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  • Über 100.000 Mark an Familien der Opfer
  • Proteste nach Cavalese-Urteil

    Pilot freigesprochen - Videoband vom Unglücksflug weg

    Camp Lejeune/USA - Nach dem Freispruch für den Piloten der Unglücksmaschine von Cavalese wollen italienische Regierung und Anwälte der Hinterbliebenen neue Prozesse anstrengen, um die Schuldfrage zu klären. "Italien wird alle rechtlichen Schritte ausschöpfen, um die Verantwortlichen für die Tragödie zu finden", sagte Ministerpräsident Massimo D'Alema.

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    Unglückspilot Richard Ashby.  

    Er wollte das Urteil des Militärgerichts in Camp Lejeune im US-Staat North Carolina bei seinem Treffen mit US-Präsident Bill Clinton am Freitag in Washington ansprechen. John Eaves, Anwalt der deutschen Angehörigen, kündigte einen Schadenersatzprozeß in Italien an.

    Dem Piloten, Hauptmann Richard Ashby, droht nun nur noch ein Verfahren wegen Behinderung der Justiz, das ihm eine einjährige Gefängnisstrafe einbringen könnte. Er soll beim Verschwinden eines Videobands seine Hand im Spiel gehabt haben, das während des Unglücksflugs am 3. Februar 1998 aufgenommen wurde. Sein Anwalt Frank Spinner forderte, die Anklage in auch diesem Punkt fallen zu lassen. Auch der Navigator des Aufklärungsflugzeugs der US-Marine sollte wegen des Todes der 20 Menschen am Monte Cermis nicht vor Gericht gestellt werden.

    Entschädigungsangebot "geschmacklos"

    Der Freispruch für den 31jährigen Ashby, dessen Flugzeug das Tragseil der Gondel durchschnitt, worauf diese rund 100 Meter in die Tiefe stürzte, wurde in Italien und von den im Gerichtssaal anwesenden Angehörigen der sieben deutschen Opfer mit Empörung aufgenommen.

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    Rettungsmannschaften an der abgestürzten Gondel am 3. Februar 1998.

    Anwalt Eaves sagte, seine Mandaten seien über das Urteil entsetzt. Er bezeichnete ein Entschädigungsangebot des US-Verteidigungsministeriums für seine Mandantin Sindy Renkewitz in Höhe von 50.000 Dollar (87.000 Mark) als geschmacklos. Von der Summe sollten zudem noch 5.000 Dollar bereits bezahlte Beerdigungskosten abgezogen werden. Renkewitz hat Schwester und Vater bei dem Unglück verloren.

    D'Alema sagte: "Bei einem Massaker mit so vielen Opfern ist es unsere Pflicht, dafür zu sorgen, daß Gerechtigkeit geschieht". Der Bürgermeister des Skiorts Cavalese, Mauro Gilmozzi, bezeichnete das Urteil als die Verteidigung einer Kriegsmaschinerie. Der Chef der Neokommunisten, Fausto Bertinotti, forderte die Schließung der Nato-Stützpunkte in Italien. Das Urteil sei eine Verletzung der Souveränität Italiens. "Das ist nicht nur ein Freispruch für den Piloten, das ist der Freispruch für ein ganzes System."

    Menschen in Burgstädt verzweifelt

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    Dana Blumenfeld (l.) und ihre Mutter Bärbel, deren Ehemann bei dem Unglück ums Leben kam.

    Die Menschen in Burgstädt verstehen die Welt nicht mehr. In der sächsischen Kleinstadt mit 12.600 Einwohnern gibt es am Freitag, einen Tag nach dem Freispruch des Cavalese- Unglückspiloten Richard Ashby, nur noch Wut und Entsetzen. Bärbel Blumenfeld, die mit den engsten Angehörigen in den USA den Prozeß mitverfolgte, hatte schon nach den ersten Prozeßtagen Zweifel an einem in ihren Augen moralisch gerechten Urteil. "Ich hatte den Eindruck, mein Mann war selbst schuld an seinem Tod, weil er in die Gondel stieg." Auch sieben Menschen des Skiklubs Rot-Weiß aus dem Stadtteil Mohsdorf sowie aus dem benachbarten Hartmannsdorf starben, als Anfang Februar 1998 ein US-Militärjet die Trosse einer Seilbahn in den Dolomiten kappte. Die Kabine riß sie 100 Meter tief in den Tod.

    Bernd Heilmann treibt es Tränen in die Augen, als er von dem Freispruch hört. Der Busunternehmer hatte die Freunde nach Italien gefahren, und nur der Zufall wollte es, daß er noch am Leben ist. "Die Gondel war voll. Ich hatte das Glück, nicht miteinzusteigen. Nur fünf Minuten trennten mich von diesen Menschen und vom Tod." Heilmann kann nicht begreifen, daß offensichtlicher Leichtsinn nicht bestraft wird. "In Deutschland wird man bei jedem kleinem Verkehrsunfall zur Kasse gebeten. Und Cavalese war eine größere Sache." Heilmann schüttelt den Kopf, mehr will er in diesem Augenblick nicht sagen.

    US-Regierung nennt Prozeß fair und offen

    Die US-Regierung sprach dagegen von einem offenen und fairen Prozeß und lobte die gute Zusammenarbeit mit den italienischen Behörden. "Vom ersten Tag an haben wir eng mit der italienischen Regierung zusammengearbeitet, um ein faires und transparentes Verfahren zu gewährleisten", sagte Außenamtssprecher James Foley. Die gute Kooperation bei dieser Tragödie demonstriere die Stärke des Bündnisses zwischen beiden Ländern. Auch der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Kenneth Bacon, lobte den Prozeß als offen.

    Die Geschworenen sprachen Ashby am Donnerstag in allen Anklagepunkten frei. Ihm war unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte Ashby vorgeworfen, zu schnell und zu tief geflogen zu sein. Die Verteidigung brachte dagegen vor, der Höhenmesser des Flugzeugs sei defekt gewesen und die Seilbahn nicht in der Flugkarte eingezeichnet gewesen.

    AP, dpa - Fotos: Reuters, Archiv, dpa
    Geändert am 5. Maerz 1999 12:13 von aj
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