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"Jahrhundertschauspieler verläßt Bühne":

Bernhard Minetti ist gestorben

Berlin - Bernhard Minetti, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler des Jahrhunderts, ist tot. Wie das Berliner Ensemble mitteilte, starb Minetti am Montag im Alter von 93 Jahren in Berlin. An der Brecht-Bühne war Minetti zuletzt engagiert. "Der Jahrhundertschauspieler Bernhard Minetti hat die Bühne verlassen. Der König der Theaterkunst ist tot", kommentierte Claus Peymann, Direktor des Wiener Burgtheaters und künftiger Intendant des Berliner Ensembles, den Tod des Schauspielers. Mit ihm hatte er vor allem in vielen Thomas-Bernhard-Inszenierungen zusammengearbeitet. Bernhard (1931-1989) hatte ihm mit "Minetti" ein Stück gewidmet.

Einen Obdachlosen spielt Schauspieler Bernhard Minetti am 8.April 1991, im von Reiner Gross inszenierten Theaterstueck "Nacht" im Berliner Schiller-Theater.

Seine letzte Rolle hatte der bereits sehr geschwächte Minetti in Robert Wilsons Inszenierung von Brechts "Ozeanflug", die im Januar dieses Jahres Premiere feierte. Bis zum September begeisterte Minetti das Publikum außerdem als Sprachlehrer in Heiner Müllers letzter Regiearbeit von Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui". "Das Berliner Ensemble und seine Mitarbeiter trauern um einen großartigen Schauspieler und Kollegen", hieß es in der Mitteilung.

Spezialist für kalte, zynische Charaktere

Besonders nach dem Krieg wurde Minetti der Spezialist für kalte, zynische Charaktere und damit zu einem idealen Interpreten in Stücken von Samuel Beckett, Jean Genet und Friedrich Dürrenmatt, aber auch von August Strindberg. Bevor er Ende 1994 zum Berliner Ensemble kam, war er jahrezehntelanges Ensemblemitglied des Berliner Schiller- Theaters. Dessen umstrittene Schließung als Staatsbühne hatte er 1993 vehement bekämpft. Für ihn bedeutete das Ende des Schiller-Theaters auch eine persönliche Tragödie in seinem Schauspierleben, wie er immer wieder betonte.

Nach dem Krieg war der am 26. Januar 1905 in Kiel geborene Minetti unter anderem in Hamburg, Hannover, Bochum, Aachen, Bonn, Frankfurt am Main und Düsseldorf tätig. Nach neun Jahren der Wiederannäherung an seine langjährige künstlerische Heimat Berlin gehörte er seit Mitte der 60er Jahre wieder fest dem dortigen Staatstheater an. In der geteilten Stadt war es neben der Schaubühne das Flaggschiff der West-Berliner Theaterlandschaft.

Theatertraum ging in Erfüllung

Bereits von 1930 bis 1945 gehörte Minetti unter Leopold Jessner, Gustaf Gründgens und Heinrich George zum Ensemble der damaligen Berliner Staatstheater und des Schiller-Theaters und spielte unter anderem den Hamlet, Franz Moor, Gessler, Brutus, Wallenstein, Macbeth und Faust. Auch als Filmschauspieler trat er hervor, so in der Döblin-Verfilmung "Berlin Alexanderplatz" oder in "Fridericus" und "Friedrich Schiller" sowie nach dem Krieg in der Handke-Verfilmung "Die linkshändige Frau".

1982 brillierte Minetti in der umstrittenen und bewunderten "Faust"-Inszenierung von Klaus Michael Grüber an der Freien Volksbühne Berlin. 1985 ging für ihn mit der Titelrolle in Shakespeares "König Lear" an der Berliner Schaubühne ein Theatertraum in Erfüllung. Im selben Jahr kamen seine "Erinnerungen eines Schauspielers" heraus, in denen er etwa 300 Bühnenrollen Revue passieren ließ. Seit 1979 war Minetti Mitglied der Berliner Akademie der Künste.

dpa - Archivfoto: dpa
Gešndert am 12. Oktober 1998 13:52 von aj
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