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Volksentscheid zur Rechtschreibreform in Schleswig-Holstein

Tradition muß sein: In Stapelholmer Tracht
stimmen Udo und Susanne Reggentin darüber ab,
nach welchen Regeln ihre Kinder Jana [M] und
Malte schreiben lernen.

Kiel - Als einziges Bundesland wird Schleswig-Holstein die Rechtschreibreform nach ersten Hochrechnungen zum Volksentscheid nicht einführen. Nach einer Hochrechnung des NDR-Fernsehens erhielten die Gegner der Rechtschreibreform 59 Prozent Zustimmung.

Damit müßte an den Schulen des nördlichsten Bundeslandes weiterhin nach den alten Regeln unterrichtet werden. Die neuen Rechtschreibregeln gelten seit dem 1. August im gesamten deutschen Sprachraum, die Schüler werden bereits danach unterrichtet.

Der Gegenentwurf des Landtags kam der Hochrechnung zufolge auf 26,7 Prozent. Beide Entwürfe wurden von 14,3 Prozent der 2,13 Millionen Abstimmungsberechtigten abgelehnt. Bei einer geschätzten Wahlbeteiligung von 72,4 Prozent wären die für das Beibehalten der alten Regeln erforderlichen 530.000 Stimmen um beinahe das Doppelte übertroffen.

Schleswig-Holstein eine "isolierte Sprachinsel"?

Der Sprecher der Initiative "Wir gegen die Rechtschreibreform", Matthias Dräger, sagte im NDR-Fernsehen, dieses Ergebnis sei eine Leitentscheidung für ganz Deutschland. Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen würden sich daran orientieren. Schleswig- Holsteins Bildungsministerin Gisela Böhrk (SPD), die sich vergeblich für die neuen Orthographieregeln ausgesprochen hatte, sagte: "Die Kinder sind die eigentlichen Verlierer". Schleswig-Holstein werde eine isolierte Sprachinsel. Wenn es bei dem Ergebnis bliebe, sei "es in der Tat deprimierend".

Die Landesregierung müßte das Schulgesetz jetzt so ändern, daß an den Schulen wieder nach den alten Rechtschreibregeln unterrichtet wird und nicht mehr nach den neuen, wie seit fast zwei Jahren. 90.000 Kinder lernen bereits die neuen Regeln.

"Allgemein üblich" oder "allgemein üblich"?

Der Gesetzentwurf der Reformgegner lautete: "In den Schulen wird die allgemein übliche Rechtschreibung unterrichtet. Als allgemein üblich gilt die Rechtschreibung, wie sie in der Bevölkerung seit langem anerkannt ist und in der Mehrzahl der lieferbaren Bücher verwendet wird." Der Alternativentwurf des Landtags lautete: "In den Schulen wird die allgemein übliche Rechtschreibung unterrichtet. Als allgemein üblich gilt die Rechtschreibung, wie sie in den übrigen Ländern der Bundesrepublik Deutschland für die Schulen verbindlich ist." Wegen der schweren Verständlichkeit des Stimmzettels wurden in den Wahllokalen Plakate mit Erläuterungen ausgehängt.

Die Kultusministerkonferenz hatte vor dem Volksentscheid immer wieder erklärt, eine Umkehr der Reform werde es nicht geben. Sie sieht sich darin auch vom Bundesverfassungsgericht bestätigt, das einen Sonderweg eines Landes für möglich hält. Die Befürworter befürchten schwere Nachteile für die Schüler gegenüber denen aus den anderen Ländern. Die Schulbuchverlage, die sich im Vorfeld vehement gegen einen Reformstopp einsetzten, warnten vor dramatischen Kosten, falls gesonderte Bücher für Schleswig-Holstein gedruckt werden müßten.

dpa - Foto: dpa
Gešndert am 27. September 1998 21:56 von to
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