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Chronologie

Der Weg zur Eskalation

Bagdad - Die Irak-Krise um die Waffeninspektionen der UNO schwelt bereits seit Monaten. Am Mittwoch, dem 16. Dezember, entschloß sich US-Präsident Bill Clinton, gemeinsam mit Großbritannien militärisch einzugreifen. Die erste Angriffswelle traf den Irak kurz vor Mitternacht (MEZ). Nachfolgend eine Chronik der wichtigsten Ereignisse, die der Eskalation im Konflikt mit dem Irak vorangingen:

13. Januar - Die irakische Regierung blockiert die Arbeit der Inspektoren der UNO-Abrüstungskommission Unscom.

17. Januar - Iraks Präsident Saddam Hussein droht damit, die UNO-Rüstungskontrollen vollständig zu stoppen.

29. Januar - US-Außenministerin Madeleine Albright besucht Europa, den Nahen Osten und die Golfregion, um Unterstützung für einen Angriff gegen Irak zu gewinnen.

11. Februar - Die US-Armee kündigt nach umfangreichen Truppenverlegungen Einsatzbereitschaft binnen einer Woche an. Der Irak erklärt sich bereit, acht sogenannte Palastanlagen für 60 Tage zur Inspektion unter Leitung des UNO-Sicherheitsrates freizugeben.

12. Februar - Rußland warnt, ein Militärschlag gegen den Irak werde die amerikanisch-russischen Beziehungen verschlechtern. Irak lehnt die Forderung nach bedingungslosem Zutritt zu allen "Präsidentenpalästen" ab.

21. Februar - UNO-Generalsekretär Kofi Annan trifft im Irak dreimal mit Vize-Ministerpräsident Tarek Asis zusammen. US-Präsident Bill Clinton trifft letzte Vorbereitungen für einen Krieg unter dem Codewort "Desert Thunder" (Wüstendonner).

22. Februar - Annan konferiert mit Saddam und später erneut mit Asis. Die UNO bestätigt den Abschluß einer Vereinbarung, in der die Forderungen des Sicherheitsrates berücksichtigt werden.

23. Februar - Annan und Asis unterzeichnen die Vereinbarung in Bagdad. Sie ermöglicht die Kontrollen der Präsidentenpaläste, ohne zeitliche Begrenzung.

2. März - Der UNO-Sicherheitsrat warnt den Irak vor ernsten Konsequenzen, sollte den Inspektoren nochmals der Zutritt zu verdächtigen Anlagen verwehrt werden.

26. März - Zum ersten Mal nach sieben Jahren untersuchen die UNO-Inspektoren wieder Präsidentenpaläste.

28. April - Das irakische Außenministerium bestreitet, daß die Vereinbarung mit Annan ungehinderten Zutritt der Inspektoren zu den Palästen erlaubt.

1. Mai - Der Irak droht mit Konsequenzen, sollten die UNO-Sanktionen nicht aufgehoben werden.

23. Juni - Nach Angaben aus US-Militärkreisen haben Tests bewiesen, daß der Irak vor Beginn des Golf-Krieges 1991 Raketensprengköpfe mit dem Nervengas VX bestückte. Clinton fordert daher die weitere Aufrechterhaltung der Sanktionen. Der Irak bestreitet die US-Angaben.

30. Juni - Ein amerikanisches Kampfflugzeug feuert eine Rakete auf eine irakischen Luftabwehrstation ab, nachdem diese ihr Radar auf ein britisches Überwachungsflugzeug in der Flugverbotszone gerichtet hatte.

27. Juli - Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) erklärt, es gebe keine Beweise für Atomwaffen und spaltbares Material im Irak. Die Informationen seien jedoch unvollständig.

31. Juli - Der Irak wirft US-Inspektoren im Land Spionage vor.

4. August - Der Leiter der UNO-Abrüstungskommission, Richard Butler, verläßt den Irak, nachdem Gespräche über die Inspektion weiterer Raketen- und Chemiewaffen-Anlagen gescheitert waren.

5. August - Das irakische Parlament stimmt einmütig für eine Unterbrechung der Zusammenarbeit mit den UNO-Inspektoren.

26. August - Der US-Inspektor Scott Ritter, im Irak als Spion verdächtigt, gibt seinen UNO-Kontrolleursposten auf.

9. September - Der UNO-Sicherheitsrat verlängert die Sanktionen auf unbestimmte Zeit

31. Oktober - Der Irak stellt mit sofortiger Wirkung die gesamte Zusammenarbeit mit den UNO-Inspektoren ein.

8. November - Annan appelliert an den Irak, die Zusammenarbeit sofort wieder aufzunehmen.

11. November - USA drohen mit einem Militärschlag und verstärken ihre militärische Präsenz am Golf beträchtlich; Butler kündigt den Abzug der etwa 100 verbliebenen Inspektoren aus dem Irak an. Ein Großteil der 220 Mitarbeiter der UNO-Hilfsorganisationen verläßt ebenfalls das Land.

14. November - Der Irak lenkt in letzter Minute ein, während die Angriffsvorbereitungen bereits laufen. Die USA und Großbritannien stoppen den Angriff. Die UNO kündigt die Rückkehr ihrer Mitarbeiter in den Irak an.

17. November - 86 Unscom-Mitarbeiter kehren in den Irak zurück.

22. November - Irak wirft den USA vor, durch provokative Aktionen der Unscom einen Vorwand für einen Angriff schaffen zu wollen.

9. Dezember - Der Irak wirft den UNO-Abrüstungsinspektoren Bruch der Vereinbarungen vor. Eine Gruppe unter Leitung des Amerikaners Roger Hill habe versucht, im Hauptquartier der regierenden Baath-Partei zu forschen. Dies Gebäude sei eine aus irakischer Sicht "sensitive Anlage".

16. Dezember - Unscom-Chef Richard Butler legt der UNO seinen Bericht über eine mangelnde Kooperation der Iraker mit seinen Inspektoren vor und zieht diese ab. US-Präsident Bill Clinton ordnet darauf in in Abstimmung mit dem britischen Premierminister Tony Blair den Angriff an.

16. Dezember - 23.00 Uhr - Augenzeugen berichten von Angriffen und Luftabwehrfeuer über Bagdad. Die Operation "Wüstenfuchs" hat begonnen.

Reuters

Geändert am 17. Dezember 1998 11:15 von ar
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