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  • Die Geschichte der Atomwaffen
  • Zeitschrift: Fehler im russischen Frühwarnsystem

    Beinahe-Atomkrieg im Jahr 1983?

    Moskau - Das Frühwarnsystem der Sowjetunion hat vor 15 Jahren fälschlicherweise einen Raketenangriff der USA gemeldet und damit beinahe einen atomaren Schlagabtausch ausgelöst, wie das russische Wochenmagazin "Wlast" am Dienstag berichtete.

    Ein zu dem Warnsystem gehörender Oko-Satellit habe am frühen Morgen des 26. September 1983 fälschlicherweise signalisiert, daß die USA eine Minuteman-Interkontinentalrakete abgeschossen hätten, schrieb das Blatt. Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls waren die Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion äußerst gespannt.

    "Wlast" berichtete, der sowjetische Satellit habe nach der ersten Rakete mehrere amerikanische Folgeabschüsse gemeldet. Unter diesen Umständen sei das russische Militär davon ausgegangen, es habe nur rund 20 Minuten Zeit zu entscheiden, ob der Bericht korrekt sei und Raketen zur Vergeltung abgefeuert werden sollten. Oberstleutnant Stanislaw Petrow, der für das Frühwarnsystem zuständig gewesen sei, habe innerhalb von knapp zehn Minuten die Information bewerten und eine Entscheidung treffen müssen, bevor er der Sowjetführung Bericht erstattet habe. Laut "Wlast" entschied Petrow eigenmächtig, daß der Alarm falsch war, weil das Bodenwarnsystem das von dem Satelliten ausgesandte Signal nicht bestätigte.

    Untersuchungsausschuß eingesetzt

    Der von Petrow unterrichtete sowjetische Verteidigungsminister Dmitri Ustinow habe das regierende Politbüro nicht über den Vorfall informiert, aber einen Untersuchungsausschuß eingesetzt, schrieb "Wlast". Weniger als einen Monat zuvor hatte das Sowjetmilitär eine koreanische Linienmaschine abgeschossen, die sich in den sowjetischen Luftraum verirrt hatte. Alle 269 Menschen an Bord kamen ums Leben.

    Daten völlig verzerrt

    Der Untersuchungsausschuß kam dem Bericht zufolge zu dem Schluß, daß die Oko-Satelliten über keinerlei Schutz vor der Erdstrahlung verfügten und die Daten daher völlig verzerrt wurden. "Der Ausschuß war entsetzt, als er den wahren Verläßlichkeitsgrad der Oko-Satelliten erkannte", schrieb das Magazin. Petrow habe nach dem Zwischenfall unter schweren Streßsymptomen gelitten und mehrere Monate im Krankenhaus verbracht, bevor er schließlich aus dem Militärdienst entlassen worden sei.
    AP - Foto: Archiv
    Gešndert am 22. September 1998 15:47 von aj
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