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Trotz neuer Theorie:

Kugelblitze bleiben rätselhaft

Ionisiertes Gas in Magnetring? - Plasmaforscher widerspricht

Kugelblitze faszinieren die Menschen seit Jahrtausenden - wer einmal einen gesehen hat, vergißt die glitzernde, geisterhafte Erscheinung im ganzen Leben nicht mehr. Früher wurden die Kugelblitze selbst für Geister gehalten. Kein Wunder: Sie schweben in der Luft und ihnen werden merkwürdige Eigenschaften nachgesagt; sie sollen Gegenstände verschwinden lassen, Metallteile verformen oder Wände durchdringen, und zuletzt verpuffen sie mit einem Knall. Wohl deswegen haben Vernunftmenschen ihre Existenz lange verneint oder als optische Täuschung abgetan.

Das änderte sich erst, als 1969 ein anerkannter Astronom im ebenso anerkannten Wissenschaftsmagazin "Nature" über dieses Phänomen berichtete. Ihm flog ein Kugelblitz während eines Gewitters in einem Flugzeug fast auf den Schoß. Heute hat sich in der Gemeinde der Naturwissenschaftler die Meinung weitgehend durchgesetzt, daß es Kugelblitze gibt. Wie sie entstehen, und aus was sie bestehen, das ist eines der großen Rätsel. Spanische Physiker haben nun eine Theorie vorgelegt, die sofort für heftigen Widerspruch sorgte.

Die Berichte über Kugelblitze legen den Schluß nahe, daß es sich um ionisiertes Gas handelt, das elektrisch leitend ist und möglicherweise von magnetischen Kräften zusammengehalten wird. Demnach ist die Hitze des sichtbar glühenden Körpers nicht zu spüren. Erst bei Berührung verbrennt man sich wie bei einem richtigen Blitz. Über dieses Phänomen wird auch im Internet diskutiert (http://www.freeyellow.com/members/marks/page1.html), wobei hier seriöse Quellen und Beiträge von Phantasten schwer auseinanderzuhalten sind.

Suppe aus geladenen Teilchen

Ionisiertes Gas ist ein sogenanntes Plasma, das aus Atomen besteht, denen mit riesigem Energieaufwand alle Elektronen entrissen wurden. Blitze vermögen die umgebende Luft zu ionisieren, das ist bewiesen. Aber wenn ein Blitz diese Suppe aus geladenen Teilchen hervorbrächte und in einem magnetischen Ring einschließen könnte, so müßte das Plasma sofort explodieren, lautet die Meinung vieler Naturwissenschaftler. Sie taten sich besonders schwer mit der Vorstellung, Plasma könnte einfach so für mehrere Sekunden existieren, da ihnen ähnliches nur in tonnenschweren Fusionsreaktoren mit gigantischen Magneten und für Sekundenbruchteile gelingt.

16.000 Grad heißes Plasma

Die Physiker Antonio Ranada und seine Kollegen von der Complutense-Universität in Madrid schrieben im "Journal of Geophysical Research", wie eine Kugel aus Magnetfeldern entstehen kann, in der das Plasma für zehn bis 15 Sekunden überlebt - solange, bis es ausgebrannt ist. Unter bestimmten Bedingungen könnten sich zwei magnetische Ringe in der Nähe eines Blitzes vereinigen und in der Mitte Plasma einfangen.

Beim Abkühlen des heißen Gases würden sich die Elektronen wieder mit den Atomen vereinigen, wodurch die Stromleitung im Plasma abnehme. Wegen des erhöhten Widerstands würden die umgebenden Magnetfelder langsam abgeschwächt. Die Theorie soll auch erklären, warum ein Kugelblitz so gut wie keine Hitze abstrahlt: Der größte Anteil des Magnetballes sei tatsächlich kühl, nur entlang der Feldlinien und an einigen Auswürfen, die aus der Kugel kämen, würden Temperaturen um 16.000 Grad herrschen.

Tempo von 2000 Metern pro Sekunde

Schwer zu glauben, meint der Forscher Keith Moffatt vom Isaac-Newton-Institut für Mathematik im britischen Cambridge in der Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "New Scientist" vom Samstag. Seiner Ansicht nach weist die Theorie Ungereimtheiten auf, die letztlich eine überschallschnelle Geschwindigkeit des Kugelblitzes zur Folge haben sollten. Und bei einem Tempo von 2000 Metern pro Sekunde (7200 Stundenkilometer) sei es unerklärlich, warum der Plasmaball eben nicht explodieren sollte. Dieser Ansicht schließt sich auch der Wissenschaftler Arthur Carlson vom Münchner Max-Planck-Institut für Plasmaphysik an. Er verweist außerdem darauf, daß die Theorie nicht erklären kann, warum die Kugel die eingeschlossene Energie so lange halten kann.
Norbert Aschenbrenner, AP
Gešndert am 16. Oktober 1998 17:56 von aj
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