. . . Spektakulärer Kunstraub
Die drei Täter hatten sich möglicherweise unter die Besucher gemischt. Nach Schließung der Galerie gegen 22.00 Uhr zwangen sie drei Angestellte mit vorgehaltener Pistole, die Alarmanlage auszuschalten. Danach fesselten und knebelten sie die Frauen und sperrten sie in eine Toilette des Museums ein. Die maskierten Männer trugen keine Schuhe, um keine Spuren zu hinterlassen. Zunächst stahlen sie rund eine Million Lire (1000 Mark) aus dem Museumstresor. Danach machten sie sich seelenruhig an den Bildern zu schaffen, die sie mit Glas und Rahmen entwendeten. Andere wertvolle Meisterwerke in dem Saal, etwa einen Monet und einen Degas, ließen sie hängen.
Erpressung geplant?"Die Werke sind dermaßen bekannt, daß sie unmöglich verkauft werden können", sagte ein Museumssprecher. Auch die Polizei ging von einem Auftragsdiebstahl aus. Ein Sprecher meinte, hinter dem Coup könnte eine kriminelle Organisation stecken. Diese werde möglicherweise versuchen, den Staat zu erpressen nach dem Motto: Informationen gegen Geld. Der Polizeipräsident von Rom, Antonio Pagnozzi, sagte, das Verbrechen gehe auf das Konto von Profis. "Das war Präzisionsarbeit."
"Seltsam und schwerwiegend"Außer dem Ginoux-Porträt erbeuteten die Gangster das Bild "Der Gärtner", das van Gogh im Frühjar 1889 in Saint Remy malte. Dort lebte er fast ein Jahr in einer Heilanstalt. Auch dieses 61 mal 50 Zentimeter große Werk der Melancholie ist nicht signiert. Die van-Gogh-Gemälde waren die einzigen in Italien. Das gestohlene Cezanne-Gemälde "Le Cabanon de Jourdan" ist das letzte Ölbild, das der Meister vor seinem Tod malte. Kritiker bezeichnen das 65 mal 81 Zentimeter große Bild als Schlüsselwerk für Cezannes lebenslangen "Konflikt zwischen Geist und Gefühl". Es blieb unvollendet. Erst 1992 waren aus dem Museum für moderne Kunst in Rom zwei Aquarelle von Cezanne verschwunden. Die Hintergründe wurden nie geklärt.Veltroni äußerte sich zuversichtlich, daß die drei Meisterwerke wiedergefunden werden. "Glücklicherweise sind die auf Kunstdiebstähle spezialisierten Sondereinheiten sehr effizient: Etwa die Hälfte der gestohlenen Kunstwerke werden wiedergefunden", sagte der Minister. Dieser Raub sei allerdings "seltsam und schwerwiegend". Das Verbrechen wurde erst zwei Stunden später gegen 01.00 Uhr entdeckt. Dem Betreiber des Museumscafes war aufgefallen, daß eine Tür offenstand und die Alarmanlage ausgeschaltet war. Die Täter nahmen auch die Videokassette aus der Überwachungskamera und die Funkgeräte der Angestellten mit. Von Jutta Lauterbach (dpa) - Fotos: ap, dpa
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| Letzte Änderung: 20.05.1998 16:04 von aj |