IVWPixel Zšhlpixel

Rendezvous der Geister zum Voodoo-Nationaltag

Nairobi - Ekstatisch taumelt der junge Tänzer im Blitzlichtgewitter. Unter dem Donner der Trommeln sinkt er zu Boden, während zwei Greise eine schreiende Ziege über seinen Kopf halten. Als sie das verzierte Messer ansetzen, um ihr die Kehle aufzuschneiden, fällt der Kreis der Zuschauer in lauten Gesang ein. Der junge Mann wird von einem Fluch befreit.

Am weißen Strand von Ouidah im westafrikanischen Staat Benin herrschte am Wochenende rund um die Uhr Geisterstunde. Einheimische und Touristen aus aller Welt feierten das Festival des Voodoo.

Die 350 Jahre alte Religion der vielen Geister hat ihre Wurzeln an der ehemaligen Sklavenküste von Benin. Von hier verbreiteten seinerzeit die als "schwarzes Gold" verkauften Menschen auf dem Schiffsweg den Glauben des Voodoo, was übersetzt soviel heißt wie "Geist", nach Haiti und andere karibische Inseln. Heute praktizieren etwa 60 Millionen Menschen weltweit Voodoo-Rituale.

Nach der Messe in den Voodoo-Tempel

Ziel solcher Prozeduren ist es, Kontakt mit einem Geist aufzunehmen und ihn unter Opfergaben um seinen Beistand zu bitten. "Wer mit den Geistern sprechen kann, der ist zu allem fähig", sagt Voodoo-Zauberer Boule Douhoundou. "Ich kann Kranke gesund und Frauen fruchtbar machen, kann vor Hexerei schützen, und wenn ich will, kann ich auch töten", behauptet der alte Mann, der am Sonntag nur einer von vielen traditionellen Heilern in Ouidah war.

Wer Rang und Namen in der Szene hat, pilgert jedes Jahr am 10. Januar in das Mekka des Voodoo. Hier leben die Menschen so selbstverständlich mit ihren verstorbenen Vorfahren zusammen wie mit ihren Nachbarn. Hinter den heruntergekommenen Mauern aus portugiesischer Kolonialzeit verbergen sich gleich mehrere Voodoo- Klöster. Die Mehrheit der rund 5,5 Millionen Einwohner Benins ist zwar katholisch. Doch nach der Messe strömen viele gleich in den nächsten Voodoo-Tempel.

Voodoo als Staatsreligion

Über die Gefahren der Religion streiten sich allerdings auch in Benin die Geister. "Immer wieder kommen Menschen auf mysteriöse Weise um, die Kritik am traditionellen Brauchtum hegen. Meist findet man sie vergiftet auf", so ein Voodoo-Gegner, der seinen Namen aus Furcht vor der Rache der Geister lieber nicht nennen möchte. "Diesen Leuten hier muß einfach klar sein, daß sie, solange sie an solchem Quatsch festhalten, den Anschluß an die fortschrittliche Welt verpassen."

18 Jahre lang war Voodoo unter dem marxistischen Regime von Staatschef Mathieu Kerekou verboten. Sein katholischer Nachfolger, Präsident Nicephore Soglo, versprach sich vom Zauber der Voodoo- Anhänger eine weitere Amtszeit. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen erklärte er 1996 Voodoo zur anerkannten Staatsreligion und rief den nationalen Voodoo-Tag aus. Dennoch unterlag er seinem Vorgänger. Doch die Geister, die Soglo rief, wird sein Nachfolger Kerekou nicht mehr los.

Von Antje Passenheim, dpa
Gešndert am 11. Januar 1999 14:06 von aj
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Homepage des Tages Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage