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... Nur Kamele sind nicht dabei

Und nach den Hallen aufs Party-Parkett

Am Dienstag wird die Buchmesse zum 50. Mal eröffnet. Inzwischen ist sie der weltweit größte Markt für Literatur und für elektronische Medien. Jedes Jahr im Oktober zieht sie mehr als 6.500 Aussteller aus über 100 Staaten sowie 300.000 Besucher an. Selbst die Amerikaner treffen sich in Frankfurt: Zur Messe in Chicago, weltweit die Nummer zwei, kommen nur rund 1.000 Teilnehmer.

Ganz klar ist: Wer im Buchhandel auf sich hält (und mitreden will), muß in Frankfurt dabei sein. Nicht nur in den überquellenden Messehallen, sondern vor allem bei den Parties danach, wo über die wirklich wichtigen Dinge des (Geschäfts-)Lebens geredet wird...

Hier wird verhandelt, wer was womit verdient

Mit Verträgen über Werkerechte setzt man in Frankfurt in wenigen Tagen Milliarden um: Wer am Buch und am Taschenbuch verdient, wer die Lizenz für die USA oder Lateinamerika erhält, wer das Werk verfilmen darf und die Fernseh- und Videorechte erhält, wer den Soundtrack als Musik-CD anbietet - hier wird es verhandelt und entschieden.

Schon Gutenbergs Schriften wurden in Frankfurt verdealt

Die Messe kann auf eine 500jährige Tradition verweisen. Als Gutenberg in Mainz den Buchdruck erfunden hatte, wurden Schriften und Folianten eine wichtige Ware auf der Frankfurter Herbst- und Ostermesse. Doch mit Reformation, Zensur und der Ablösung der lateinischen durch nationalsprachliche Bücher verlor Frankfurt stetig an Bedeutung. Zentrum für den deutschsprachigen Buchhandel wurde im 17. Jahrhundert Leipzig.

Wie Phönix aus der Asche entstand die moderne Buchmesse aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges. Leipzig lag in der Sowjetzone. Die Leser hungerten nach Büchern, vor allem nach ausländischer Literatur. Im Juni 1949 lud das "Börsenblatt" des Buchhandels zu einer Schau "Das Deutsche Buch" ins zentral gelegene Frankfurt ein.

Nachkriegs-Leser hungerten auch nach Büchern

Schließlich präsentieren 200 Verlage aus Deutschland und einige französische Häuser in der Paulskirche und im Römer 10.000 Titel. Der Schriftsteller Eugen Kogon und der Hamburger Verleger Ernst Rowohlt sprachen - Rowohlt hatte allerdings keinen Stand. Die Umsätze der Verlage lagen zwischen 4.500 und 45.000 Mark. In einem geschichtlichen Rückblick des "Börsenblatts" hieß es, Bertelsmann habe Aufträge in astronomischer Höhe bekommen. Die Berichte des Vertreters an die Zentrale in Gütersloh habe Messedirektor Wilhelm Müller gut mithören können: Das einzige Telefon auf der Messe stand in Müllers Büro.

Türöffner für die Literatur Lateinamerikas

Im folgenden Jahr nahmen schon 450 Verlage teil, viele europäische und zwei aus New York. Den deutschen Buchhandlungen wurde der Messekatalog zugestellt, Plakate und Handzettel warben für die Teilnahme. Der Reporter der "Frankfurter Allgemeinen" stöhnte darüber, "was auf der Netzhaut und im Kopf des Besuchers durch die 15.000 Buchtitel" angerichtet werde: "Ich fühle mich wie von Büchern verfolgt."

Die Bücherschau übersiedelte aufs Messegelände, und 1951 wurde der erste Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Albert Schweitzer verliehen. 1954 waren erstmals mehr ausländische als deutsche Verleger auf der Buchmesse.

Schwerpunktthemen

Mit einer Werbeidee gelang den Veranstaltern 1976 ein Geniestreich: Sie präsentierten erstmals ein Schwerpunktthema, "Lateinamerika" - und trugen damit wesentlich zum internationalen Aufschwung der lateinamerikanischen Literatur bei. Autoren wie Gabriel Garcia Marquez oder Mario Vargas Llosa werden seither auch in den USA und Europa gelesen. Anderen Schwerpunkten (in diesem Jahr wird es die Schweiz sein) blieb ein solcher Erfolg versagt.

"Frankfurt goes electronic"

Eine entscheidende Neuerung kam 1993 unter dem Motto "Frankfurt goes electronic". Die neuen Medien wurden teils euphorisch gefeiert, teils wurde der Untergang der Buchkultur beschworen. Inzwischen sind die CD-ROMs ein Produkt unter anderen. Jahrelang hatte die Buchmesse ständig neue Rekorde gemeldet: 101.028 Neuerscheinungen (1992), 355.440 Titel (1993), 319.000 Besucher (1995). Auch hier spricht der Börsenverein inzwischen von einer Normalisierung - auf höchstem Niveau.
Roland Losch, AP
Geändert am 2. Oktober 1998 19:18 von to
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