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Regisseur Wedel las Kollegen bei Telestar-Verleihung die Leviten

"Gesammelter Schwachsinn" im TV

Köln - "Ich muß Ihnen gestehen, ein Vergnügen ist es nicht, wenn man nachmittags krank im Bett liegt und Fernsehen schaut. Da schwappt einem viel an gesammeltem Schwachsinn entgegen". Regisseur Dieter Wedel nahm am Samstag abend in Köln bei der Verleihung des Fernsehpreises Telestar kein Blatt vor den Mund. Wedel beklagte die Phantasielosigkeit vieler Berufskollegen und die Ängstlichkeit vieler Programmverantwortlicher. Besonders bei den täglichen Serien gebe es Regisseure, die "mehr auf die Uhr schauen, als auf die Schauspieler zu achten". Das Ergebnis sei dementsprechend schlecht.


Suzanne von Borsody ratlos: Preistraeger Lauterbach wollte seinen Preis nicht abholen

Kopfschütteln über Heiner Lauterbach

Der Laudator zeichnete in der Rubrik Regisseure für das Fernsehspiel seinen Berufskollegen Dominik Graf für dessen ZDF-Beitrag "Der Skorpion" aus. Graf nahm den von dem Bildhauer Kurt-Wolff von Borries gestalteten Preis entgegen und bekannte: "Regisseur ist der schwerste Beruf im Fernsehbereich." Heiner Lauterbach, der den Telestar für seine Rolle in "Der Skorpion" erhalten sollte, war nicht zur Preisverleihung erschienen. Viele unter den prominenten Gästen im großen Saal des Maritim-Hotels quittierten das mit Kopfschütteln.

Dafür erhielt Horst Tappert stehenden Applaus, als er den Telestar für sein Lebenswerk erhielt. Moderator Michael Schanze würdigte Tapperts Arbeit in der Rolle des Oberinspektors Derrick. Zudem habe er "den Wandel vom Gentleman-Oberganoven der Posträuber zum Gentleman-Oberinspektor glaubwürdig geschafft."

Den Preis zog Posträuber Bruce Reynolds aus einem echten britischen Postsack. Der 75jährige Tappert tanzte vor Freude auf der Bühne und dirigierte kurz die Big-Band.

Insgesamt wurden am Samstagabend 15 Preisträger ausgezeichnet. Das Autorenduo Peter Jajek und Peter Moser erhielt den Telestar für die SAT 1-Serie "Kommissar Rex". Moser bedankte sich für die Anerkennung auch beim Team und beim vierbeinigen Rex. Der Hund sei "der einzige, der sich noch nie über ein Drehbuch beschwert hat". Ulla Kock am Brink freute sich "riesig" über den Preis für ihre Moderation der neuen ARD-Lotto-Show, und Tagesthemen-Moderatorin Gabi Bauer gestand, sich "an Preise gewöhnen zu können".

Letzte Telestar

Zumindest den Telestar wird es nach nunmehr 15 Jahren nicht mehr geben. ARD, ZDF, RTL und SAT 1 haben sich darauf geeinigt, ihre bislang bestehenden Auszeichnungen Telestar und Goldener Löwe durch einen gemeinsamen Fernsehpreis zu ersetzen. Der Telestar wird für hervorragende Leistungen im Fernsehen vergeben. Der Kölner Volksschauspieler Willy Millowitsch war 1993 der erste Preisträger. Der fast 90jährige verfolgte auch am Samstag die von Michael Schanze moderierte Veranstaltung in der ersten Reihe.

Weitere Telestars bekamen der Schauspieler Ulrich Mühe, die Schauspielerin Ulrike Kriener, die Autorin Annemarie Schoenle, die Serien-Schauspielerin Manon Strache, der Reporter Thomas Belzer und der ARD-Redakteur Hartmann von der Tann. Mit 10.000 Mark dotierte Förderpreise erhielten die Schauspielerin Theresa Scholze und die Moderatorin Christiane Gerboth.

Andreas Rehnolt, AP; Fotos: AP, DPA
Geändert am 22. November 1998 21:00 von jo
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