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Bremens Innensenator trat nach Gladbeck zurück:

"Das prägnanteste Delikt"

Bremen/Düsseldorf - Das Gladbecker Geiseldrama war "das prägnanteste kriminelle Delikt nach dem Kriege in Deutschland". Das sagt heute Bernd Meyer, damals sozialdemokratischer Innensenator in Bremen und nur wenige Monate später "politisches Opfer" der Gangster. Meyer gründet seine Einschätzung nicht auf die Zahl der Opfer, sondern auf die öffentliche Begleitung durch die Medien: "So etwas hatte es vorher noch nicht gegeben."

"Heute ist man bei Extremsituationen besser vorbereitet. Auch das Verhältnis Presse-Polizei ist anders, wie man an der Zurückhaltung der Journalisten im Entführungsfall Reemtsma sehen konnte", sagt Meyer, heute Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft in Niedersachsen und Bremen. Am 20. November 1988 war er als Konsequenz der polizeilichen Fehler während der Geiselnahme von seinem Amt zurückgetreten.

Drei Gründe bewogen ihn damals zu seinem Entschluß. "Ich wollte Druck von der Polizei wegnehmen, die mit ihren handwerklichen Fehlern in schärfster Kritik stand." Es habe ein politisches Signal gesetzt werden müssen, um wieder ein Vertrauensverhältnis zur Polizei aufzubauen. Meyer ist überzeugt: "Das ist durch meinen Rücktritt schlagartig gelungen."

"Angriffe gegen mich und meine Familie"

Der zweite Rücktrittsgrund waren "heftige, ernstzunehmende Angriffe gegen mich und meine Familie", die der damalige Innensenator nicht näher erläutert. Der dritte Grund hatte nicht das Gewicht der beiden anderen, war politischer Natur und eigentlich nie richtig bekannt geworden. "Damals war die Landesregierung in einer schwierigen politischen Situation, die mit dem Geiseldrama nichts zu tun hatte." Es habe "intensive Schwierigkeiten" bei der Aufteilung des Senatsressorts gegeben. "Das war eine kritische Gesamtphase. Und da habe ich dann gesagt, ich mache jetzt hier einen Strich."

"Ein Politiker hat eine Gesamtverantwortung"

Unter dem Strich sei seine Entscheidung richtig gewesen, bilanziert Meyer. In der Sache habe er während des Geiseldramas "null eingegriffen", obwohl er sich rund zwölf Stunden im Lagezentrum der Polizei aufgehalten hatte. Aber: "Ein Politiker hat eine Gesamtverantwortung." Man habe damals aus allem gelernt, sagt der frühere Innensenator, "aber das ist kein Beleg dafür, daß es heute garantiert anders laufen würde."
dpa
Gešndert am 11. August 1998 13:06 von aj
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