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Gianna Nannini meldet sich mit "Cuore" zurück

Rock von ganzem Herzen

"Diese Frau ist wie ein Vulkan", schwärmte Udo Lindenberg von Gianna Nannini. Das war in den 80ern und die Bäckerstochter aus der Toskana galt als spektakulärster Popexport Italiens und als eine der erfolgreichsten weiblichen Rockstars Europas.

In den 90er Jahren zog sie sich weitgehend aus dem internationalen Showgeschäft zurück, widmete sich musikalischen Experimenten, politischen Aktivitäten und ihrer Doktorarbeit zum Thema "Der Körper in der Stimme", die sie 1994 mit der Bestnote "summa cum laude" abschloß. Jetzt feiert "dottore" Nannini mit ihrem zwölften Studioalbum, "Cuore", ein Comeback als Rockerin.

"Cuore", das Herz, hat die 42jährige ihr neues Werk genannt. "Es ist ein sehr persönliches Album, ich wollte damit mein Innerstes zeigen", sagt sie. Im Mittelpunkt steht wieder einmal ihr Lieblingsthema "amore" mit allen Aspekten: aufflammende und endende Liebe, glühende und erlöschende Leidenschaft, Einsamkeit und Sehnsucht.

Politik paßt auch ins Liebeslied

Aber das Werk bietet einiges mehr als immer nur das eine. Zu ökologischen Themen und Rassismus äußert sich die Frau mit der Reibeisenstimme vor allem zwischen den Zeilen. "Es gibt bei mir viele politische Lieder in Form von Liebesliedern und umgekehrt", betont sie. Musikalisch knüpft Nannini an ihre Erfolgsalben aus den 70er und 80er Jahren an. Ehrlichen Gitarrenrock und rührenden Blues ohne digitale Schnörkel gibt sie zum Besten. Als "Verbindung von mediterranen Melodien und mitteleuropäischem Rhythmus" beschreibt sie selbst ihr Konzept.

"Cuore" bedeutet für Nannini nicht nur ein Comeback, es ist auch ein Jubiläumsalbum. Vor 20 Jahren startete sie nach wenig erfolgreichen Versuchen als Pianistin und Liedermacherin ihre Rockkarriere. Bereits 1979 gelang ihr mit dem Album "California" der Durchbruch und gleichzeitig der erste handfeste Skandal. Auf dem Cover tauschte sie die Fackel der amerikanischen Freiheitsstatue gegen einen Vibrator ein und propagierte in ihrem Song "America" die Selbstbefriedigung. Im katholischen Italien ging das damals noch zu weit. "Heute wäre das nicht mehr so problematisch. Jetzt lachen die Italiener über die Aufregung um Bill Clinton in den USA."

Engagement für Greenpeace, Tibet und Indianer

Eine Rebellin ist Nannini über die Jahre geblieben. Regelmäßig beteiligt sie sich an politischen Aktionen. 1995 seilte sie sich vom Balkon der französischen Botschaft in Rom ab, um gegen die Atomversuche auf dem Mururoa-Atoll zu protestieren. Sie unterstützt Greenpeace, gibt Konzerte für illegale Einwanderer und gewerkschaftliche Anliegen, setzt sich für kanadische Indianer und für die Befreiung Tibets ein. "In unserer Gesellschaft werden zu viele Worte gemacht, denen dann zu wenige Taten folgen. Wir müssen wieder zu den Taten zurückkehren", gibt sie sich kämpferisch.

Im nächsten Jahr wird die Ikone des 80er-Jahre-Rocks auch in Deutschland wieder live zu sehen sein. Eine Europatournee zu ihrem neuen Album ist bereits geplant. "Für mich sind Bühnenauftritte Mission und Passion zugleich", sagt sie. Wie es nach der Tour weitergehen soll, weiß sie noch nicht. Nach Ruhe sehnt sie sich jedenfalls nicht. "Ich kann mir vorstellen noch auf der Bühne zu stehen, wenn ich 60 bin."

Michael Fischer, AP
Geändert am 7. Oktober 1998 16:15 von to
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