"Deep Space 1" auf der Startrampe:Revolutionäres RaumschiffCape Canaveral - Ein revolutionäres Raumschiff wartet auf dem amerikanischen Weltraumbahnhof Cape Canaveral auf den Countdown. Im Morgengrauen des 25. Oktober soll mit "Deep Space 1" ein fliegendes Laboratorium von Florida aus in das Weltall geschickt werden, um einen fernen Asteroiden zu besuchen.
IonenantriebDer elektrostatische Ionenantrieb mit dem Edelgas Xenon wird erstmals entscheidend für das Vorankommen eines Raumfahrzeuges in den tiefen Weltraum eingesetzt. Außerdem ist Software mit "künstlicher Intelligenz" entwickelt worden, damit "Deep Space 1" über den sichersten und den genauesten Kurs selbst befindet."Deep Space 1" ist der erste Flug der US-Raumfahrtbehörde Nasa in ihrem "New Millenium"-Programm, das neuartige Technologien für die weitere Eroberung des Weltalls im 21. Jahrhundert ausprobiert. "Mit diesem ersten Flug riskieren wir viel, damit es in der Zukunft keine Risiken mehr gibt", so erläutert Rayman. "Der Ionenantrieb bringt uns schneller zu wichtigen Zielen in unserem Sonnensystem. Autonomie an Bord bedeutet geringere Kosten für die Kontrolle von Raumfahrzeugen."
"Wunderantrieb"![]() Und so soll der neue Wunderantrieb funktionieren: Das Raumfahrzeug hat 85 Kilogramm Xenon im Gepäck. Für den Antrieb wird dieses Edelgas ionisiert und die Ionen, durch elektrostatische Felder beschleunigt, treten aus dem Triebwerk heraus. "Deep Space 1" wird also auf seiner Reise zu dem 193 Millionen Kilometer entfernten Asteroiden "1992 KD" einen blauen Flammenstrahl abgeben. Das von Elektronen bombardierte Xenon ist zehnmal ergiebiger als herkömmlicher Raketentreibstoff.
Orientierung an Asteroiden und SternenDer revolutionäre Antrieb ist indessen nicht alles, was bereits nach den ersten acht Wochen Flug weitgehend ausgetestet sein soll. Mit seiner ausgetüftelten Software kann "Deep Space 1" sich an der Position von Asteroiden und Sternen orientieren, selbst seinen Kurs korrigieren und sich somit "autonom" seinen Zielen nähern. Im Juli 1999 soll die Sonde bei "1992 KD" ankommen und wissenschaftlich tätig werden - obwohl dies einer der wenigen Weltraumflüge ist, bei dem mehr die Technologie als die Wissenschaft im Vordergund steht."Es ist, als wenn ein Auto seinen Weg von Washington nach Los Angeles findet und dann auch auf seinem eigenen Parkplatz ankommt, wobei es 500 Kilometer mit einer Gallone Treibstoff (3,8 Liter) fährt", erklärt der Chefingenieur und fügt in der Fachzeitschrift "Final Frontier" an: "Das sind genau die bahnbrechenden Technologien, die wir für unsere neue Ära der Erforschung des Weltalls brauchen."
Terminfülle auf dem WeltraumbahnhofDer Start von "Deep Space 1" mit einer Delta-Rakete wird möglicherweise noch auf den 15. Oktober vorgezogen. Die Terminfülle des Weltraumbahnhofs scheint bislang noch den späteren Startzeitpunkt notwendig zu machen. Falls das Raumschiff und sein vom Lewis Research Center der Nasa entwickelter Antrieb durchhalten, dann könnte "Deep Space 1" im Jahr 2001 auch noch an dem Kometen Borelly vorbeifliegen.Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa - Fotos: Nasa
|
|
| Geändert am 28. September 1998 16:05 von aj | |