IVWPixel Zählpixel

Appell für Menschenrechte

Mitglieder von amnesty international hängen vor dem Rostocker Hauptbahnhof ein Transparent mit Namen von 50 Personen auf, die nach Angaben der Organisation derzeit wegen ihrer politischen oder ethnischen Zugehörigkeit in der Welt verfolgt werden.

Bonn/Paris/New York - Aus Anlaß des 50. Jahrestages der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte haben Politiker aller Parteien in Deutschland zum entschiedenen Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen aufgerufen. Zugleich warnten sie, nach 50 Jahren Menschenrechtserklärung und damit einhergehenden Erfolgen in Selbstzufriedenheit zu verfallen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder appellierte an alle Bürger, sich auch im Alltag für die Menschenrechte einzusetzen. UN-Generalsekretär Kofi Annan hob in einer Gedenkveranstaltung in New York hervor, daß sich die Menschenrechte zweifelsfrei als universell erwiesen hätten.

Die Europäische Union betonte am Donnerstag die "überragende Bedeutung" der Menschenrechte. In einer Erklärung unterstrich die österreichische EU-Ratspräsidentschaft, daß sich die Union dafür einsetzen werde, "alle Menschenrechte für alle Menschen Wirklichkeit werden zu lassen".

"Erklärung von Paris"

Viele bunte Luftballons lassen Kinder aus 12 Grund- und Oberschulen über dem Haus der Weltkulturen in Berlin fliegen.

In der französischen Hauptstadt wurden am Donnerstag mit der Verabschiedung einer "Erklärung von Paris" die Feiern zum 50. Jahrestag der Menschenrechts-Erklärung fortgesetzt. Die 350 Hilfsorganisationen aus 100 Ländern appellieren angesichts anhaltender Verstöße in ihrer gemeinsamen Erklärung an die Pflicht der Staaten, über die Einhaltung der am 10. Dezember 1948 verabschiedeten Menschenrechtserklärung zu wachen. Albaner-Führer Ibrahim Rugova wurde von Premierminister Lionel Jospin ein Menschenrechtspreis überreicht.

Am Nachmittag sollten die mehrtägigen Veranstaltungen in Paris mit einer offiziellen Feier auf dem Gelände vor dem Eiffelturm ihren Höhepunkt finden. Im dortigen Palais Chaillot war am 10. Dezember 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet worden. Auch Papst Johannes Paul II. rief zum weltweiten Kampf für die Einhaltung der Menschenrechte auf. Es gebe weiterhin schwere Menschenrechtsverletzungen. Viele Menschen würden nach wie vor zu Opfern von Kriegen, lebten unter unwürdigen Bedingungen in Armut und Unwissenheit.

Annan: "Traum von Menschenrechten für alle"

Die indische Studentin Janhavi Shah tanzt vor dem Jubiläums-Logo in Hong Kong.

UN-Generalsekretär Annan sagte in der Gedenkveranstaltung in der UN-Vollversammlung: "Der Menschenrechtstag 1998 ist ein Tag für alle von uns, die sich ihrer Menschenrechte erfreuen, sich ein Leben ohne sie vorzustellen - und daran zu denken, wie hart wir kämpfen würden, sie zu behalten. Es ist ein Tag für jene, denen ihre Menschenrechte immer noch vorenthalten werden, von ihnen zu träumen und zu wissen, daß ihr Traum unser Traum ist - der Traum von den Menschenrechten für alle".

Der frühere US-Präsident Jimmy Carter und weitere vier Menschenrechtskämpfer aus Europa, Asien, Afrika und Südamerika erhielten von Annan aus Anlaß des 50. Jubiläums Auszeichnungen. Ein sechster Preis wurde symbolisch an alle Verteidiger der Menschenrechte in der Welt vergeben. Carter hatte sich vor allem auf internationaler Ebene für die Verteidigung der Menschenrechte stark gemacht.

Fischer: Nur bedingt ein Grund zum Feiern

UN-Flüchtlingshochkommissarin Sadako Ogata mahnte die Staaten in aller Welt, das Asylrecht nicht weiter einzuschränken. "Flüchtlinge müssen sich in Sicherheit bringen können, aber Asyl ist immer schwerer zu finden, sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern", sagte Ogata in einer am Donnerstag in Genf verbreiteten Erklärung. Jeder 120. Mensch der Welt sei gezwungen, zu flüchten, um Gewalt und Verfolgung zu entgehen, teilte Ogata mit.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte in Bonn mit Blick auf den chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet: "Diktatoren in der Welt werden sich nie wieder darauf verlassen können, daß sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden". Es herrschte Einigkeit unter den deutschen Parlamentariern, daß der Jahrestag nur bedingt ein Grund zum Feiern sei. Es gebe keinen Grund zur Selbstzufriedenheit, der Kampf gegen Verletzungen von Menschenrechten auf der Welt müsse weitergehen, hieß es.

dpa - Fotos: AP, dpa
Geändert am 10. Dezember 1998 17:08 von aj
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Homepage des Tages Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage