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  • siehe auch: Auf Kollisionskurs mit der Erde
  • "Roter Überriese" als Supernova-Anwärter

    Beteigeuze auf dem Sterbebett

    Hamburg - Beteigeuze, der östliche Schulterstern in der Konstellation Orion, wird von den Astronomen seit langem als ein Roter Überriese vor einer Supernova-Explosion eingeschätzt.

    Beobachtungen mit einem der größten Teleskopsysteme in Socorro (US-Bundesstaat New Mexiko) haben jetzt in der Atmosphäre des etwa 600 Lichtjahre (1 LJ = 9,5 Billionen Kilometer) entfernten rötlichen Giganten Ausbuchtungen erkennen lassen, die möglicherweise von Gasblasen aus dem Bereich unterhalb der Sternoberfläche herausgeschleudert werden. Die Wissenschaftler zögern allerdings, darin Indizien für eine unmittelbar bevorstehende Supernova-Explosion am Ende eines Sternenlebens zu sehen, die sich spektakulär am Himmel unserer Erde zeigen und unseren Planeten mit gefährlicher Strahlung überschütten könnte.

    Kühl ist immer noch heiß genug

    Mit der in San Augustin bei Socorro in Form eines Y aufgebauten Interferometer-Anlage (Very Large Array) aus ingesamt 27 Radioteleskopen mit jeweils 25 Meter Öffnung hat ein internationales Team von Astronomen von dem berühmten Stern Beteigeuze die detailliertesten Radioaufnahmen gemacht, die jemals von einem Stern - mit Ausnahme unserer Sonne - erstellt worden sind. Eine der größten dabei gemachten Entdeckungen war, daß das Gas in der Atmosphäre mindestens teilweise sehr viel kühler als früher angenommen gewesen ist, wobei "kühl" mit ca. 3000 Grad nach irdischem Maßstab immer noch sehr heiß ist.

    Staub in die Galaxis geschleudert

    Die niedriger als angenommenen Temperaturen in der Beteigeuze- Atmosphäre lassen nun aber leichter begreifen, wie ungeheure Staubmengen ständig von dem brodelnden Stern ins All geblasen werden. Bei höheren Temperaturen könnte nach Meinung der Wissenschaftler der Staub nicht aus dem vom Sterninneren ausgestoßenen Gas kondensieren. Der von Sternen wie Beteigeuze produzierte und herausgeschleuderte Staub verbreitet sich über unsere ganze Galaxis und enthält die Elemente, aus denen sich unsere eigene Welt zusammensetzt.

    1.000fache Leuchtkraft der irdischen Sonne

    Mit der 1000fachen Leuchtkraft und dem 730fachen Durchmesser unserer Sonne ist dieser Stern mit dem am wenigsten verstandenen Namen so groß und verhältnismäßig so nahe, daß die Astronomen mit großen Teleskopen praktisch seine Oberflächenstruktur erkennen können. So hatten 1995 Wissenschaftler mit dem Hubble- Weltraumteleskop im sichtbaren und im ultravioletten Licht Abbildungen hergestellt, die verschiedene größere Formationen einschließlich eines großen hellen Flecks offenbarten. Stephen White von der Universität im US-Bundesstaat Maryland, Co-Autor des vor kurzem im britischen Wissenschaftsmagazin "Nature" erschienenen Beteigeuze-Berichts, sieht den vom Hubble-Weltraumteleskop georteten hellen Fleck im Zusammenhang mit den unregelmäßigen Gasturbulenzen, wie sie von Socorro aus beobachtet worden sind.

    Supernova ohne optische Vorwarnung

    White hält es indessen für sehr unwahrscheinlich, daß eine bevorstehende Supernova sich irdischen Beobachtern in solchen Erscheinungen ankündigen würde, wie sie jetzt in der Atmosphäre oder an der Oberfläche des todgeweihten Sternes bemerkt worden sind. Die sichtbaren Teile an oder nahe der Oberfläche des Sterns sind zu weit von den in seinem inneren ablaufenden Kernprozessen entfernt, als daß sie als Vorboten eines Kernkollapses mit einer nachfolgenden Supernova-Explosion in Frage kommen.

    Eine Supernova-Explosion steht am Ende des Lebens von massereichen Sternen, wenn mit der Erschöpfung seines Kernbrennstoffes das Gleichgewicht zwischen dem nach außen drängenden Gasdruck und seiner eigenen Gravitation verloren geht. Neben der ins Universum katapultierten Hülle bleibt als Überrest ein sogenannter Neutronenstern, in dem die Kernmaterie bis auf eine Dichte von etwa 200.000 Tonnen pro Kubikmillimeter zusammengepreßt wird.

    Name Beteigeuze stammt aus dem Arabischen

    Zu den massereichen Sonnen, die eines Tages als Supernova aufleuchten und ganze Galaxien überstrahlen werden, gehören beispielsweise alle hellen Sterne in dem auch Nicht-Astronomen bekannten Sternbild Orion über der Nördlichen Hemisphäre. Beteigeuze mit seinem aus dem Arabischen kommenden Namen verändert regelmäßig seine Größe sowie auch seine Helligkeit. Er gilt von diesen Sternen als der in seiner Entwicklung am weitesten Fortgeschrittene und als typischer Supernova-Vorläufer.

    Die letzte in der Milchstraße optisch entdeckte Supernova leuchtete 1604 auf. Sie bekam den Namen Johannes Kepler, der sie eingehend untersucht hatte. Die hellste nächstgelegene Supernova seit Keplers Tagen flammte 1987 in der Großen Magellanischen Wolke, einer Nachbargalaxie der Milchstraße, auf. Erstmals konnte ein solches Ereignis mit allen Hilfsmittel moderner Wissenschaft und Technik untersucht werden.

    Mehrjähriger Rotationszyklus erschwert Beobachtung

    Den Beteigeuze behalten die Astronomen weiter fest im Visier. Schwierigkeiten bereitet dabei, zwischen Neuerscheinungen an der Oberfläche und alten Formationen zu unterscheiden, die das Ergebnis der Sternrotation sein könnten. Während der Stern vermutlich Jahre für die Rotation um seine eigene Achse benötigt, dürften in dieser Zeit vielleicht sehr viele neue ausgedehnte Gasblasen in der Sternatmosphäre aufsteigen.
    Rudolf Merget, dpa

    Gešndert am 16.Juli.1998 13:54 von ar
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