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Schreckensherrscher Pol Pot ist tot

Diktator und Anführer der Roten Khmer starb an Herzversagen

Phnom Penh - Der durch seine jahrelange Schreckensherrschaft in Kambodscha berüchtigte frühere Diktator und Anführer der kommunistischen Roten Khmer, Pol Pot, ist tot. Der Verteidigungsminister Kambodschas, Tea Banh, bestätigte am Donnerstag morgen (Ortszeit) in Phnom Penh, daß Pol Pot am Mittwoch abend nahe der Grenze zu Thailand einem Herzversagen erlegen ist. Er soll um die 70 Jahre alt geworden sein; sein genaues Geburtsdatum ist nicht belegt. "Nach Informationen unseres Geheimdienstes starb Pol Pot in der vergangenen Nacht um 23.30 Uhr", erklärte Banh.

Der Leichnam Pol Pots.

Der Tod des schon zu Lebzeiten zur blutigen Legende gewordenen Pol Pot wurde von mehreren Behördenvertretern, Rebellenführern und Journalisten bestätigt, die den Leichnam im Dschungel in Augenschein nahmen. Der für den Tod von rund zwei Millionen Kambodschanern in den Jahren 1975 bis 1979 verantwortliche Pol Pot starb danach friedlich im Schlaf in einer einfachen Hütte. In den vergangenen Jahren war der Ex-Diktator schon mehrmals totgesagt worden. Viele Kambodschaner wollen erst an den Tod Pol Pots glauben, wenn sie die Leiche präsentiert bekommen. Der Leichnam sollte laut japanischen Presseberichten noch am Donnerstag in dem Grenzgebiet verbrannt werden.

Schon länger losgesagt

Pol Pot hinterläßt seine Ehefrau Nual Nou, eine hochrangige Rote- Khmer-Funktionärin für Wirtschaftsfragen, und eine 12jährige Tochter. "Ich bin froh, daß er tot ist, denn jetzt ist unsere Armee nicht mehr automatisch mit seinem Namen verknüpft", sagte Nual Nou an der thailändisch-kambodschanischen Grenze. Die in rivalisierende Gruppen aufgespaltenen Roten Khmer hatten sich schon länger von Pol Pot als ihrem Führer losgesagt.

Mord-Spekulationen

Pol Pots Rote Khmer haben diese Fotos von ihren Opfern vor der Exekution gemacht. Die Porträts sind heute in einem Museum in Phnom Penh ausgestellt.

Der für World Television News (WTN) arbeitende Kameramann Jason Blevtrieu, der zusammen mit zwei Journalisten von Rote-Khmer-Rebellen am Donnerstag abend (Ortszeit) zum Sterbeort Pol Pots im Dschungel geführt wurde, berichtete, die Hütte mit dem aufgebahrten Leichnam sei von strengem Geruch nach Formaldehyd erfüllt gewesen. Spekulationen, daß die bedrängten Roten Khmer dem Tod Pol Pots möglicherweise nachgeholfen hätten, trat der thailändische Generalmajor Vivath Sattra-rak entgegen: "Ich kann bestätigen, daß es kein Mord war", sagte der Militär am Donnerstag vor Journalisten im nordostthailändischen Sangum-Distrikt. "Jedermann wußte, daß Pol Pot alt und von einer Vielzahl von Krankheiten geplagt war."

Kriegsverbrechertribunal

Der kambodschanische Verteidigungsminister Tea Banh wollte nach Regierungsangaben von den Roten Khmer die Herausgabe der Leiche Pol Pots verlangen. Zugleich wollte Tea Banh über die Auslieferung der verbliebenen politischen Anführer der Guerilla verhandeln, um sie möglicherweise wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuklagen, sagte Regierungssprecher Kanharith. Die USA hatten erst vor kurzem angekündigt, Pol Pot vor ein Kriegsverbrechertribunal zu bringen. Dies hätte auch zahlreiche andere Rote Khmer-Führer wegen Verwicklungen in das Terrorregime in Bedrängnis bringen können.

Massenexekutionen und Arbeitslager

Während der Schreckensherrschaft Pol Pots von 1975 bis Anfang 1979 sind in Kambodscha schätzungsweise bis zu zwei Millionen Menschen durch Massenexekutionen, Arbeitslager, Hunger und Krankheiten ums Leben gekommen. Der in Paris ausgebildete Pol Pot wollte aus Kambodscha einen sozialistischen Bauernstaat machen und alle Verbindungen zur Außenwelt abschneiden. Die maoistisch inspirierte Guerilla trieb Millionen von Menschen aus den Städten zur Arbeit auf die Felder. Intellektuelle oder auch einfach nur Menschen, die danach aussahen, weil sei eine Brille trugen, wurden ermordet.

Durch vietnamesische Intervention gestürzt

Anfang 1979 wurde Pol Pot durch eine vietnamesische Intervention gestürzt. Seit Juli 1997 stand er unter Hausarrest. Ehemalige Getreue hatten den Schwerkranken im nördlichen Kambodscha in einem Schauprozeß zu lebenslanger Haft verurteilt. Pol Pot mußte erleben, wie die Bewegung der Roten Khmer durch interne Kämpfe zerfiel und ganze Gruppen zur Regierung überliefen. dpa - Fotos: Reuters

Letzte Änderung: 16.04.1998 17:28 von aj
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