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Schlecker-Entführung aufgeklärt

Polizei kam Täter durch Ehinger Millionen-Raub auf die Spur

Ehingen - Über zehn Jahre nach der spektakulären Entführung der Kinder des schwäbischen Drogerieunternehmers Anton Schlecker ist der Fall aufgeklärt. Wie die Polizei am Mittwoch in Ehingen mitteilte, hat ein 59jähriger Mann aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich seine Beteiligung an der Geiselnahme und zwei weiteren Banküberfällen gestanden. Die Fahnder kamen dem 59jährigen und zwei weiteren Männern im Alter 63 und 56 Jahren bei Ermittlungen nach einem vor zwei Wochen verübten Überfall auf einen Bankdirektor und dessen Ehefrau auf die Spur.

In Ehingen stellte die Polizei 1,5 Millionen Mark Beutegeld sicher.

Das Trio wurde am Montag früh bei Durchsuchungen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz festgenommen. Bei dem 63jährigen Kaufmann aus Mannheim und dem 56jährigen Anlageberater aus dem Rems-Murr-Kreis soll es sich um Brüder handeln. Bei den Ermittlungen wurde auch ein Teil der Bankraub-Beute von 1,9 Millionen Mark sichergestellt. Auf die Spur der Männer waren die Beamten der Sonderkommission "Tresor" gekommen, als Geld aus dem Banküberfall in Ehingen in Umlauf gebracht wurde. Es wurden auch Schußwaffen und Handgranaten sichergestellt. Gegen die Männer wurde Haftbefehl wegen erpresserischen Menschenraub und schwerer räuberischer Erpressung erlassen. Drei Männer hatten die heimkehrende Familie Schlecker 1987 in deren Haus überfallen. Frühmorgens wurden die Kinder Lars und Meike kurzzeitig verschleppt und später gegen die Zahlung von 9,6 Millionen Mark freigelassen.

Beide Verbrechen wiesen Parallelen auf

Der 63jährige habe gestanden, an dem Banküberfall beteiligt gewesen zu sein, erklärte ein Sprecher. Der 56jährige schweige noch zu den Vorwürfen. Beide Verbrechen wiesen Parallelen auf, erklärte der Leiter der Sonderkommission, Fred Rietz. Die Taten ereigneten sich in Ehingen bei Ulm. Rietz sagte, die Ermittler hätten von Anfang an die Fälle verglichen. So sei zum Teil die Vorgehensweise ähnlich gewesen. Der Bankdirektor und seine Ehefrau seien ebenso als Geiseln genommen worden wie am 23. Dezember 1987 die Kinder des Drogerieunternehmers Schleckers. Auch die Fluchtfahrzeuge seien jeweils in der Nähe des Bahnhofes in Ulm aufgefunden worden.

Der Überfall auf den Bankdirektor begann in der Nacht zum 7. Juli diesen Jahres. Zwei Täter hielten ihn und seine Frau über 18 Stunden lang gefangen und erzwangen die Herausgabe des im Banktresor lagernden Geldes. Sie hatten die Eheleute nachts geweckt und mit Waffen bedroht. Der 61jährige Bankchef mußte zu Geschäftsbeginn am Morgen alle Termine telefonisch absagen und einen leitenden Angestellten in seine Wohnung bestellen. Auch dieser wurde von den Verbrechern gefangengenommen und später freigelassen.

Insgesamt 14 Millionen Mark erbeutet

Dem Trio wird auch ein weiterer Banküberfall mit Geiselnahme im schwäbischen Göppingen vor 15 Jahren zur Last gelegt. Insgesamt sind bei den drei Verbrechen rund 14 Millionen Mark erbeutet worden. Die drei Tatverdächtigen hätten unauffällig gelebt und seien ihren Berufen nachgegangen. Zum Teil sei das Geld aus den zuvor begangen Überfällen durch Spekulationen an der Börse verbraucht worden.
AP; Foto: Reuters
Gešndert am 22.Juli.1998 14:28 von aj
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