Wieder einmal soll "das Internet" Schuld sein. Diesmal am Aufblühen der Kinderpornografie. Dabei ist es nur einer von mehreren Transportwegen der Verbrecher und als öffentliches Medium offenbart es manche Schweinerei, die früher bloß besser verborgen war. Schaut man hingegen in die Archive, drängt sich der Verdacht auf, daß manche Politiker nur vom eigenen Versagen ablenken.
Im Fall des verschwundenen Manuel Schadwald behauptete der Berliner General-staatsanwalt Karge im April: "Es gibt keinen Fall Manuel in Berlin" und zynisch "Wir sind doch kein Kindersuchdienst". Doch nachdem ein privater Verein in Belgien die Spur hartnäckig verfolgte und den jüngsten Kleinkinderporno-Skandal aufdeckte, wurde die Akte wieder geöffnet. Die Berliner Morgenpost behauptet sogar, daß Berliner Polizisten in Kindersex-Affairen verstrickt sind und schreibt von 60 verschleppten Berliner Jungen.
Schlampereien
Die niederländische Justizministerin ließ sich zu einer Entschuldigung herab, nachdem ihre nachgeordneten Behörden den Jungen offenbar nach einer Fahndung wieder aus den Augen verloren hatten. Die belgische Polizei verharrt laut einer anderen Berliner Zeitung in der gewohnten Stasis.
Arm und dumm?
In Deutschland werden Jahr für Jahr neue Skandale um mißbrauchte Kinder aufgedeckt, Politiker jammern laut und fordern energisch. Und eine Handvoll Polizisten surft fahndend durchs Netz, so richtig eigentlich nur in Bayern. Kein Geld & keine Ahnung, klagen Verbände und Behörden.
Im Jahr der Sparrücklagen-, Aktienkurs- und Außenhandelsrekorde ein wirklich schlechter Witz. Natürlich gibt es genug Geld. Für überflüssige Projekte wie Transrapid spielt es selbst im größten Rahmen keine Rolle, in kleinerem Maßstab mangelt es auch nicht, wenn Spitzenbeamte bei Bundesbehörden wahltagpanisch noch höhere Besoldungsgipfel erklimmen. Nur für den Schutz der Kinder fehlt es?
Vorgeschoben
Und Know-How? Das sollte das Bundeskriminalamt besitzen. Bloß hat es keinen Fahndungsauftrag für Kinderpornografie. Da sei doch die föderale Struktur vor(geschoben). So können weiterhin "Internetspezialisten" wie der Schweriner LKA-Chef Weitemeier die Provider in die Pflicht nehmen wollen, anstatt vor der eigenen Haustür den rechtsradikalen Müll wegzukehren, der Mecklenburg-Vorpommern immer wieder in Verruf bringt.
Wirklich, würde man all das Geschwätz in Taten umsetzen, würde in der Politik ein wenig mehr Verstand statt Dumm- und Trägheit regieren, die Dutroux dieser Welt säßen längst hinter Schloß und Riegel. Auch ohne den ebenso teuren wie schwachsinnigen Lauschangriff an jedem Telefon im Krankenhaus und Altenheim.