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  • Stichwort: Der Fall Schlecker
  • Prozeßauftakt um Schlecker-Erpressung:

    Zwei Angeklagte gestehen Tat

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    Die Angeklagten: Wilhelm Hudelmaier, Franz Jacoby und Dieter Hudelmaier.

    Ulm - Mit umfassenden Geständnissen der Angeklagten hat am Donnerstag der Prozeß gegen die Erpresser des Drogerie-Unternehmers Anton Schlecker in Ulm begonnen. Zwei der drei Männer räumten vor dem Landgericht ein, die beiden Kinder Schleckers 1987 enführt und 9,6 Millionen Mark Lösegeld erbeutet zu haben. Auch gaben sie einen Raubzug in Göppingen fünf Jahre zuvor zu, bei dem sie die Tochter eines Bankvorstandes als Geisel genommen und 2,6 Millionen Mark erpreßt hatten.

    Die Staatsanwaltschaft wirft Herbert Franz Jacoby (60), Wilhelm Hudelmaier (64) und dessen Bruder Dieter (57) erpresserischen Menschenraub, schwere räuberische Erpressung und schweren Raub vor. Neben der Schlecker-Erpressung und dem Raubzug in Göppingen sollen sie im Sommer 1998 in Ehingen den Direktor einer Bank in ihre Gewalt gebracht und so die Zahlung von 1,9 Millionen Mark erzwungen haben. Dieter Hudelmaier bestritt eine Beteiligung an den drei Taten.

    Insgesamt listet die Staatsanwaltschaft acht Taten mit einer Gesamtbeute von 14 Millionen Mark auf. Aus Termingründen werden die Fälle in zwei Verfahren verhandelt. Der erste Prozeß mit den drei gravierendsten Taten ist auf sechs Verhandlungstage angesetzt. Es sollen 25 Zeugen gehört werden. Ein Urteil wird für Anfang März erwartet.

    Drei Millionen Mark problemlos umgetauscht

    Die Angeklagten schilderten vor Gericht, wie problemlos es war, drei Millionen Mark der registrierten Beute aus der Schlecker- Erpressung in Paris umzutauschen. "Es gab keine Kontrollen, die Leute in der Wechselstube wollten nur das Geld sehen", berichtete Wilhelm Hudelmaier. Habe man vorher einen Koffer für das Geld gehabt, brauchte man nun einen Sack. Die Liste der registrierten Scheine hatten sie sich über einen befreundeten Bankier in Österreich besorgt.

    Auf die Idee der Entführung waren die Angeklagten bereits 1986 gekommen. Sie spionierten aber zunächst fälschlicherweise eine Familie aus, die ebenfalls den Namen trägt. Danach dauerte es noch ein halbes Jahr, bis sie in das Haus des millionenschweren Drogerie- Königs eindrangen und die Familie als Geisel nahmen.

    Insgesamt 19 Raubzüge und Geiselnahmen

    Die drei Männer waren den Ermittlern nach dem Coup in Ehingen 1998 ins Netz gegangen und in Verbindung mit der Schlecker-Erpressung gebracht worden. Ihnen werden insgesamt 19 Raubzüge und Geiselnahmen mit einer Beute von 18 Millionen Mark seit 1975 zugeschrieben. Allerdings sind zehn Banküberfälle zwischen 1975 und 1978 mit einem Schaden von rund 2,5 Millionen Mark mittlerweile verjährt.

    Nach dem ersten Verfahren werden sich nur Herbert Franz Jacoby aus Bernkastel-Kues und der Mannheimer Wilhelm Hudelmaier wegen fünf weiterer Verbrechen erneut vor Gericht verantworten müssen. Dieter Hudelmaier aus dem Rems-Murr-Kreis soll daran unbeteiligt gewesen sein. Es geht um Überfälle auf Banken und auf einen Geldtransporter zwischen 1980 und 1987. Daneben geht es um einen Raubzug auf eine Pforzheimer Schmuckhändlerin, bei dem die Täter mehrere Geiseln genommen und Gold sowie Edelsteine für rund eine Million Mark erpreßt haben.

    Als Biedermänner getarnt

    Das Trio hatte nach den Ermittlungen die Millionen-Beute für exklusive Wohnungen, Autos, teuren Luxus, vor allem aber für Wertpapier- und Immobilienspekulationen aufgebraucht. Dabei machten sie an der Warenterminbörse und bei Auslandsgeschäften enorme Verluste. In der Öffentlichkeit lebten sie als Biedermänner in kleinen Dörfern und hielten ihren ergaunerten Reichtum verborgen.
    dpa - Fotos: AP, dpa
    Geändert am 18. Februar 1999 17:04 von aj
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