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Teresa Orlowski vor Gericht

Prozeß gegen Pornoproduzentin platzte - "Bravste Frau"

Hannover - Richter Burkhard Littger wurde deutlich: "Frau Moser ist eine erfahrene Geschäftsfrau, die wissen muß, daß im geschäftlichen Verkehr Marken geschützt sind." Frau Moser gehört mit ihrem Künstlernamen Teresa Orlowski zu den größten Produzenten der milliardenschweren deutschen Pornobranche. Am Donnerstag stand die 45jährige gebürtige Polin in Hannover wegen Verstoßes gegen das Markengesetz vor dem Amtsgericht. Die Hauptverhandlung aber platzte. Richter Littger will an einem neuen Termin am 23. Februar einen freien Mitarbeiter von Orlowskis Firma als Zeugen hören und eventuell das umstrittene Video anschauen. "Aber nur den Vorspann", betonte er.

Anklicken zum Vergrößern In dem Prozeß geht es nicht um die nackten Tatsachen der Videos, sondern vielmehr um deren Namen und Verpackung. Orlowski - sie gibt ihr Nettoeinkommen als "selbständige Kauffrau" mit 5.300 Mark monatlich an - soll für eine achtteilige Staffel Pornovideos eine Verpackung gedruckt haben, die stark an die Marke Chipsfrisch erinnert. Zudem brachte sie zwischen März und Juni vergangenen Jahres 258 Videos in dieser Verpackung unter dem Titel "Fickfrisch" auf den Markt. Ein Verstoß gegen das Markengesetz, befand Staatsanwältin Barbara Michaelis. Darauf stehen bis zu fünf Jahren Haft.

Grundsätzlich räumte Orlowski den Vorwurf ein. Ob Verpackungsdesign oder Titel über ihren Schreibtisch gegangen seien, da könne sie sich nicht mehr erinnern. "Dafür habe ich meinen Mitarbeiter, der dafür zuständig ist."

Imageschaden oder Werbung?

Der Anwalt der Intersnack Knabber GmbH in Köln, die "Chipsfrisch" vertreiben, betonte, dem Unternehmen sei ein Imageschaden entstanden. Orlowski konterte: "Das hat aber doch auch Werbung für Sie gebracht." Eigentlich verstehe sie das alles nicht, sagte Orlowski. Sie habe auf die Hinweise der Polizei sofort reagiert und alles getan, die Pornos vom Markt genommen. Die Ermittlungen der Polizei habe sie unterstützt und sofort alle Lieferscheine und Rechnungen zur Verfügung gestellt. "Das hier ist nicht der Rede wert. Das Ausmaß ist an den Haaren herbeigezogen" Und von Absicht könne keine Rede sein. "Wer macht so etwas absichtlich, für rund 8.000 Mark Umsatz?" Seit 20 Jahren sei sie nun in der Pornobranche, und immer wieder gerate sie für sie völlig unverständlich mit der Justiz aneinander. Denn: "Ich bin das bravste, was man sich in dieser Republik vorstellen kann."
Von Hartwig von Saß, dpa - Foto: AP
Geändert am 21. Januar 1999 16:20 von aj
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