IVWPixel Zšhlpixel

Die Chronik:

Das Verbrechen und der Prozeß

Frankfurt - Genau zwei Jahre nach der Entführung und Ermordung des Unternehmers Jakub Fiszman hat das Frankfurter Landgericht sein Urteil über die mutmaßlichen Täter Rainer und Sven Körppen gefällt. Weiterer Gegenstand des Verfahrens vor der 14. Strafkammer war die Entführung des Fiszman-Neffen Peter im Jahr 1991.

Weiterhin wird dem Vater-Sohn-Duo die Entführung des Geschäftsmanns Achim Heftrich aus Dietzenbach angelastet. Diese Anklage soll vor dem Landgericht Darmstadt verhandelt werden. Ein Prozeßbeginn ist noch nicht festgelegt. Die Chronologie der Verbrechen und des Prozesses:

16. Januar 1991: Der sechsjährige Peter Fischmann, Neffe Jakubs und Sohn dessen Bruders Georg, wird gemeinsam mit seiner Schulfreundin Lisa Abels (7) in Köln von drei Männern entführt.

19. Januar 1991: Die beiden Kinder werden freigelassen. Das geforderte Lösegeld von 2,1 Millionen Mark ist nicht gezahlt worden, die Familie wird auch nach der Freilassung telefonisch bedroht.

1. September 1993: Unbekannte kidnappen den Junior-Chef eines Offenbacher Fleischgroßhandels, Achim Heftrich. Die Erpresser verlangen zwei Millionen Mark.

7. September 1993: Geldübergabe in einem Wiesbadener Gewerbegebiet.

8. September 1993: Achim Heftrich wird in Wiesbaden nach sieben Tagen Isolation in einer Holzkiste freigelassen. Er gibt an, gut behandelt worden zu sein.

1. Oktober 1996: Der Multimillionär Jakub Fiszman wird in Frankfurt entführt und dabei verletzt. Die Behörden bewahren Stillschweigen über den Fall.

2. Oktober 1996: Fiszman meldet sich per Telefon. Er werde in einem Keller gefangengehalten. Die Entführer verlangen 3,5 Millionen Mark Lösegeld.

3. Oktober 1996: Laut Aussage Sven Körppens erschlägt sein Vater Rainer das Entführungsopfer in einem Waldstück bei Reckenroth (Rhein- Lahn-Kreis).

10. Oktober 1996: Das Lösegeld von vier Millionen Mark wird an der vereinbarten Stelle abgelegt und von den Tätern abgeholt.

12. Oktober 1996: Das hessische Landeskriminalamt informiert die Öffentlichkeit.

16. Oktober 1996: Die Polizei nimmt drei Männer und zwei Frauen fest, das komplette Lösegeld wird im Garten von Rainer Körppens Eltern in Wiesbaden ausgegraben.

17. Oktober 1996: In einem unwegsamen Waldgelände suchen über 500 Polizisten nach Fiszman. Gegen Rainer Körppen und seinen Sohn Sven ergeht Haftbefehl.

18. Oktober 1996: Sven Körppen legt ein Teilgeständnis ab und belastet seinen Vater.

19. Oktober 1996: Die Polizei findet auf Grund der Aussage Sven Körppens und mit Hilfe von Spürhunden die bereits stark verweste Leiche Fiszmans im Taunus.

22. Oktober 1996: Jakub Fiszman wird in Frankfurt unter großer öffentlicher Anteilnahme beigesetzt.

20. Dezember 1996: Die Haftbefehle gegen die Körppens werden um die Entführungen von Köln und Offenbach erweitert.

2. Oktober 1997: Der Prozeß gegen die beiden mutmaßlichen Entführer beginnt vor dem Frankfurter Landgericht. Rainer Körppen ist wegen Mordes angeklagt, sein Sohn wegen Beihilfe zum Mord. Beiden wird außerdem erpresserischer Menschenraub in zwei Fällen vorgeworfen.

6. Oktober 1997: Sven Körppen gesteht die Entführung Jakub Fiszmans, will aber beim Mord nicht dabeigewesen sein. Dies sei allein die Tat seines Vaters gewesen.

9. Oktober 1997: Rainer Körppen streitet jeglich Beteiligung an den Verbrechen ab. Als Vater habe er aber versucht, seinen darin verstrickten Sohn zu decken.

24. November 1997: Ortstermin am Körppen-Haus in Langen und am Leichenfundort in Reckenroth.

15. Januar 1998: Ein gentechnisches Gutachten belastet Rainer Körppen schwer: An einem Zigarettenstummel im Entführungswagen findet sich sein Speichel, in seiner Garage werden Blutspuren von Fiszman nachgewiesen.

19. Januar 1998: Laut einem Gutachten des LKA finden sich zahlreiche identische Textilfasern sowohl an der Kleidung Fiszmans als auch bei den Körppens.

26. Januar 1998: Der Rechtsmediziner Hansjürgen Bratzke beschreibt die zahlreichen Verletzungen, die letztlich zum Tod Fiszmans geführt haben. Todeszeitpunkt und -ort können nicht exakt geklärt werden. Sven Körppen wird bei den detaillierten Schilderungen schlecht.

2. Februar 1998: Der Bruder Jakub Fiszmans, Georg, beschreibt vor Gericht die Qualen der Familie im Schatten der beiden Verbrechen.

16. Februar 1998: Vor dem Darmstädter Landgericht erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die beiden Körppens wegen der Heftrich-Entführung im September 1993.

12. März 1998: Rainers Ehefrau Renate und seine geschiedene Ehefrau verweigern ebenso die Aussage wie Svens geschiedene Gattin.

6. Juli 1998: Das drei Tage später im Prozeß vorgestellte Gutachten eines EDV-Sachverständigen wird bekannt. Der Experte hat auf der =Festplatte Rainer Körppens Spuren von drei Erpresserschreiben entdeckt.

17. August 1998: Der Psychiater Dr. Achim Mechler bezeichnet Rainer Körppen als voll schuldfähig und gemeingefährlich. Er spricht sich für eine Sicherungsverwahrung aus. Mechlers Kollege Detlev Cabanis kommt zu dem Schluß, Sven Körppen sei trotz seiner starken Abhängigkeit vom Vater voll schuldfähig.

31. August 1998: Die Staatsanwälte fordern lebenslang mit anschließender Sicherungsverwahrung für Rainer Körppen. Sohn Sven soll als Mittäter mit zwölf Jahren und neun Monaten bestraft werden.

3. September 1998: Die Nebenklage verlangt auch für Sven lebenslange Haft. Er habe "gewußt und gewollt, was der Vater exekutiert hat."

7. September 1998: Rainer Körppen stellt 37 neue Beweisanträge. Unter anderem will er seinen Sohn "gehirnorganisch" untersuchen lassen. Die Darmstädter Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Rainer Körppens Ehefrau und dessen Ex-Frau Lilo, die Geld aus der Heftrich- Entführung gewaschen haben sollen.

10./14. September 1998: Die Anwälte Rainer Körppens pladieren für einen Freispruch vom Mordvorwurf. Zu den beiden Entführungen stellen sie keine Anträge, appellieren aber an ihren Mandanten, auszusagen.

17. September 1998: Svens Verteidiger beantragen acht Jahre Haft. Er sei von der Mittäterschaft beim Mord freizusprechen.

21. September 1998: In seinem Schlußwort beteuert Rainer Körppen noch einmal seine Unschuld. Den Ermittlern wirft er einseitige Arbeit vor und stellt zahlreiche neue Beweisanträge.

1. Oktober 1998: Die 14. Strafkammer fällt am zweiten Jahrestag der Entführung ihr Urteil. Rainer Körppen muß lebenslang hinter Gitter, sein Sohn wird zu zwölf Jahren Haft verurteit. Rainer Körppen darf wegen besonderer Schwere der Schuld nicht bereits nach 15 Jahren entlassen werden, für ihn gilt außerdem Sicherheitsverwahrung.

dpa/lhe

Gešndert am 1. Oktober 1998 13:36 von ar
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Homepage des Tages Nachrichten aus aller Welt Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage