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Kuriositäten im Formel 1-Zirkus

Dem Nikolaus reichten 0,5 Punkte

 Bitter: Siegt "Schumi" vor Häkkinen, ist der Finne
 trotz Punktegleichstand neuer Weltmeister.

Suzuka - Auch im Kuriositäten-Kabinett Formel 1 gibt es Dinge, die gibt's einfach nicht. Oder noch nicht. Zum Beispiel ein "totes Rennen" zwischen Weltmeister und "Vize".

An Spannung und Dramatik, knappen und kuriosen Entscheidungen auf den letzten Metern fehlte es in Bernie Ecclestones Kreisfahrzirkus zwar wahrlich nicht, doch ein Punkte-Remis zwischen dem Champion und dem WM-Zweiten wird man in den Statistiken der "Königsklasse" des Automobilsports seit 1950 vergeblich suchen.

Suzuka: Bei "Totem Rennen" gibt's trotzdem einen Weltmeister

Dies könnte sich schon am Sonntag in Suzuka ändern. Gewinnt Michael Schumacher den Großen Preis von Japan im Ferrari vor Mika Häkkinen im McLaren-Mercedes, dann steht es 96:96. Erstmals in der Formel-1-Geschichte gäbe es in der Endabrechnung ein "totes Rennen" - und trotzdem einen Weltmeister. Denn wegen der größeren Zahl der zweiten Ränge (3:2) würde sich die Waage zugunsten von Waagemensch Häkkinen neigen.

Nikolaus mit verfrühtem Weihnachtsgeschenk

Zieht man den Minimalabstand ins Kalkül, dann ist Formel-1-Legende Niki Lauda "Rekordweltmeister". Ganze 0,5 Pünktchen Vorsprung reichten dem damals 35jährigen Österreicher 1984, um sich seinen dritten Titel zu sichern. Der mit 71,5:72 denkbar knapp geschlagene Franzose Alain Prost konnte sein Schicksal einfach nicht fassen. Wie ein Schulbub freute sich dagegen der Wiener Nikolaus (Lauda) über das verfrühte Weihnachtsgeschenk.

Lauda: "Du mußt Zweiter werden, wenn Prost gewinnt"

Estoril, 21. Oktober, der Tag der Entscheidung. Der Franzose ging mit 3,5 Punkten Rückstand ins Rennen - und Lauda mit dem einzigen Gedanken: Du mußt Zweiter werden, wenn Prost gewinnt. Und so kam es dann auch, obwohl der im Ziel dreifache Weltmeister nur von der elften Position aus gestartet war. Am Ende hatte sich Lauda bis auf 13 Sekunden an seinen siegreichen Teamkollegen herangekämpft. Auf dem "Stockerl" raunte Lauda dem traurigen Prost zu: "Heul doch nicht, im nächsten Jahr wirst Du Weltmeister." Und tatsächlich: 1985 triumphierte Prost und holte seinen ersten von vier WM-Titeln.

Am knappsten WM-Sieg war der Regen schuld

"Schuld" am knappsten Vorsprung eines Weltmeisters in bisher 48 WM-Jahren (von 1950 bis 1997) hatte der Regen. Der Große Preis von Monaco mußte am 3. Juni 1984 wegen wahrer Wolkenbrüche an der Cote d'Azur abgebrochen wurde. Weil dies in der 31. von 77 passierte, wurden die Punkte zumindest noch halbiert: Statt neun Zähler wurden dem bei Abbruch in Führung liegenden Prost nur 4,5 gutgeschrieben.

Lieber leben als Weltmeister zu sein

Sechsmal entschied ein Punkt die Weltmeisterschaft - einmal auch gegen Lauda. Als tragischer Held eines denkwürdigen Grand Prix ging er am 24. Oktober 1976 in Fuji in die Formel-1-Annalen ein. Bei höllischem Regen und praktisch null Sicht stoppte Lauda, der zu diesem Zeitpunkt die WM-Wertung noch mit 68 Punkten anführte, seinen Ferrari nach zwei Runden vor der Box, nahm den Helm ab, schlug die Hände vors Gesicht und stammelte: "Es gibt wichtigere Dinge im Leben als die Weltmeisterschaft, nämlich zu leben." Weltmeister wurde James Hunt mit 69 Punkten. Dem Briten, der Dritter wurde, hätte sogar ein vierter Platz gereicht. Nach 20 Runden hörte der Regen übrigens auf.
Ralf Jarkowski, dpa - Foto: AP

Geändert am 29. Oktober 1998 13:31 von ar
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