IVWPixel Zählpixel

. . . Weitere Bomben auf Bagdad

Beide Seiten würden "ihr Äußerstes tun", um Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden, betonte Blair. Er fügte aber hinzu, daß es mit Sicherheit in der Auseinandersetzung unschuldige Opfer geben werde.

Nach irakischen Angaben kamen durch die Operation "Wüstenfuchs" bisher mindestens fünf Menschen ums Leben, 30 wurden verletzt. Die Raketen und Bomben zielten allein auf militärische Objekte, versicherte der amerikanische Verteidigungsminister Cohen. Bagdad bot nach Augenzeugenberichten am Donnerstag, zwei Tage vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan, zunächst das gewohnte Bild.

Militärschlag von Nato mehrheitlich unterstützt

Anklicken zum Vergrößern Knapp acht Jahre nach Ende des Golfkriegs hatte US-Präsident Bill Clinton am Vorabend den seither schwersten Luftangriff angeordnet. Wenige Stunden vor der Abstimmung des Abgeordnetenhauses über ein Absetzungsverfahren ging über dem Irak ein Bombenhagel nieder. Der Militärschlag wird von der Nato mehrheitlich unterstützt, während China, Rußland und die arabische und moslemische Welt das Eingreifen heftig kritisierten. Die Bundesregierung sicherte Washington und London Solidarität zu.

Der irakische Präsident Saddam Hussein appellierte in einer Radioansprache an sein Volk, der Attacke standzuhalten. Israel schätzt die Gefahr eines irakischen Raketenangriffs zwar als gering ein, forderte seine Bürger aber auf, sich vorsorglich Schutzausrüstungen zu besorgen. Die Führung der Palästinenser verlangte ein Ende des Bombardements.

Regierungspalast Husseins in Flammen aufgegangen

Anklicken zum Vergrößern An dem Militärschlag waren Marschflugkörper, B-52-Bomber und Kampfflugzeuge beteiligt. Nach Augenzeugenberichten ging der prächtige Regierungspalast Saddams in der irakischen Hauptstadt in Flammen auf. Darüber hinaus soll ein Militärkomplex in Bagdad getroffen worden sein. Ein TV-Sender in Katar meldete, in der irakischen Hauptstadt seien 50 Marschflugkörper eingeschlagen. Eine Zentrale des Sicherheitsapparates soll unter schweren Beschuß geraten sein.

Bagdad muß nach Clintons Ansicht daran gehindert werden, seine Nachbarn oder die Welt mit atomaren, biologischen oder chemischen Waffen zu bedrohen. Seit Ende des Golfkriegs 1991 versuchen UN- Experten Massenvernichtungswaffen im Irak aufzuspüren und zu zerstören. Saddam hat diese Inspektionen nach einem Bericht von UN- Chefinspekteur Richard Butler mehrfach massiv behindert und damit allein in den vergangenen elf Monaten drei Mal schwerste Krisen heraufbeschworen.

Hussein gibt Durchhalteparolen an sein Volk aus

Anklicken zum Vergrößern
 Husseins Anhänger folgen ihrem Diktator weiter.

Der irakische Präsident, dessen Aufenthaltsort unbekannt war, rief die 22 Millionen Iraker zum Durchhalten gegen "eine arrogante Aggression im Namen der Feinde Allahs" auf. Ziel des Angriffs sei es, die gesamte arabische Welt und deren Führer in die Knie zu zwingen.

Für Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist die Aktion Folge der hartnäckigen Weigerung Saddams, mit den UN-Waffeninspekteuren zusammenzuarbeiten. Der irakische Diktator habe wissen müssen, daß die internationale Staatengemeinschaft sein Verhalten nicht hinnehmen könne. Die mitregierenden Grünen nannten es allerdings "in hohem Maße bedauerlich und völkerrechtlich bedenklich", daß die Luftangriffe ohne Billigung des UN-Sicherheitsrates erfolgt seien. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) sagte auf die Frage, ob die USA für ihre Aktion über ein ausreichende UN-Mandat verfügten: "In meinen Augen ja".

USA rechnen nicht mit kurzfristigem Erfolg

Die USA rechnen nach Cohens Worten nicht mit einem kurzfristigen Erfolg bei ihrem eigentliche Ziel, den irakischen Präsidenten aus dem Amt zu vertreiben. "Das ist eine langfristige Unternehmung". Unterdessen wurden in Amerika Zweifel an Clintons Motiven für die Luftangriffe laut. Führende Republikaner verstießen gegen das ungeschriebene Gesetz, daß der Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte auch vom politischen Gegner unterstützt wird, wenn er amerikanische Soldaten in Marsch setzt. Der republikanische Senatvorsitzende Trent Lott sagte: "Ich kann diese Militäraktion im Persischen Golf zu diesem Zeitpunkt nicht unterstützen. Sowohl der Zeitpunkt als auch die Politik ist fraglich". Die Abstimmung über das Impeachment-Verfahren gegen Clinton wurde verschoben.

Rußland und China verurteilen Angriffe auf Bagdad

Im UN-Sicherheitsrat hatten am Vorabend Rußland und China die US-Angriffe auf Bagdad verurteilt. Das Gremium faßte jedoch keine Beschlüsse. Der irakische UN-Botschafter Nisar Hamdun warf Butler vor, mit seinem Bericht über Behinderungen der Inspektionen nur einen Vorwand zum Eingreifen geliefert zu haben. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einem "traurigen Tag für die Vereinten Nationen und für die Welt".

Die große Mehrheit der Nato-Staaten stellte sich hinter die Luftangriffe. Reserviert sollen sich nur Frankreich und Italien gezeigt haben, ohne jedoch gegen den Einsatz Stellung zu beziehen, hieß es bei der Herbsttagung der Allianz in Brüssel. Paris meldete Zweifel an der Wirksamkeit der Luftangriffe an. Nato-Generalsekretär Javier Solana machte Saddam für die Luftangriffe verantwortlich.

dpa/AP - Fotos: AP, Reuters, dpa

Geändert am 17. Dezember 1998 18:05 von ar
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Homepage des Tages Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage