IVWPixel Zšhlpixel

Stuntman Arnim Dahl gestorben

"Besser zehn Minuten Angst als einen Monat arbeiten"

Hamburg - Der einst weltberühmte "Klettermaxe" und erste deutsche Stuntman Arnim Dahl ist tot. Er starb im Alter von 76 Jahren nach mehreren Krebsoperationen bereits am Montag in Wedel bei Hamburg, wo er die letzten Jahre zurückgezogen in seinem Haus gelebt hatte.

Dahl, der als Markenzeichen stets einen grob gestrickten roten Schal trug, gilt als erster Stuntman des deutschen Films. Geboren wurde er 1922 in Stettin als Sohn sportbegeisterter Eltern. Der Vater war deutscher Meister im Kunstspringen, die Mutter eine hervorragende Leichtathletin. Er selbst wollte Sportlehrer werden, mußte aber statt dessen in den Krieg ziehen. Danach arbeitete zunächst als Clown und Trapezkünstler im Zirkus und auf Wanderbühnen. Dann gab es 1949 erste waghalsige Auftritte vor laufender Kamera. Drei Jahre später schaffte er den Durchbruch zu breiter Popularität in Kurt Hoffmanns Film "Klettermaxe". Darin doubelte er nicht nur den Hauptdarsteller Albert Lieven, sondern auch noch einen Polizisten, der ihn verfolgte. Mehr als 40 Filme folgten.

"King Kongs" Handstand

Internationales Aufsehen erregte Dahl, als er 1959 "King Kongs" Handstand auf dem Dachrand des Empire State Building nach-balancierte. Das Foto dieses halsbrecherischen Stunts ging rund um die Welt. In Hamburg sprang er von einem fahrenden Hochbahnzug und tauchte mit 120 Stundenkilometer Eigengeschwindigkeit nach einem 47-Meter-Sprung in ein Hafenbecken oder hechtete vom zweiten Stock eines Hauses in ein vorbeifahrendes Cabrio. Er machte Handstand auf einem Fabrikschornstein, hängte sich zum "Uhrenvergleich" an den kleinen Zeiger des Hamburger Michels und sprang von Autobahnbrücken auf hindurchbrausende Lastwagen.

Als er einmal in Höhe des zehnten Stockwerks an einem Hamburger Bürohaus an einer Fahne hing und diese auf einmal langsam von der Stange abzureißen begann, sagte er: "Ich wagte nicht mehr, mich zu bewegen - und ich betete." Jahrzehntelang war sein Motto trotzdem: "Besser zehn Minuten Angst als einen Monat arbeiten."

Fast ein ganzes Jahr im Gipsbett

Der Preis für seinen Ruhm war hoch. Annähernd 40mal mußte er in Notaufnahmestationen von Krankenhäusern eingeliefert werden. Die Knochenbrüche - an die 100 - hatte er irgendwann aufgehört zu zählen. Einmal lag er fast ein ganzes Jahr im Gipsbett. "Es gibt keinen Knochen, den ich mir nicht gebrochen hätte. Mein ganzer Körper ist voller Nägel und Schrauben." Wenn ihn in den letzten Jahren die Rückenschmerzen nachts nicht mehr schlafen ließen, legte er sich in die mit heißen Wasser gefüllte Badewanne und las Romane.

Dahl war dreimal verheiratet. Von seiner letzten Ehefrau hatte er sich nach 15 gemeinsamen Jahren scheiden lassen. "Die letzten Meter will ich allein gehen", hatte er damals gesagt und sich in sein schönes Wedeler Haus zurückgezogen. "Du wirst keine 40", hatten ihm einmal gute Freunde vorausgesagt als er 30 war. Jetzt ist er 76 geworden und im Bett gestorben.

Fritz Eduard Spiess (AP) - Fotos: AP
Gešndert am 6. August 1998 12:44 von aj
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Homepage des Tages Nachrichten aus aller Welt Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage