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Spagat zwischen Lupo und Bugatti

VW präsentiert erstes Drei-Liter-Auto und 18-Zylinder-Luxus

Paris - Volkswagen will mit dem weltweit ersten Drei-Liter- Auto und einem Luxussportwagen der Marke Bugatti neue Maßstäbe in der Autoproduktion setzen. VW-Vorstandschef Ferdinand Piech präsentierte beide Autos am Dienstag im Vorfeld des Pariser Automobil-Salons erstmals der Öffentlichkeit. Er nannte die beiden ungleichen Modelle "Gegensätze, die den Automobilbauern einen technischen Spagat der Sonderklasse abverlangen" würden.

"Wir setzen mit diesem serienreifen Drei-Liter-Auto als erster Hersteller einen Meilenstein für die Automobilindustrie im 21. Jahrhundert", sagte Piech. Mit Bugatti sowie den britischen Marken und der von Audi übernommenen Marke Lamborghini habe sich VW "auf direktem Weg" im Top-Luxusbereich etabliert.

Um die Zahl der Modelle zu erhöhen und um Kapazitätsengpässe in den Werken abzubauen, will VW seine Investitionen noch einmal deutlich ausweiten. Finanzvorstand Bruno Adelt sagte der dpa, daß der Fünf-Jahresplan von bisher 43 Milliarden um rund 20 Prozent auf die neue Rekordmarke von etwa 50 Milliarden DM erhöht werden soll. Absehen von der kleinen "gläsernen Fabrik" in Dresden gebe es aber weiterhin keine Pläne für ein völlig neues Werk.

Drei-Liter-Lupo für 25.000 Mark

Der "revolutionären Idee" eines Drei-Liter-Autos seien noch Anfang der 90er Jahre kaum Chancen eingeräumt worden, sagte Piech. Der Kleinwagen aus der neuen Lupo-Reihe mit einem 1,2-Liter-Dieselmotor und 60 PS Leistung sei "ein vollwertiges serienreifes Auto", das eine Spitzengeschwindigkeit von 172 Stundenkilometer erreiche. Der Drei- Liter-Lupo soll im Frühjahr 1999 auf den Markt kommen. Der Preis dürfte allerdings bei etwa 25.000 DM und damit deutlich über dem Grundmodell des Lupo liegen. Pro Jahr erwartet VW zunächst eine Jahresproduktion von 10.000 Stück. Die technischen Neuerungen vor allem bei der Verwendung leichterer Materialen sollen bereits "in ein, zwei Jahren auf andere VW-Modelle übertragen werden", sagte VW- Markenvorstand Folker Weißgerber.

Geht der Luxussportwagen in Serie?

Offen hingegen ist, ob und wann der Bugatti EB 118 in Serie gehen wird. "Ich würde es mir wünschen. Wir wollen die Resonanz abwarten", sagte VW-Entwicklungsvorstand Martin Winterkorn. "Ein Riesenkonzern wie VW muß zeigen, daß er unten kann und daß er oben kann." Wie es am Rande der VW-Pressekonferenz hieß, plant Volkswagen weitere Modelle für die Marke Bugatti, die damit praktisch den Platz von Rolls-Royce einnehmen werde. Rolls-Royce wird in fünf Jahren von BMW übernommen. Dagegen werde VW unterhalb des Bugatti die Marken Bentley und Lamborghini weiter ausbauen.

Neben dem Drei-Liter-Auto präsentiert VW in Paris erstmals auf einer Automobilausstellung die übrigen Modelle des Kleinwagens Lupo, den Bora, eine neue Modellvariante der kürzlich erworbenen britischen Marke Bentley mit einem 400 PS starken Acht-Zylinder-Motor, den Audi TT Coupe und den neuen Seat Toledo. Den Käfer-Nachfolger New Beetle kündigte Piech bis Jahresende auch für Westeuropa an. Es lägen hier bereits 175.000 Vormerkungen vor.

Absatz weiter gesteigert

VW hat seinen Autoabsatz in den vergangenen drei Monaten trotz starker Verluste in Südamerika weiter gesteigert. Bis Ende September verkauft Europas größter Autohersteller weltweit 3,45 Millionen Fahrzeuge. Das seien 6,2 Prozent mehr als in den ersten neun Monaten des Vorjahres, teilte VW-Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer. Bis zur Jahreshälfte lag der Anstieg noch bei 4,2 Prozent.

Zusätzliche Kapazitäten will VW nach Angaben Adelts durch die komplette Übernahme des bisher mit Ford betriebenen Werkes in Palmela (Portugal) bekommen. Die Regierung in Lissabon müsse aber noch zustimmen. Die gemeinsame Produktion der nahezu baugleichen VW Sharan, Ford Galaxy und Seat Alhambra soll aber fortgesetzt werden.

dpa - Fotos: Reuters, Archiv
Geändert am 29. September 1998 15:34 von aj
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