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Zwei Jahre vor Triathlon-Premiere bei Olympia

Deutsche müssen umlernen

Koblenz - Zwei Jahre vor der olympischen Premiere in Sydney stecken die deutschen Triathleten in einem Dilemma. Auf der Langstrecke sind die Deutschen Weltklasse, auf kürzeren Distanzen bleiben ihnen oft nur hintere Plätze. 1997, beim legendären "Ironman" auf Hawaii, belegten Thomas Hellriegel (Witten), der Koblenzer Jürgen Zäck und Lothar Leder aus Darmstadt die Plätze eins, zwei und drei. Reinhold Häußlein, Bundestrainer der deutschen Dreikämpfer, wäre in Sydney dagegen schon mit einem "Platz unter den ersten zehn zufrieden".

"Das sind nicht meine Strecken", sagte Hellriegel am Sonntag schon vor dem Start des Super-Sprint-Triathlons vor 20.000 begeisterten Zuschauern in Koblenz. Nach drei Durchgängen mit je 300 Meter Schwimmen, sieben Kilometer Radfahren und 2.000 Meter Laufen belegte er in einem Weltklassefeld unter 25 Startern den zwölften Platz, Zäck wurde bei brütenden 35 Grad 13. Bester Deutscher war auf Platz zwei hinter Simon Lessing (Großbritannien) der nationale Titelträger Leder. Die deutschen "Eisenmänner" müssen sich auf dem Weg nach Sydney im Schwimmen und insbesondere im Laufen verbessern, um auf der olympischen Distanz mit 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen bestehen zu können. "Die Weltklasse läuft die zehn Kilometer am Schluß glatt in 30 Minuten", sagt Häußlein. Sein Kader ist von dieser Zeit noch zwei, drei Minuten entfernt.

Die Laufstrecke kann in Sydney indes entscheidend sein, da Windschattenfahren auf der Radstrecke erlaubt ist und sich die traditionell guten deutschen Radfahrer unter den Triathleten im Pulk kaum einen Vorsprung herausfahren können. Für die Defizite im läuferischen Bereich macht Häußlein nicht nur die Arbeit seines Vorgängers Steffen Große verantwortlich.

Lessing und die Australier setzen die Maßstäbe

"In Deutschland wird Triathlon mit Hawaii und Roth in Verbindung gebracht, die Kurzstrecke geht da oft unter", sagt der Nürtinger Häußlein zu den deutschen Kurzstrecken-"Schwächen". Ganz anders in Australien: Dort ist "kurzer" Triathlon Volkssport mit geringem Aufwand: Meist reicht der große Parkplatz eines Kaufhauses am Pazifik, auf dem Rad- und Laufstecke abgesteckt werden. Koblenz-Organisator Zäck hält eine für Zuschauer und Medien attraktive Sprint-Serie in Deutschland für durchaus machbar. Doch bis es soweit ist, setzen die Australier und der dreimalige Weltmeister Simon Lessing, der sich auf die kurzen Strecken spezialisiert hat, die Maßstäbe. Lessing ist schon jetzt Favorit auf den Gewinn der Weltmeisterschaft Ende August in Lausanne und auf eine olympische Medaille.

Olympia 2000 ist auch das Ziel von Lothar Leder, der als einziger deutscher Triathlet auf Lang- wie Kurzstrecke gleichermaßen erfolgreich ist. Der 27jährige blieb 1996 in Roth als erster Mensch auf der Ironman-Distanz (3,8 km/180 km/42,2 km) unter acht Stunden, vor drei Wochen wurde er in Frankfurt/Main deutscher Kurzstreckenmeister. Leder will sich 1999 ganz auf die Kurzstrecke konzentrieren, sehr zum Leidwesen seines Trainers. "Er ist auf der Kurzstrecke gut, wenn er auf der Langstrecke gut trainiert ist. Aber der Lothar will dann nur noch kurz, kurz trainieren", sagt Christian Hildebrandt. Vorerst gilt die gesamte Aufmerksamkeit aber dem "Ironman" am 3. Oktober auf Hawaii. Sydney muß warten.

Gert Blumenstock, sid - Foto: dpa
Geändert am 10. August 1998 15:17 von jp
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