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Ehemann vergiftet und gelähmten Sohn ertränkt

"Schwarze Witwe" hingerichtet

Erstmals nach 150 Jahren wieder eine Frau in Florida exekutiert

Starke/USA - Erstmals nach 150 Jahren ist in Florida wieder eine Frau hingerichtet worden. Die 54 Jahre alte Judy Buenoano wurde am Montag auf dem elektrischen Stuhl exekutiert. Die Liste der Verbrechen, die der Frau zur Last gelegt werden, ist lang: 1971 vergiftete sie ihren Mann, neun Jahre später ertränkte sie ihren gelähmten Sohn. 1983 versuchte sie ihren damaligen Verlobten mit einer Autobombe in die Luft zu jagen. Sie war die dritte Frau, die in den USA seit Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 hingerichtet wurde.

Praktisch in letzter Minute bat die Verurteilte noch einmal um Gnade. Sie sei unschuldig, und der elektrische Stuhl im US-Staat Florida sei ein "barbarisches" Instrument "aus Frankensteins Laboratorium", erklärte die "Schwarze Witwe". Der Oberste Gerichtshof der USA wies ihren Appell am Sonntag zurück.

Der US-Staat hatte im vergangenen Jahr Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl vorübergehend eingestellt, da einem Verurteilten bei der Exekution Flammen aus dem Kopf schossen. Erst nachdem eine Autopsie zu dem Ergebnis kam, der Mann sei sofort gestorben und habe die Flammen nicht gespürt, wurde der 75 Jahre alte Stuhl ("Old Sparky") vor wenigen Tagen wieder in Betrieb genommen. Zwischenfälle wurden seitdem nicht gemeldet.

Kein Medienrummel wie bei Karla Faye Tucker

150 Jahre lang war eine Sklavin, die ihren Herren umgebracht hatte, die letzte Frau, die in Florida hingerichtet wurde. Die "Schwarze Witwe" ist erst die dritte Frau in den USA, die nach der Wiederzulassung der Todesstrafe durch das Oberste Gericht vor 22 Jahren exekutiert wurde. Ihre beiden Schicksalsgefährtinnen wurden allerdings mit einer Giftinjektion getötet. Für weltweites Aufsehen sorgte im vergangenen Monat die Exekution von Karla Faye Tucker in Texas, die wegen Doppelmordes zum Tod verurteilt worden war. Selbst der Papst hatte sich damals vergeblich für eine Begnadigung der telegenen Frau eingesetzt, die nach eigenen Angaben im Gefängnis wieder zum christlichen Glauben fand und ihre Tat bereute. Bei der "Schwarzen Witwe" hat es jedoch keinen vergleichbaren Medienrummel gegeben. Motiv für die Morde war nach Ansicht von Staatsanwalt Russel Edgar Habgier: Die "Schwarze Witwe", wie er sie nannte, wollte die Versicherung für die Toten kassieren.

In einem ihrer letzten Interviews erklärte Buenoano: "Ich denke nur noch daran, das Antlitz Jesu zu sehen. Ich bin bereit, nach Hause zu gehen." Heftig bestritt sie, ihren damals 19 Jahre alten Sohn umgebracht zu haben. Sie war für schuldig befunden worden, den gelähmten Jugendlichen aus einem Kanu gestoßen zu haben.

Giftige "Vitamintabletten"

Auf die Spur kam die Polizei der Frau erst zwölf Jahre nach ihrem ersten Mord. 1983 versuchte sie, ihren damaligen Verlobten John Gentry mit einer Autobombe ins Jenseits zu befördern. Bei den Ermittlungen berichtete der Mann, seine Verlobte habe ihm "Vitamintabletten" verabreicht, die ihn aber krank gemacht hätten. Die Beamten wurden aufmerksam und vermuteten, daß er langsam vergiftet werden sollte.

Einmal mißtrauisch geworden, ließ die Polizei nicht mehr locker. "Buenano" - das war doch der spanische Ausdruck für das englische Wort "Goodyear", der Nachname ihres ersten Ehemannes. Die Leiche von James Goodyear wurde exhumiert. Bei einer Autopsie entdeckten die Experten, daß er zum Zeitpunkt seines Todes eine tödliche Dosis von Arsen im Körper hatte. Auch ihren späteren Freund Bobby Joe Morris soll sie 1978 mit Arsen vergiftet haben. Zu einer Anklage in diesem Fall kam es jedoch nicht mehr, da sie zu diesem Zeitpunkt bereits zum Tod verurteilt war. Es wurde auch vermutet, daß die Lähmung ihres Sohnes von Arsen verursacht wurde. Am Montag, dem Tag der Hinrichtung der "Schwarzen Witwe", wäre er 37 Jahre alt geworden. Von Ron Word - Foto: Reuters

Letzte Änderung: 30.03.1998 15:02 von aj
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