Chronik der Mordfälle Ulrike und ChristinaOldenburg - Die Morde an den Mädchen Ulrike Everts und Christina Nytsch in Niedersachsen sind erst nach dem größten Gentest der deutschen Kriminalgeschichte aufgeklärt worden. Der Täter, der frühere Binnenschiffer Ronny Rieken, war nach der ersten Tat jahrelang unbehelligt geblieben, obwohl er einschlägig vorbestraft war. Am Freitag wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Im folgenden eine Chronik der Ereignisse:11. Juni 1996: Die 13 Jahre alte Ulrike Everts aus Jeddeloh westlich von Oldenburg wird vergewaltigt und ermordet. Weil ihre Leiche nicht gefunden wird, setzen ihre verzweifelten Eltern eine große Suchaktion in Gang. 16. März 1998 : Die elfjährige Christina Nytsch aus Strücklingen bei Cloppenburg kehrt von einem Schwimmbadbesuch im benachbarten Ramsloh nicht zurück. Gegen 21.00 Uhr am Abend findet Christinas Vater ihr Fahrrad an einen Baum gelehnt. Die Polizei beginnt mit einer großangelegten Suchaktion. 18. März: Christinas Rucksack wird am Küstenkanal entdeckt, zehn Kilometer vom Fundort ihres Fahrrads entfernt. 21. März: Jäger finden in einem Waldstück zwischen Lorup und Gehlenberg, etwa 15 Kilometer von Christinas Elternhaus entfernt, die Leiche des Mädchens. Sie wurde sexuell mißbraucht, mit einem Messer mißhandelt und erdrosselt. An der Suche nach ihr haben sich bis zu diesem Tag mehrere tausend Menschen beteiligt. 22. März: Nur 500 Meter vom Fundort der Leiche entfernt wird das 20 Zentimeter lange Tatmesser gefunden. 30. März: Die Polizei hat aus Spuren an der Leiche den genetischen Fingerabdruck von Christinas Mörder gewonnen. Ein Vergleich stellt klar: Der Mann ist Wiederholungstäter und hat bereits im Januar 1996 ein damals elfjähriges Mädchen in einem Nachbarort von Strücklingen vergewaltigt. 9. und 10. April: Die Sonderkommission "Nelly" veranlaßt den umfangreichsten Gentest der deutschen Kriminalgeschichte: Rund 18.000 Männer der Region im Alter von 18 bis 30 Jahren werden zur freiwilligen Abgabe einer Speichelprobe aufgefordert. 29. Mai: Beamte der Soko "Nelly" nehmen in Elisabethfehn, nur sechs Kilometer von Strücklingen entfernt, Christinas mutmaßlichen Mörder, Ronny Rieken, fest. Er hatte an dem Speicheltest teilgenommen und die 3.889ste Probe abgegeben. Der 30jährige Vater dreier Kinder gesteht sowohl den Mord an Christina als auch die Vergewaltigung des anderen Mädchens im Januar 1996. 30. Mai: Es ergeht Haftbefehl wegen Mordes sowie sexuellen Mißbrauchs und Entführung. Ein zweiter Gentest bestätigt das Ergebnis. 21. Juli: Rieken gesteht auch den Mord an Ulrike Everts und führt die Polizei zu einem abgelegenen Waldstück bei Oldenburg, wo er die Leiche versteckt hat. 24. Juli: Der mutmaßliche Kindermörder gesteht zwei weitere Sexualdelikte an zwei kleinen Mädchen. 4. August: Die Staatsanwaltschaft erhebt Mordanklage. 12. November: In Oldenburg beginnt der Prozeß gegen Rieken vor dem Landgericht. Der Angeklagte wird aus Angst vor einem Angriff auf ihn hinter einer schußsicheren Glasscheibe plaziert. Rieken gesteht die Taten erneut. 26. November: Der Staatsanwalt beantragt lebenslange Haft. Vorher hatten die psychologischen Gutachter dem Angeklagten volle Straffähigkeit bescheinigt. Er sei kein Triebtäter und nicht seelisch krank. 27. November: Das Gericht verurteilt Rieken zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und stellt zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit hat Rieken keine Chance, schon nach 15 Jahren wieder freizukommen. AP
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| Geändert am 27. November 1998 16:52 von aj | |