IVWPixel Zšhlpixel

Zwei Töchter bekommen Höchststrafen für . . .

Mord an Adoptiveltern

Millionenschweres Erbe - Richter: "Dollarzeichen im Auge"

Kassel - Knapp eineinhalb Jahre nach dem Mord an einem nordhessischen Unternehmerpaar hat das Kasseler Landgericht die beiden Adoptivtöchter des Paares und drei andere Beteiligte an dem Mordkomplott zu langen Haftstrafen verurteilt. Der 24jährige Haupttäter sowie der Verlobte der älteren Tochter erhielten am Donnerstag lebenslange Freiheitsstrafen. Beim Haupttäter, der das Ehepaar im Juni 1997 in seiner Villa im nordhessischen Altmorschen erstochen hatte, wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Damit kommt der Mörder auch nach 15 Jahren nicht aus dem Gefängnis heraus.

Die Adoptivtöchter Ines (22) und Julia (17) erhielten zehn Jahre beziehungsweise sieben Jahre und zehn Monate Jugendhaft. Zehn Jahre ist bei Jugendlichen die Höchststrafe. Die Angeklagten hätten auf das millionenschwere Erbe spekuliert, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Bei der Planung des Verbrechens hätten sie nach Zeugenaussagen "die Dollarzeichen im Auge gehabt". Von dem Erbe hätten sie sich ein Restaurant auf Mallorca kaufen und ein sorgenfreies Leben führen wollen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, daß die beiden Schwestern zusammen mit Ines' Verlobtem Kai (25) zweimal versucht hatten, die Eheleute mit Rattengift und einem Pflanzenschutzmittel zu töten. Nachdem dies gescheitert sei, hätten Ines und Kai ein befreundetes Paar gegen eine hohe Summe aus dem Erbe mit dem Mord beauftragt. Julia habe von den Mordplänen gewußt, aber die Eltern nicht gewarnt. Der Haupttäter Sascha hatte dann gemeinsam mit seiner Freundin Diana (19) an der Tür der Eheleute geklingelt, eine Reifenpanne vorgetäuscht und das arglose Paar dann in deren Villa erstochen.

Lebenslänglich für Mithilfe

Diana erhält für die Beteiligung an der Tat sieben Jahre Jugendhaft, wobei ihr rückhaltloses Geständnis mitberücksichtigt wurde. Ines' Verlobter Kai wurde wegen seiner aktiven Mithilfe bei dem Mordkomplott zu lebenslanger Haft ohne besondere Schwere der Schuld verurteilt. Der 25jährige hatte unter anderem bei Bekannten das Gift besorgt, das die jüngere Tochter in ihrer Schultasche nach Hause getragen und in einen Kuchen und ein Nudelgericht gemischt hatte. Julias Anwälte hatten dies bis zuletzt bestritten. Die Eltern hatten die Giftanschläge überlebt, weil die Dosis nicht reichte und weil sie den Kuchen wegen starken Beigeschmacks stehen ließen. Die beiden Mädchen waren im Sommer 1998 von der Zivilkammer des Kasseler Landgerichts für erbunwürdig erklärt worden.

Verteidiger: "Chance auf Revision"

Der Richter bedauerte in seiner Urteilsbegründung, daß Julia im Gericht geschwiegen hatte. Als einzige der fünf Angeklagten hatte die 17jährige kein Geständnis abgelegt. Der Verteidiger Julias, Hans- Wolfgang Euler, sprach von seiner "Enttäuschung" über das Urteil und einer "Chance auf Revision". Zuerst wolle er jedoch die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, sagte der Anwalt.
dpa
Gešndert am 12. November 1998 16:45 von aj
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Homepage des Tages Nachrichten aus aller Welt Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage