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  • Preisträger seit 1950
  • Im Portrait: Martin Walser
  • Stichwort: Friedenspreis
  • Friedenspreis des Deutschen
    Buchhandels für Martin Walser

    Auf dem Höhepunkt des Schaffens

    Frankfurt/Main - Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht in diesem Jahr an den Schriftsteller Martin Walser.

    Damit ehrt der Buchhandel den deutschen Schriftsteller, dessen "literarisches Werk die deutschen Wirklichkeiten der zweiten Jahrhunderthälfte beschreibend, kommentierend und eingreifend begleitet hat". Der Preis gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen in Deutschland und ist mit 25.000 Mark dotiert. Er wird traditionell während der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche verliehen, in diesem Jahr am 11. Oktober.

    Mit Walser hat nach der umstrittenen Preisvergabe an die Orientalistin Annemarie Schimmel (1995) erneut ein Deutscher die hohe Auszeichnung erhalten. Friedenspreisträger des vergangenen Jahres war der türkische Schriftsteller und Menschenrechtler Yasar Kemal.

    "Gegenwehr gegen den Mangel"

    Martin Walsers erzählerische und essayistische Kunst, die der "Gegenwehr gegen den Mangel" entspringe, habe den Deutschen das eigene Land und der Welt Deutschland erklärt und wieder nahegebracht, begründete der elfköpfige Stiftungsrat des Börsenvereins seine Wahl. Der Autor habe mit seiner Kritik an der deutschen Teilung, die er schon früh als überwindbaren Zwischenzustand bezeichnete, eine "Forderung vorweggenommen, deren Einlösung später von den Menschen der DDR erzwungen wurde". ...Siegfried Unseld, der Verleger Walsers und Chef des Frankfurter Suhrkamp Verlags, sagte der dpa, der Preis für für den Schriftsteller sei zur "völlig richtigen Zeit" gekommen. "Walser steht auf dem Höhepunkt seines literarischen Schaffens. Zugleich hat er wie kaum ein anderer kontinuierlich das deutsch-deutsche Verhältnis gepflegt", meinte der Verleger. Der Autor habe sich von einem "Heimatdichter", dessen Romane überwiegend am Bodensee spielten und von Menschen aus dem süddeutschen Raum erzählten, zu einem europäischen Schriftsteller und Vordenker entwickelt.

    "Wichtiges Signal in dieser Zeit"

    Der Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller in den IG Medien, Fred Breinersdorfer, nannte die Auszeichnung Walsers ein "wichtiges Signal in dieser Zeit". Mit dem Preis werde die Biographie eines kritischen Autors gewürdigt. Walser sei nie in Kisten oder Normen zu packen gewesen. "Die Auszeichnung geht über den rein literarischen Aspekt hinaus, da Walser seinen politischen Anspruch immer sehr selbstbewußt zu nutzen wußte", sagte Breinersdorfer der dpa.

    Umfangreich und vielseitig

    Martin Walser ist einer der bedeutendsten Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur. In den vergangenen 45 Jahren schuf er ein ebenso umfangreiches wie vielseitiges Werk, darunter 14 Romane, zahlreiche Erzählungen, Essays, Theaterstücke, Aufsätze, Hörspiele und Übersetzungen. Zu seinen berühmtesten Romanen zählen "Ein fliehendes Pferd" (1978), von Kritikern als "Glanzstück deutscher Prosa" bezeichnet, "Seelenarbeit" (1979), "Das Schwanenhaus" (1980) und "Brandung" (1985). Mit "Die Verteidigung der Kindheit" (1991) legte Walser einen Roman vor, der in unmittelbarer Beziehung zur deutschen Wiedervereinigung steht. Im Herbst erscheint Walsers autobiographischer Roman "Ein springender Brunnen".

    Aus einfachen Verhältnissen

    Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller - er erhielt unter anderem den Gerhart-Hauptmann-, den Büchner- und den Schiller-Preis - stammt aus einfachen Verhältnissen. Er wurde am 24. März 1927 als Gastwirtssohn in Wasserburg am Bodensee geboren. Bereits als Zehnjähriger verlor er seinen Vater. Er lebt heute in Überlingen am Bodensee. dpa
    Letzte Änderung: 05.06.1998 14:43 von to
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