...USA fürchten jetzt Vergeltung
Die US-Aktion stieß in der amerikanischen Bevölkerung und in der westlichen Welt zumeist auf breite Zustimmung, in Rußland, China und vor allem in arabischen Ländern auf heftige Kritik. In Pakistan, Afghanistan, Sudan, Libyen, Bangladesch und in der palästinesisch verwalteten Stadt Nablus kam es zu ersten Demonstrationen, in der sudanesischen Hauptstadt Khartum zu Angriffen auf die US-Botschaft. In der afghanischen Stadt Dschalalabad wurde ein UN-Büro geplündert.
Mindestens 21 TodesopferDie Zerstörung der Ziele in Afghanistan und im Sudan hatte Präsident Bill Clinton vor allem mit den Terroranschlägen von radikalen Islamisten auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania begründet. Bei den Angriffen sind nach Angaben der afghanischen Taliban mindestens 21 Menschen getötet und 30 verletzt worden. Die sudanesische Regierung sprach von mehr als zehn Verletzten in der in Flammen aufgegangenen pharmazeutischen Fabrik, die nur zur Herstellung von Medikamenten diene, und rief ihre Diplomaten aus Washington zurück.
Pakistan nicht getroffen?US-Sicherheitsberater Samuel Berger bezeichnete die Angriffe als erfolgreich. Die Ziele seien "erheblich beschädigt" worden. Frühere Behauptungen, eine Rakete sei auf pakistanischem Gebiet eingeschlagen und habe Tote und Verletzte gefordert, nahm die pakistanische Regierung am Freitag zurück. Es habe sich um eine "Fehlinformation aus dem Grenzgebiet" gehandelt. Nach Angaben des Pentagon wurden insgesamt 75 Marschflugkörper vom Typ "Tomahawk" mit einer Reichweite von mehr rund 1.500 Kilometern von Schiffen und einem U-Boot abgefeuert, die im Roten Meer und Arabischen Meer südlich von Pakistan stationiert sind. 50 Tomahawk trafen die Ziele in Afghanistan, 25 die Fabrik bei Khartum.
"Im Besitz überzeugender Beweise"Präsident Bill Clinton, der seinen Urlaub unterbrach, hatte in einer Rede an die Nation am späten Donnerstag abend betont: "Im Besitz überzeugender Beweise für neue Terrorschläge habe ich entschieden, daß Amerika handeln mußte." Afghanistan und der Sudan seien seit Jahren davor gewarnt worden, dem internationalen Terrorismus Zuflucht zu gewähren. Er sagte einen "langen Kampf zwischen Freiheit und Fanatismus" voraus und nannte vier Gründe für die Angriffe:"Erstens, weil wir überzeugende Beweise dafür haben, daß diese Gruppen eine Schlüsselrolle bei den Anschlägen in Kenia und Tansania gespielt haben. Zweitens, weil diese Gruppen schon in der Vergangenheit terroristische Attacken gegen Amerikaner ausgeführt haben. Drittens, weil wir zuverlässige Informationen haben, daß sie weitere Angriffe gegen unsere Bürger und andere mit den unausweichlichen tödlichen Folgen planten, wir wir sie auf so tragische Weise in Afrika gesehen haben. Und viertens, weil sie versuchten, sich chemische Waffen und andere gefährlich Waffen zu beschaffen."
Ziel: Osama bin LadenBei dem Ziel in Afghanistan habe es sich um ein Lager von Anhängern des saudischen Millionärs Osama bin Laden gehandelt, teilte Clinton mit. Es sei einer der aktivsten Terroristenstützpunkte der Welt gewesen. "Wir hatten Grund zu der Annahme, daß dort heute ein Treffen führender Terroristen stattfinden sollte. Das machte unser Handeln noch dringlicher." Im Sudan sei eine Anlage angegriffen worden, die zur Herstellung von Komponenten für Chemiewaffen benutzt werden könne.
Weitere Schläge nicht ausgeschlossenUS-Verteidigungsminister William Cohen schloß weitere Militärschläge nicht aus. Er wies auf Fragen von Journalisten Spekulationen entschieden zurück, Clinton habe mit dem Einsatzbefehl von seinen Problemen um die Lewinsky-Affäre ablenken wollen. Eine große Mehrheit der Amerikaner stimmte den Militäraktionen zu. Nach einer Umfrage des Fernsehsenders ABC stellten sich 80 Prozent und nach einer USA Today/CNN-Befragung 66 Prozent hinter das Vorgehen in Sudan und Afghanistan. Auch unter den politischen Gegnern des Präsidenten fand die Aktion mit wenigen Ausnahmen breite Unterstützung.
Jelzin empörtDie Militäraktion der USA löste ein international geteiltes Echo aus. Während Bundeskanzler Helmut Kohl sie begrüßte, äußerte sich der russische Präsident Boris Jelzin empört. "Ich habe nicht gewußt, daß dieser Schlag kommen würde. Das ist unfair", sagte Jelzin. Die kommunistisch dominierte Duma verurteilte die amerikanische "Aggression". Kohl sagte in Bonn, dem Terrorismus könne nur begegnet werden, wenn alle Staaten solidarisch, konsequent und entschlossen handelten.Die mit den USA befreundeten arabischen und islamischen Staaten wie Saudi-Arabien, Jordanien und Ägypten äußerten sich entweder gar nicht oder nur sehr vorsichtig. Auch die Palästinesische Autonmiebehörde vermied eine Stellungnahme. Nur die Türkei unterstützte offen das amerikanische Vorgehen gegen den internationalen Terrorismus. dpa; Fotos und Grafik: dpa, AP, Reuters
|
|
| Geändert am 21. August 1998 16:12 von aj | |