Flugzeug über Sri Lanka vermißt55 Insassen - Funkkontakt brach ab - Anonymer DrohbriefColombo - In Sri Lanka ist ein Verkehrsflugzeug mit 55 Menschen an Bord kurz nach seinem Start am Dienstag vermißt gemeldet worden. Wie die Luftbehörde des Landes mitteilte, war die Maschine der Fluggesellschaft Lionair auf dem Weg von der Halbinsel Jaffna in die Hauptstadt Colombo. Luftwaffe und Marine hätten die Suche aufgenommen. Unterdessen berichteten srilankische Rebellen von der Eroberung zweier Städte auf Jaffna. Die Regierung wies die Angaben jedoch zurück.Nach Angaben der Luftfahrtbehörde verlor die in der Ukraine gebaute Maschine vom Typ Antonow-24 bereits wenige Minuten nach dem Start vom Flughafen Palali den Funkkontakt zum Boden. Die von der Regierung kontrollierte Halbinsel Jaffna ist wegen anhaltender Kämpfe zwischen Militär und Rebellen nur über Luft- und Seewege mit dem übrigen Land verbunden. Lionair ist eine von zwei privaten Fluggesellschaften, die Zivilflüge zwischen Jaffna und Colombo anbietet. Die reguläre Route führt entlang der Küste über Rebellengebiete. Nach Angaben des srilankischen Verteidigungsministeriums erhielt die zweite Fluggesellschaft, Monara, vor rund zwei Wochen ein anonymes Schreiben, in dem mit Angriffen auf die Maschinen gedroht wurde, falls der Flugbetrieb nicht eingestellt werde. Monara stoppte die Flüge für zwei Tage, nahm den Betrieb dann jedoch wieder auf. Es war zunächst unklar, ob auch Lionair ein entsprechendes Schreiben erhielt.
Verdacht auf Rebellenorganisation der BefreiungstigerHinter dem Brief wurde die Rebellenorganisation der Befreiungstiger von Tamil Eelam vermutet. Die Gruppe besetzte Jaffna 1990 und rief eine Regierung für die im Norden des Landes lebenden mehr als eine Million Menschen aus. Das srilankische Militär eroberte die Stadt 1995 in einer blutigen 50-tägigen Offensive zurück. Die Rebellen haben seit 1983 kein Zivilflugzeug angegriffen. Damals sprengten sie auf dem Flughafen von Colombo eine Maschine der damals staatlichen Gesellschaft Air Lanka. Dabei kamen 14 Menschen ums Leben.
Militär berichtet von 527 Toten bei KämpfenDer Untergrundsender "Stimme der Tiger" berichtete am Dienstag, die Rebellen hätten nach dreitägigem Kampf die beiden Städte Kilinochchi und Paranthan eingenommen. Dabei seien 240 Kämpfer getötet worden. Die Rebellen seien bereit, die Leichen dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz zu übergeben.Das Militär in Colombo berichtete hingegen, die beiden Städte seien noch in Regierungsgewalt. Demnach kamen bei den Auseinandersetzungen 377 Rebellen und 150 Soldaten ums Leben. 300 weitere Soldaten seien verletzt worden. Die Angaben konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden, da die srilankische Regierung im Kampfgebiet keine Journalisten zuläßt. Die jüngsten Kämpfe brachen am Sonntag aus, als die Befreiungstiger die rund 280 Kilometer nördlich der Hauptstadt gelegenen Städte angriff, die an einer strategisch wichtigen Straße liegen. Die Rebellen kämpfen für einen unabhängigen Staat für die tamilische Minderheit im Norden und Osten Sri Lankas. Seit 1983 wurden in Kämpfen mit dem Militär mehr als 54.000 Menschen getötet. AP
|
|
| Geändert am 29. September 1998 16:30 von aj | |