.

Chronik der Anti-Atom-Bewegung

Schlachten um Bauplätze - Friedliche Massendemonstrationen

Frankfurt/Main - Wenn Ende März der bislang größte Castor-Transport von Süddeutschland ins Zwischenlager Ahaus in Westfalen rollt, werden wieder heftige Proteste erwartet. Kaum einer der Demonstranten wird schon beim Beginn der Anti-Atom-Bewegung vor 25 Jahren dabei gewesen sein, viele der zumeist sehr jungen Castor-Nix-Aktivisten waren damals noch nicht einmal geboren. Im folgenden ein Überblick der wichtigsten Stationen des Widerstands gegen die friedliche Nutzung der Atomenergie in Deutschland:

  • 14. Mai 1973

    Aus Radiomeldungen erfährt die Bevölkerung, daß Wyhl Standort für ein Atomkraftwerk sein soll. Bürgerinitiativen entstehen.

  • 18. Februar 1975

    Aus einer Pressekonferenz zum Baubeginn in Wyhl wird die erste Platzbesetzung in der westdeutschen Anti-Atom-Bewegung.

  • April 1975

    Die "Volkshochschule Wyhler Wald" auf dem Bauplatz organisiert in der Folge mehr als 60 Veranstaltungen.

  • 26. Oktober 1976

    Baubeginn in Brokdorf um 01.00 Uhr nachts. Unter starkem Polizeischutz entsteht eine Art Festung mit Zäunen, Wassergraben, Hubschrauberlandeplatz.

  • 19. Februar 1977

    Trotz Verbot bislang größte Demonstration gegen Brokdorf: 50.000 Menschen.

  • 24. September 1977

    60.000 Menschen machen sich auf den Weg nach Kalkar am Niederrhein, um gegen den im Bau befindlichen Schnellen Brüter zu demonstrieren.

  • 28. März 1979

    Im Atomkraftwerk Harrisburg (USA) kommt es zu einem schweren Störfall.

  • 31. März 1979

    Mehr als 100.000 Menschen bereiten in Hannover 150 Treckern aus Gorleben einen begeisteren Empfang.

  • 10. September 1979

    In Gorleben beginnen die Tiefbohrungen.

  • 28. September 1979

    Grundsatzeinigung von Bund und Ländern zur Entsorgung von Atommüll mit Gorleben als geplantem Endlager sowie Gorleben und Ahaus als Zwischenlager.

  • 14. Oktober 1979

    150.000 demonstrieren in Bonn für die Stillegung aller Atomanlagen.

  • 3. Mai 1980

    5.000 Menschen besetzen die Bohrstelle 1004 im Gorlebener Wald und proklamieren die "Republik Freies Wendland".

  • 28. Februar 1981

    100.000 Atomgegner in Brokdorf.

  • 9. Oktober 1981

    Gründung der Bürgerinitiative Schwandorf, nachdem Pläne für eine Wiederaufarbeitungsanlage bei Wackersdorf bekannt werden.

  • 4. April 1982

    Großkundgebung im Wyhler Wald mit 50.000 Menschen.

  • 30. April 1984

    Wendland-Blockade. Um auf die bevorstehende Anlieferung radioaktiven Mülls aufmerksam zu machen, blockieren mehr als 6.000 Atomgegner mit Autos, Treckern, Baumstämmen alle Zufahrtsstraßen in den Landkreis Lüchow-Dannenberg.

  • 8. Oktober 1984

    Vier Tieflader mit 210 Atommüllfässern aus Stade passieren das Tor zum Gorlebener Zwischenlager.

  • 16. Februar 1985

    40.000 Menschen demonstrieren in Wackersdorf.

  • 14. Dezember 1985

    Wieder demonstrieren 40.000 in Wackersdorf und errichten ein Hüttendorf.

  • 30./31. März 1986

    100.000 Menschen demonstrieren am Osterwochenende in Wackersdorf. Es gibt Verletzte und einen Toten.

  • 26. April 1986

    Kernschmelze im Atomkraftwerk Tschernobyl. Radioaktiver Niederschlag auch in Deutschland.

  • Mai/Juni 1986

    Nach dem Super-GAU in Tschernobyl gehen Hunderttausende in Deutschland auf die Straße.

  • 26. August 1986

    Die SPD beschließt auf dem Nürnberger Parteitag einen Ausstieg aus der Atomenergie innerhalb von zehn Jahren.

  • 7. Oktober 1986

    Das Atomkraftwerk Brokdorf geht ans Netz.

  • Mai 1989

    Die deutschen Energieversorger verkünden den Baustopp für Wackersdorf.

  • 13. Juli 1991

    260.000 Einwendungen gegen Atommüllager Schacht Konrad dem Umweltministerium in Hannover übergeben.

  • Juli 1994

    Die Bundesregierung beschließt, daß die "geordnete Beseitigung" nun gleichrangig neben der Wiederaufarbeitung stehen soll. Neben Transporten nach La Hague oder Sellafield sind jetzt auch direkte Transporte nach Ahaus oder Gorleben erlaubt.

  • 24./25. April 1995

    Ein 120 Tonnen schwerer Castor wird vom Atomkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg ins Zwischenlager Gorleben gebracht. Über 10.000 Polizisten im Einsatz, Millionenkosten. Mehrere tausend demonstrieren.

  • 2. November 1995

    Der für 7,5 Milliarden Mark errichtete, nie in Betrieb genommene Schnelle Brüter in Kalkar wird samt zugehörigem Grundstück verkauft. Es soll ein Freizeitzentrum entstehen.

  • Ende April 1996

    Viele Kundgebungen anläßlich des zehnten Jahrestags von Tschernobyl.

  • 7./8. Mai 1996

    Der zweite Castor-Transport nach Gorleben bringt hochradioaktiven Atommüll aus La Hague. Kosten rund 90 Millionen Mark. Überall an der Strecke Proteste.

  • 3.-5. März 1997

    Der dritte Castor-Transport nach Gorleben. 30.000 Polizisten, mehrere tausend Demonstranten. Kosten: 110 Millionen Mark. AP

  • Letzte Änderung: 10.03.1998 17:17 von aj
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