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Ihre Ideen waren im Stalinismus verboten:

100.000 gedachten Rosa Luxemburgs

Berlin - Rund 100.000 Menschen haben am Sonntag in Berlin der Arbeiterführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gedacht, die vor 80 Jahren von Freikorpssoldaten ermordet worden waren. Zu der Kundgebung an der Gedenkstätte der Sozialisten im östlichen Stadtteil Friedrichsfelde ein Jahrzehnt nach der Wende hatte wie in den Vorjahren die PDS aufgerufen.

Anklicken zum Vergrößern Von der PDS-Spitze nahmen an der Gedenkveranstaltung in Friedrichsfelde der Parteivorsitzende Lothar Bisky, Bundestagsvizepräsidentin Petra Bläss und der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gregor Gysi, teil. Von der früheren DDR-Führung waren der letzte Staats- und Parteichef Egon Krenz und der ehemalige Ministerpräsident Hans Modrow vertreten. Auch der frühere Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes, Hermann Kant, legte Blumen nieder. Unter den Teilnehmern waren viele Familien. Auch SPD-Kreisverbände, die DKP und zahlreiche linke Splittergruppen waren anwesend.

Die Gedenkstätte war in den zwanziger Jahren auf KPD-Beschluß von Mies van der Rohe errichtet, von den Nazis eingerissen und in den 50er Jahren von der DDR wiederrichtet worden war. Luxemburg und Liebknecht waren am 15. Januar 1919 ermordet worden. Die Gedenkveranstaltung wurde auf den zweiten Sonntag im Januar gelegt und war zu DDR-Zeiten Anlaß für Massenaufmärsche.

Von der DDR-Obrigkeit mißbraucht

Gysi sagte, er sei erstaunt, daß sich das Gedenken mit dem Wegfall allen Zwangs nach der Wende erhalten habe. Darin werde Bewunderung für den kompromißlosen Kampf von Luxemburg und Liebknecht für soziale Gerechtigkeit deutlich, der sie das Leben gekostet habe. Möglicherweise sei es auch Ausdruck dafür, daß heute Ideale weitgehend verlorengegangen seien. Die DDR habe das Gedenken für ihre Zwecke mißbraucht. Dies sei damals sichtbar geworden im Aufbau einer Tribüne für das Politbüro, dem man habe zuwinken müssen.

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Der Jurist und Politiker Karl Liebknecht stimmte am 1914 im Reichstag als einziger Abgeordneter (SPD) gegen die Kriegskredite. Er trat im Januar 1916 aus der Fraktion aus und gründete gemeinsam mit der sozialistischen Politikerin Rosa Luxemburg den Spartakusbund.

Liebknecht proklamierte im November 1918 in Berlin die "Freie sozialistische Republik" und beteiligte sich an der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands [KPD]. Am 15. Januar 1919 wurden er und Rosa Luxemburg in Berlin von Freikorpsoffizieren ermordet.


1988 hatte die SED zahlreiche Bürgerrechtler wie Vera Lengsfeld, damals Wollenberger, festnehmen lassen. Sie hatten das Wort von Luxemburg, die Freiheit sei immer die Freiheit Andersdenkender, auf Transparenten entrollt. Das Zitat war bereits von Stalin mit einem Bann belegt worden, da es "Konterrevolutionären" Vorschub leiste. Diese Interpretation wurde von der DDR-Führung bis zum Sturz von Erich Honecker kurz vor dem Fall der Mauer 1989 aufrechterhalten.

Gedenken leitete Exodus ein

Die Festnahmen der Bürgerrechtler hatte die Stasi seinerzeit weit vor der Stätte am Frankfurter Tor vorgenommen, der Marsch zur Gedenkstätte wurde verhindert. Weitere Bürgerrechtler wurden am Verlassen ihrer Häuser gehindert. Die prominentesten Dissidenten, darunter der Liedermacher Stephan Krawczyk und die Regisseurin Freya Klier, waren nach Androhung langjähriger Haftstrafen wegen landesverräterischer Beziehungen zur Ausreise in den Westen gezwungen worden, Lengsfeld wurde nach England abgeschoben. Die Verhaftungswelle von 1988 gilt als einer der Auslöser für den Exodus aus der DDR.

AP; Fotos: Reuters, DPA
Geändert am 10. Januar 1999 23:00 von jo
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