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. . . Spektakulärer Kunstraub

Madame Ginoux (Vincent van Gogh).

Museumschefin Sandra Pinto bezifferte den Wert der gestohlenen Gemälde auf bis zu sechs Millionen Mark. Im Fernsehen war von einer Summe bis zu 60 Millionen Mark) die Rede. Experten sprachen von einem unschätzbaren Verlust.

Die drei Täter hatten sich möglicherweise unter die Besucher gemischt. Nach Schließung der Galerie gegen 22.00 Uhr zwangen sie drei Angestellte mit vorgehaltener Pistole, die Alarmanlage auszuschalten. Danach fesselten und knebelten sie die Frauen und sperrten sie in eine Toilette des Museums ein. Die maskierten Männer trugen keine Schuhe, um keine Spuren zu hinterlassen. Zunächst stahlen sie rund eine Million Lire (1000 Mark) aus dem Museumstresor. Danach machten sie sich seelenruhig an den Bildern zu schaffen, die sie mit Glas und Rahmen entwendeten. Andere wertvolle Meisterwerke in dem Saal, etwa einen Monet und einen Degas, ließen sie hängen.

Erpressung geplant?

"Die Werke sind dermaßen bekannt, daß sie unmöglich verkauft werden können", sagte ein Museumssprecher. Auch die Polizei ging von einem Auftragsdiebstahl aus. Ein Sprecher meinte, hinter dem Coup könnte eine kriminelle Organisation stecken. Diese werde möglicherweise versuchen, den Staat zu erpressen nach dem Motto: Informationen gegen Geld. Der Polizeipräsident von Rom, Antonio Pagnozzi, sagte, das Verbrechen gehe auf das Konto von Profis. "Das war Präzisionsarbeit."

"Le Cabanon de Jourdan" (Paul Cezanne).

Unter den gestohlenen Gemälden ist ein Porträt der Madame Ginoux, die van Gogh Anfang 1890 - wenige Monate vor seinem Selbstmord im Sommer - gemalt hatte. Von drei fast identischen Ginoux-Porträts gilt das römische als das großartigste, weil es eindrucksvoll das resignierte Lächeln der Frau wiedergebe. Madame Ginoux pflegte van Gogh, der unter geistiger Zerrüttung litt und sich im Erregungszustand 1889 ein Ohr abschnitt. Auch sie litt unter Nervenkrisen. Das 60 mal 50 Zentimeter große, nicht signierte Bild hielt van Gogh selbst für eines seiner wichtigsten. Das Ehepaar Ginoux, Besitzer des Cafe de la Gare in Arles, gehörte zu den wenigen Freunden des Meisters.

"Seltsam und schwerwiegend"

Außer dem Ginoux-Porträt erbeuteten die Gangster das Bild "Der Gärtner", das van Gogh im Frühjar 1889 in Saint Remy malte. Dort lebte er fast ein Jahr in einer Heilanstalt. Auch dieses 61 mal 50 Zentimeter große Werk der Melancholie ist nicht signiert. Die van-Gogh-Gemälde waren die einzigen in Italien. Das gestohlene Cezanne-Gemälde "Le Cabanon de Jourdan" ist das letzte Ölbild, das der Meister vor seinem Tod malte. Kritiker bezeichnen das 65 mal 81 Zentimeter große Bild als Schlüsselwerk für Cezannes lebenslangen "Konflikt zwischen Geist und Gefühl". Es blieb unvollendet. Erst 1992 waren aus dem Museum für moderne Kunst in Rom zwei Aquarelle von Cezanne verschwunden. Die Hintergründe wurden nie geklärt.

Veltroni äußerte sich zuversichtlich, daß die drei Meisterwerke wiedergefunden werden. "Glücklicherweise sind die auf Kunstdiebstähle spezialisierten Sondereinheiten sehr effizient: Etwa die Hälfte der gestohlenen Kunstwerke werden wiedergefunden", sagte der Minister. Dieser Raub sei allerdings "seltsam und schwerwiegend". Das Verbrechen wurde erst zwei Stunden später gegen 01.00 Uhr entdeckt. Dem Betreiber des Museumscafes war aufgefallen, daß eine Tür offenstand und die Alarmanlage ausgeschaltet war. Die Täter nahmen auch die Videokassette aus der Überwachungskamera und die Funkgeräte der Angestellten mit. Von Jutta Lauterbach (dpa) - Fotos: ap, dpa

Letzte Änderung: 20.05.1998 16:04 von aj
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