IVWPixel Zšhlpixel

. . . Minister: Abbau war illegal

Farnleitner betonte jedoch zugleich, daß die zehn Männer nicht hätten gerettet werden können, wenn man sofort von der Existenz einer illegalen Sohle gewußt hätte. "Es hätte die Ursachenforschung erleichtert, nicht aber die Rettungsarbeiten." Die Bergwerksbetreiber, die Naintscher Mineralwerke, bestritten jedoch, daß Talk ohne Genehmigung abgebaut wurde.

Seit dem Unglückstag waren in Lassing immer wieder Gerüchte aufgetaucht, im Bergwerk sei knapp unter der Erdoberfläche "schwarz", also illegal abgebaut worden. Dort habe es besonders wertvolle Talkvorkommen gegeben. Diese Sohlen seien nicht in den offiziellen Grubenkarten eingezeichnet gewesen, hatten Bergmänner berichtet. Dies hätte auch die Rettungsarbeiten erschwert.

"Jetzt kommen vermutlich Wut und Zorn hoch"

Die Naintscher Mineralwerke hatten mit einer Klagedrohung versucht, die Gerüchte über einen illegalen Abbau einzudämmen. Auch am Donnerstag blieben sie bei ihrer Darstellung, daß in Lassing kein unrechtmäßiger Abbau betrieben wurde. Die Einwohner von Lassing dagegen fühlen sich bestätigt. "Jetzt kommen vermutlich Wut und Zorn hoch", sagte Fritz Stangl, der stellvertretende Bürgermeister des steirischen Ortes.

Farnleitner sagte am Donnerstag im Parlament in Wien, von März 1997 bis Juni 1998, also bis knapp einen Monat vor dem Unglück, sei aus einer nicht genehmigten Sohle Talk abgebaut worden. Nach den bisher vorliegenden Plänen waren die Experten davon ausgegangen, daß die Sohle aufgelassen und mit Beton gefüllt worden war.

Staatsanwaltschaft eingeschaltet

Er habe die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und Disziplinarverfahren gegen die zuständigen Beamten eingeleitet, sagte Farnleitner. Seinen von der Opposition geforderten Rücktritt schloß er erneut aus. Der österreichische Bundeskanzler Viktor Klima hatte zuvor versprochen, die Öffentlichkeit werde "die ganze Wahrheit" über das Unglück von Lassing erfahren.

Sohle knapp über dem eingeschlossenen Hainzl

Die Existenz der illegalen Sohle war nach Angaben der Berghauptmannschaft Leoben erst am Dienstag aufgeflogen. Werksleiter Hermann Schmidt habe überraschend eine Grubenkarte vorgelegt, in der diese Sohle eingezeichnet gewesen sei. Diese habe sich in etwa 60 Metern Tiefe knapp über jenem Jausenraum befunden, in dem der 24- jährige Bergmann Georg Hainzl eingeschlossen worden war.

In der Folge waren zehn weitere Kumpel in dem Bergwerk von riesigen Wasser- und Schlamm-Massen begraben worden. Hainzl konnte nach neun Tagen gerettet werden. Seine Rettung durch ein deutsches Bohrteam machte als das "Wunder von Lassing" weltweit Schlagzeilen. Die Suche nach den zehn anderen Kumpeln blieb jedoch erfolglos und wurde Mitte August eingestellt. Ihre Leichen werden vermutlich erst im Laufe des nächsten Jahres geborgen werden können.

dpa - Foto: Archiv, Grafiken: dpa, Archiv
Gešndert am 17. September 1998 16:33 von aj
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Homepage des Tages Nachrichten aus aller Welt Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage