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  • Siehe auch: Höchststrafen für Mord an Adoptiveltern
  • Stichwort: Genetischer Fingerabdruck
  • Mordprozeß gegen Ronny Rieken

    Erschütternde Details zum Tod von Christina und Ulrike

    Oldenburg - Mit erschütternden Details über die Grausamkeit der begangenen Verbrechen hat am Donnerstag in Oldenburg der Prozeß gegen den mutmaßlichen zweifachen Kindermörder Ronny Rieken (30) begonnen. Er ist vor dem Landgericht angeklagt, seine beiden Opfer Christina Nytsch (11) und Ulrike Everts (13) brutal gequält, vergewaltigt und aus Angst vor Entdeckung erdrosselt zu haben. Rieken hat die Taten gestanden. Der vor möglichen Racheakten durch eine Panzerglasscheibe geschützte Angeklagte stellte sich selbst als Kind aus zerrütteten Verhältnissen dar. Er sei vom Vater häufig verprügelt und sexuell mißbraucht worden.

    Ronny Rieken auf der Anklagebank

    Rieken muß sich vor der fünfköpfigen Schwurgerichtskammer ferner wegen sexuellen Mißbrauchs zweier acht und neun Jahre alter Mädchen verantworten. Die Polizei hatte ihn mit Hilfe des bisher größten Massen-Gentests der deutschen Kriminalgeschichte überführt. Zum Auftakt des Prozesses, der unter strengen Sicherheitsvorkehrungen steht, verlangten etwa 100 Demonstranten vor dem Justizgebäude mehr Opferschutz.

    Die Verlesung der Anklageschrift verfolgte Rieken äußerlich unbewegt mit meist halb gesenktem Kopf. Nach Darstellung des Staatsanwalts hatten sich die Opfer des dreifachen Familienvaters vergeblich gegen die brutalen Mißhandlungen gewehrt. Ulrike Everts wurde im Sommer 1996 entführt, während sie auf einem einsamen Feldweg einen Ausflug mit ihrer Ponykutsche unternahm. Rieken vergewaltigte die 13jährige mehrfach im Ipweger Moor bei Oldenburg und erdrosselte sie schließlich. Die verzweifelten Eltern und die Polizei suchten zwei Jahre lang vergeblich nach der Vermißten.

    Speichelprobe von 18.000 Männern

    Die Opfer: Christina Nytsch (l.) und Ulrike Everts

    Überführt und gefaßt wurde Rieken nach dem Verbrechen an Christina Nytsch. Er entführte die Elfjährige im März dieses Jahres nach einem Schwimmbadbesuch auf einer einsamen Straße bei Strücklingen im Kreis Cloppenburg, vergewaltigte sie in einem 15 Kilometer entfernten Waldstück und erdrosselte sie mit einem Kabel. Anschließend stach er noch mehrfach mit einem Messer auf die Leiche ein. In diesem Fall sicherte die Polizei Spuren und rief anschließend mehr als 18.000 Männer zur Abgabe einer Speichelprobe auf. Auch Rieken beteiligte sich an diesem Gentest.

    Bereits als 21jähriger hatte Rieken eine 17 Jahre alte Verwandte vergewaltigt und war deshalb zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Während eines Hafturlaubs mißbrauchte er Ende 1992 eine achtjährige Verwandte. Die Tat wurde nicht angezeigt und Rieken wegen günstiger Sozialprognose vorzeitig aus der Haft entlassen. Drei Jahre später lauerte er in Neuscharrel (Kreis Cloppenburg) einer Neunjährigen auf dem Schulweg auf, entführte sie mit dem Auto und mißbrauchte sie. Anschließend ließ er das Kind laufen.

    Mutmaßlicher Täter stellt sich als Opfer dar

    Manfred Nytsch und seine Ehefrau Silvia, die Eltern der ermordeten Christina wohnten dem Prozeß bei.

    Rieken gab zu Protokoll, er sei mehrfach von seinem Vater mißbraucht worden. "Er ist einmal morgens zu mir ins Bett gekommen und hat mich zum Analverkehr gezwungen." Damals sei er etwa sechs Jahre alt gewesen. Danach kam er mit blutiger Nachtwäsche in die Küche. "Meine Mutter sagte nur, ich soll mir was anderes anziehen." Mehrfach habe ihn der Vater auch in einer Scheune zum Oralverkehr gezwungen. Er habe über die Übergriffe stets geschwiegen. Zudem seien er und seine Schwestern oft vom Vater - einem häufig arbeitslosen, vorbestraften Maurer - verprügelt worden.

    Der Vorsitzende Richter Rolf Otterbein äußerte Zweifel an Riekens Schilderung. Im Scheidungsurteil von Riekens Eltern aus dem Jahr 1976 seien zwar Übergriffe des Vaters auf die ältere Halbschwester und die jüngere Schwester Riekens dokumentiert. Von sexuellem Mißbrauch des Jungen sei aber nicht die Rede, sagte Otterbein.

    Auschluß der Öffentlichkeit bei sexuellen Details

    Nach den Worten des Vorsitzenden Richters soll die Öffentlichkeit nur dann von dem Verfahren ausgeschlossen werden, wenn sexuelle Details erörtert würden, die zu tief in den Intimbereich der Opfer eingriffen und deren Würde verletzten. Das Gericht hat neun Verhandlungstage im November und Dezember angesetzt. Geladen sind vier Sachverständige und zwölf Zeugen.

    Vor dem Landgerichtsgebäude verlangten etwa 80 bis 100 Demonstranten mehr Opferschutz. Ihre Transparente trugen Aufschriften wie "Täterschutz schafft Opfer", "Wer schweigt, hilft Tätern", "Wir wollen helfen - keine Gewalt mehr an Kindern". Vor Prozeßbeginn hatte Christinas Vater Manfred Nytsch indirekt die Justiz kritisiert. "Dieser Prozeß wäre nicht nötig, wenn man Rieken richtig behandelt hätte. Die beiden Mädel könnten noch leben, und Rieken hätte nicht zum Mörder werden müssen", sagte er.

    dpa - Fotos: AP
    Gešndert am 12. November 1998 15:29 von aj
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