Vorläufer der Globalisierung:Mickey Maus wurde WeltbürgerDen heute so gängigen Begriff Globalisierung gab es im Geburtsjahr von Mickey Maus 1928 noch nicht. Jedenfalls ist das weltweit beliebte Kunstprodukt des Amerikaners Walt Disney dann so etwas wie ein mächtiger Vorkämpfer kultureller Globalisierung geworden. Bald war es weltweit so berühmt wie das schon vier Jahrzehnte ältere amerikanische Industrieprodukt Coca Cola.
Konzentrierte LebensfreudeDer deutsche Regisseur Karl Ritter äußerte sich 1930 in der "Filmwoche" begeistert über Mickey als konzentrierte Lebensfreude und konzentriertes Lebenselixier. Auch der Philosoph Theodor W. Adorno schätzte die frühen, vor allem phantastischen und grotesken Filme. Der Literaturkritiker Walter Benjamin war von ihnen ebenfalls sehr angetan. In der Sowjetunion gehörte der Fimregisseur Sergei Eisenstein zu Mickeys Verehrern. Es spricht für die Genialität von Disneys Team, daß einige Jahre später auch der Enterich Donald Duck die Welt eroberte. Für den Wiener Schriftsteller H.C. Artmann war er "der einzige Mensch, der es heutzutage noch versteht, ordentlich die Welt zu betrachten".Die Produkte aus New York überwanden auch alle ideologischen Grenzen. 1935 wurde Mickey bei einem Filmfestival in Moskau mit einem Preis geehrt. Im "Dritten Reich" waren die kurzen Vorprogrammfilme beim Publikum äußerst beliebt.
Primitivkultur oder PopulärkulturNach dem Krieg wurden die Filme und Comics-Hefte gelegentlich auch als Produkte eines US-Kulturimperialismus abgelehnt, wie etwa in einem Buch des chilenischen Autors Ariel Dorfmann. Andere wieder sahen in ihnen Zeugnisse einer Primitivkultur oder des kulturellen Verfalls. Daran hat sich allerdings mit der Aufwertung populärer Kultur seit den 50er/60er Jahren einiges geändert.Hierzu wurde in der Zeitschrift für audiovisuelle Kommunikation "montage/av" (Berlin) unlängst der renommierte Medienwissenschaftler John Fiske (Wisconsin/USA) mit den Worten zitiert, daß die Kultur, in der die meisten Menschen leben, die Kultur, die sie beeinflußt, die für sie am wichtigsten ist, nicht die sogenannte Hochkultur sei, sondern Populärkultur. Gerade diese Kultur ist im Laufe der Zeit immer globaler geworden.
GenialitätDaß sich Genialität auch in ihr offenbaren kann, zeigen gerade auch Produkte Disneys und seines Zeichners Ub Iwork. Der deutsche Experte Professor Karl Riha (Siegen), Autor eines Buchs über Comics mit dem Titel "Zok Roarr Wumm", nennt als Beispiel den kurzen Streifen "Band Concert": Da spielen einige Tierfiguren auf verschiedenen Instrumenten eine mitreißende Melodie, die sie auch weiterspielen, als sie ein Wirbelsturm eine nach der anderen in die Luft entführt und sie schließlich mit dem Abflauen auf ihr Podium zurückfallen läßt. Die zeichnerischen Elemente sowie das Solo- und Zusammenspiel der Musiker sind großartig aufeinander abgestimmt. Der damals international berühmteste Dirigent, Arturo Toscanini, war davon so fasziniert, daß er den Film sechsmal besuchte.dpa - Foto: dpa
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| Geändert am 10. November 1998 13:16 von aj | |