Spielsucht in Deutschland nimmt zuAlkohol bleibt Volksdroge Nr. 1Bonn - Alkohol bleibt die Droge Nummer eins in Deutschland. Rund 4,4 Millionen Menschen im Alter von 18 bis 69 Jahren sind alkoholabhängig oder zeigen mißbräuchliches Trinkverhalten mit daraus resultierenden Erkrankungen. Das geht aus dem am Donnerstag in Bonn von der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) vorgelegten Jahrbuch Sucht 1999 hervor.
Rund 2,1 Millionen Menschen konsumierten nach Angaben von DHS-Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst in den vergangenen zwölf Monaten Haschisch. Fünf Prozent der zwölf- bis 24jährigen in Westdeutschland nahmen mindestens einmal Ecstasy. Hüllinghorst sprach von einem "unübersehbaren Alarmsignal". 276.000 BeratungsfälleIm vergangenen Jahr kamen laut DHS rund 276.000 Hilfesuchende in ambulante Beratungs- und Behandlungsstellen in Deutschland. Etwa 72.000 Menschen wurden für eine Entwöhnung stationär behandelt. 90.000 Suchtkranke und ihre Angehörigen gehören Selbsthilfegruppen der in der DHS organisierten Verbände an.Eine wachsende Bedeutung gewinnt auch die Spielsucht. Die Zahl der Zocker mit pathologischem Spielverhalten stieg im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent. Die DHS geht von bis zu 150.000 beratungs- und behandlungsbedürftigen Spielern aus. Diese Schätzung sei jedoch die "untere Grenze", meinte Gerhard Meyer vom Institut für Psychologie und Kognitionsforschung der Universität Bremen. Die Zahl der Spielbanken habe sich seit 1974 verfünffacht. "Der Staat zügelt nicht, er beutet aus"Deutliche Vorwürfe richtete Meyer an die Landesregierungen, die für die Zulassung der Spielbanken zuständig sind. "Der Staat zügelt nicht, er beutet aus", verknüpfte Meyer die Zahl der Spielsüchtigen mit der Höhe der Einnahmen aus dem Glücksspiel. So stiegen die Steuern aus Glücksspielen auf zuletzt 7,1 Milliarden Mark in 1997. Hinzu kommen im Suchtbereich etwa 30 Milliarden Mark Einnahmen aus Alkohol- und Tabaksteuer. Der Umsatz von Spielbanken erhöhte sich im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent auf 16,2 Milliarden Mark.Nach Angaben Meyers bleibt die Gruppe der Automatenspieler die mit Abstand größte Gruppe der Hilfesuchenden unter behandlungsbedürftigen Spielern. Deswegen sei es "äußerst bedauerlich", daß die Automatenindustrie ihre Selbstbeschränkung bei kumulierten Sonderspielgewinnen gekippt habe. Dadurch lockten Geldspielautomaten die Spielsüchtigen nun mit Gewinnen von mehr als 2.200 Mark. Kampf gegen legale Drogen verstärkenDie Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Christa Nickels, will den Kampf gegen legale Drogen wie Alkohol, Nikotin und Medikamente verstärken. Der Staat dürfe sich nicht allein auf die illegalen Drogen konzentrieren, sagte die Grünen-Politikerin dem Bayerischen Rundfunk. Sie plädierte dafür, Süchtige als Kranke anzusehen, denen geholfen werden müsse. Strafverfolgung allein reiche nicht aus. Eine Legalisierung weicher Drogen wie Haschisch werde es auch mit der rot- grünen Bundesregierung nicht geben. "Der kriminelle Drogenhandel muß weiter verfolgt werden."dpa - Foto: dpa
|
||||
| Geändert am 17. Dezember 1998 13:55 von ar | ||||