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    Mordverdacht bleibt - Ermittlungen ergebnislos

    Uwe Barschel (Archivfoto von 1987)

    Kiel - Das Ermittlungsverfahren wegen Mordverdachts an dem früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel wird ohne Ergebnis eingestellt. Die Staatsanwaltschaft Lübeck kommt nach mehr als dreijährigen Nachforschungen zu dem Schluß, daß eine Vielzahl von neuen Erkenntnissen gewonnen worden sei, aber gesicherte Schlußfolgerungen auf das Geschehen nicht möglich seien, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Gesamtbericht. Den Anfangsverdacht des Mordes hält die Staatsanwaltschaft aber nach wie vor aufrecht.

    Damit bleiben die mysteriösen Umstände von Barschels Tod weiterhin im dunkeln. Es bleibt nach über zehn Jahren ungeklärt, ob Barschel umgebracht wurde oder sich das Leben nahm. Seine Leiche hatte ein Reporter am 11. Oktober 1987 in einer Badewanne des Genfer Hotels "Beau Rivage" gefunden.

    Die Ermittler gingen zwar zahlreichen Hinweisen nach, fanden jedoch weder Täter noch Motiv. Mangels konkreter Hinweise auf mögliche Täter hatten die Ermittler versucht, "über ein denkbares Motiv einen Täter zu finden". Verfolgt wurden so unter anderem Spuren über angebliche Verwicklungen Barschels in Waffengeschäfte, Beteiligungen von Geheimdiensten bis zur Mafia. Die Genfer Behörden waren von Selbstmord ausgegangen. Im Dezember 1994 hatte die Lübecker Anklagebehörde die Ermittlungen gegen Unbekannt wegen Mordverdachts aufgenommen.

    Keine sicheren Erkenntnisse für Mord oder Selbstmord

    Der schleswig-holsteinische Jusitzminister Gerd Walter (SPD), der Leitende Lübecker Oberstaatsanwalt Heinrich Wille und Generalstaatsanwalt Erhard Rex (v.l.).

    "Die Umstände, die seinerzeit den Anfangsverdacht begründet haben, können diesen teilweise nicht mehr stützen", heißt es in dem Bericht. Es seien aber neue Umstände hinzugetreten, die für eine Aufrechterhaltung des Anfangsverdachtes sprechen, "der nach wie vor bejaht wird". Sichere Erkenntnisse für Selbstmord oder Mord gebe es nicht, heißt es in dem Bericht. "Weiterer Erkenntnisgewinn ist derzeit nicht zu erwarten."

    Liste der Spekulationen ist lang

    Die Liste der jahrelangen Spekulationen über Hintergründe eines möglichen Mordes ist lang: Immer wieder fielen die Stichworte illegale Waffengeschäfte, Iran-Contra-Affäre, Reisen Barschels in die DDR und die CSSR oder angebliche Geheimdienstaktionen von CIA, Stasi, KGB und Mossad. Angesichts der Möglichkeiten habe sein Team gute Arbeit geleistet, sagte "Chefermittler" Wille. Allein die Hauptakte des Verfahrens umfaßt 69 Bände mit über 14.000 Blatt.

    Der frühere Generalstaatsanwalt Heribert Ostendorf hatte schon Anfang 1997 versucht, die Ermittlungen wegen mangelnder Erfolgsaussichten zum Ende zu bringen. Nachdem der Justizminister dies verhinderte, gab Ostendorf verbittert sein Amt ab. Justizminster Walter verteidigte am Donnerstag unter Hinweis auf die "Restermittlungen" sein Vorgehen: Vor einem Jahr sei das Verfahren nicht einstellungsreif gewesen. Die Barschel-Familie, die stets von Mord ausging, habe kein förmliches Rechtsmittel gegen eine Einstellung des Verfahrens, sagte Generalstaatsanwalt Rex.

    Todeszeitpunkt nicht exakt festgestellt

    Auch der Todeszeitpunkt ließ sich nach dem Bericht nicht exakt feststellen. Damit bleibt offen, ob Barschel am 10. oder erst am frühen Morgen des 11. Oktober starb. Als Ursache wurde Medikamentenvergiftung bestätigt. Dabei sind Gutachter uneins, ob Barschel noch handlungsfährig war, als das Schlafmittel Cyclobarbital in seinen Körper gelangte - Teil der tödlichen Mischung aus Medikamenten und Alkohol.

    Was passierte im Hotelzimmer?

    Wille resümierte, der Ablauf der Ereignisse in Barschels Hotelzimmer habe "nicht soweit aufgeklärt werden können, daß eine sichere Aussage über das Vorliegen einer Straftat getroffen werden kann". Die "Auffindesituation" könne zwar auf Gewalteinwirkung schließen lassen, sichere Rückschlüsse seien aber nicht möglich. Gegen einen frühzeitig geplanten Selbstmord sprächen etwa Notizen für Verabredungen oder die Tatsache, daß damals bestimmte von Barschel eingenommene Medikamente in Westeuropa nicht mehr im Handel gewesen seien. ap - Fotos: dpa

    Letzte Änderung: 07.05.1998 14:54 von aj
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