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. . . Das Internet kann süchtig machen

Das Center ist natürlich im Internet auch selbst unter der Adresse "http://www.netaddiction.com/" mit einer Website zu finden. "Es ist ähnlich wie beim Trinken: Ein paar Bier sind in Ordnung, aber sobald es exzessiv wird in Hinsicht auf das eigene Wohlbefinden, haben wir ein Problem", sagt die amerikanische Expertin. Rund 200 000 US-Bürger sind nach ihrer Schätzung von Internetsucht befallen.

Auch in Deutschland beschäftigt man sich inzwischen zunehmend mit dem Phänomen. So trafen sich kürzlich rund 50 Teilnehmer von Beratungsstellen, Betrieben und Schulen zu einer Fachtagung in Bredstedt/Nordfriesland. Motto der Veranstaltung: "Überdosis Internet? - Bringen neue Medien auch neue Suchtrisiken?" Berichtet wurde von Menschen, die in ihrer Cyberwelt am Computer derart aufgehen, daß sie ihre sozialen Kontakte abbrechen und schließlich den Verlust des Arbeitsplatzes sowie ihres Familienlebens riskieren.

"Orientierungsverlust und Informationsüberflutung"

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Umfassende statistische Daten über Internetsucht in Mitteleuropa sind kaum zu haben - das Problem ist noch zu neu, als daß es bereits empirisch erfaßt wäre. Eine Vordiplomarbeit der schweizerischen Studentinnen Miriam Dubi und Annette Rutsch mit dem Titel "Das Suchtverhalten von Jugendlichen im Internet" von 1998 gibt immerhin erste Anhaltspunkte ("http://visor.unibe.ch/~mdubi/psy.htm"). Die Studie beschreibt unter anderem, welche Probleme Schülerinnen und Schüler beim Surfen auf der Datenautobahn haben: "Orientierungsverlust, Informationsüberflutung und Verständnisschwierigkeiten".

Literarisch aufgearbeitet hat das Thema Gabriele Farke. Die Lippstädterin ist selbst von der neuen Sucht betroffen und hat ihre Erfahrungen in Büchern niedergelegt, so unter dem Titel "Sehnsucht Internet" (SmartBooks-Verlag 1998, ISBN 3-908489-12-1, 240 Seiten, 29 Mark). Farke spricht vom "Internet als Ort der Freundschaft, aber auch als Ort der Enttäuschung". Das nächste Buch ist schon geplant, es soll "HexenKuss.de - Liebe, Lüge Lust und Frust im Internet" heißen.

"Auf der Suche nach Trost und Hilfe"

In den USA wird das Problem ausführlich erforscht. Kimberley S. Young, die sich auf die Auswirkungen von Computern auf menschliches Verhalten spezialisiert hat, beschäftigt sich vor allem mit Cybersex-Abhängigkeit und abweichendem Verhalten im Zusammenhang mit dem Internet. Ihr vielzitiertes Buch "Caught in the Net" ("Gefangen im Netz") soll in diesen Tagen beim Kösel Verlag München erscheinen (Foto). Young bezeichnet User als abhängig, wenn sie außerhalb ihres Berufes "im Schnitt 38 Stunden in der Woche online verbringen". Besonders gefährdet seien Personen, die "einfach unzufrieden" mit ihrem Heim oder ihrer Arbeit seien - "sie wenden sich dem Internet zu, auf der Suche nach Trost und Hilfe".

Heilen kann man Internetsüchtige nach den Erfahrungen von Young mit ähnlichen Methoden wie Patienten mit Eßstörungen: "Statt totaler Abstinenz werden Techniken zur Mäßigung geübt, das Internet hat ja durchaus sinnvollen Nutzen." Der Betroffene müsse mit strikten Zeitplänen lernen, die Anzahl der Online-Stunden zu verringern. Einfachstes Mittel: "Ein Wecker neben den Computer stellen, der einem sagt, daß es nun Zeit ist, aufzuhören."

In der Szene nicht unumstritten

Frau Young ist in der Szene allerdings nicht unumstritten. Nicholas Negroponte, Chef des Entwicklungslabors am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston und ein global anerkannter "Guru", warnt davor, vom Internet zu sprechen, als wäre es eine Droge. "Im Internet zu sein ist ganz anders als Drogengenuß, weil es immer besser und besser wird", meint Negroponte. Er glaubt, daß sich einfach die Kommunikationsmethoden der Menschheit verändern und daß in Wirklichkeit die Kritiker des Internets krank seien: "Die beste Heilung für die Kritiker ist es, in die digitale Welt einzusteigen."

Wer wissen möchte, ob er an Symptomen, wie von Young beschrieben, leidet, kann beim Online-Magazin First Surf unter "http://www.firstsurf.com/wrede5.htm" einen Online-Test abrufen. Und wer glaubt, das Internet habe bereits Besitz von seiner Psyche ergriffen, sollte unter "http://www.earthplaza.com/netaholics" die Homepage der "Anonymen Netaholics" anklicken. Auf der Website der Hilfsorganisation findet sich ein einziger, nachahmenswerter Satz: "Netaholics Anonymous has logged off" - die Anonymen Netzsüchtigen haben abgeschaltet.

Von Wolf Achim Wiegand, gms - Screenshots: red - Grafik: Reuters

Weitere Links:

  • Internet Addiction Association

  • Net-Surfers Anonymous

  • Eine (nicht ganz ernst gemeinte) Suchtberatung

  • Geändert am 8. Maerz 1999 15:36 von aj
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