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Mysteriöser Tod eines Hackers - Club:

"Selbstmord unwahrscheinlich"

Berlin - Der mysteriöse Tod des Berliner Computer-Hackers "TRON" ist nach Ansicht des Chaos Computer Clubs (CCC) auf ein Verbrechen zurückzuführen. "Die Polizei spricht von einem mutmaßlichen Selbstmord. Wir können uns das nicht vorstellen", erklärte Club-Sprecher Andy Müller-Maguhn am Samstag. "Wir gehen angesichts der Umstände seines Verschwindens und seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten von einem Verbrechen aus, auch wenn wir derzeit keine Erkenntnisse über mögliche Täter besitzen."

Der 26 Jahre alte Diplom-Informatiker war bereits am Donnerstag (22. Oktober) - fünf Tage nachdem er vermißt worden war - in einer Parkanlage im Berliner Bezirk Neukölln tot aufgefunden worden. Die Polizei erklärte in einer ersten Stellungnahme am Freitag, nach dem vorläufigen gerichtsmedizinischen Untersuchungsergebnis habe der 26jährige sich selbst getötet. Dennoch leitete die Berliner Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Kapitalverbrechens ein. Sie begründete es damit, daß der 26jährige nach bisherigen Erkenntnissen nach seinem Verschwinden noch mehrere Tage lebte, jedoch unklar sei, wo er sich aufgehalten habe.

"TRON" war nach Darstellung des Clubs einer der fähigsten Hacker Europas. Er habe die Fälschbarkeit von Telefonkarten nachgewiesen und die erste "Wunderkarte" entwickelt und gebaut, mit der man - illegal - unbegrenzt kostenlos telefonieren kann. In diesem Zusammenhang sei "TRON" zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

"Ein sehr offener und direkter Mensch"

Nach dieser für ihn einschneidenden Erfahrung habe "TRON" Kontakt mit dem Chaos Computer Club aufgenommen und "seine schöpferische Energie in der Folgezeit auf Projekte konzentriert, die ihn nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt brachten". Im Rahmen seiner Diplomarbeit habe er ein Gerät entwickelt, mit dem einfach und sicher Telefonate über ISDN-Leitungen verschlüsselt werden können. "TRON" sei immer ein sehr offener und direkter Mensch gewesen, der Probleme nicht für sich behalten habe. "Wir sehen daher keinen Grund für einen Selbstmord und hoffen auf weitere Ermittlungsergebnisse der Polizei", betonte Müller-Maguhn.

Der Club werde sich an Spekulationen nicht beteiligen, sagte sein Sprecher. Um die Ermittlungen der Polizei nicht zu beeinträchtigen, werde der Chaos Computer Club keine weiteren Auskünfte geben.

dpa
Gešndert am 25. Oktober 1998 15:02 von jp
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