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Sex-Surfer hinterlassen Spuren

Beweise im Disziplinarverfahren gegen Stasi-Beauftragten

Dresden - Sex-Ausflüge im Internet können für Nutzer gravierende Folgen haben: Wer im weltweiten Computernetz harmlose Erotik oder anstößige Sex-Angebote sucht, bleibt nicht immer anonym. Dies wurde nun offenbar auch dem sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Siegmar Faust, zum Verhängnis.

Er soll mit dem Internet-Anschluß seiner Behörde auch "Programme erotischen Inhalts" über einen längeren Zeitraum aufgerufen haben. Entsprechende Anhaltspunkte fanden Experten bei einer Stichprobe auf der Festplatte des Computers, nachdem Mitarbeiter die Justizbehörden informiert hatten. Gegen den Beamten, der vom Dienst suspendiert wurde, läuft wegen der Internet-Sex-Affäre ein Disziplinarverfahren.

Automatisch protokolliert

Ob beim Einkaufen, bei Bankgeschäften oder beim Betrachten pikanter Bilder - Netz-Surfer hinterlassen öfter Spuren, als ihnen lieb ist. Wer sogenannte "Lesezeichen" setzt, um bestimmte Seiten im Internet schnell wiederzufinden, dokumentiert seine Spuren im Computernetz schwarz auf weiß. Aber auch ohne jedes Zutun "merkt" sich der Computer viele Geheimnisse seines Benutzers. Der Weg durch das Internet wird meist automatisch protokolliert: der Computer listet also alle Seiten auf, die der Benutzer zuletzt aufgeschlagen hat.

Wenn der temporäre Speicher auf dem Computer nicht regelmäßig gelöscht oder abgeschaltet wird, können die abgerufenen Informationen oder Bilder noch tagelang auf der Festplatte gespeichert bleiben. Dies könnte womöglich auch dem sächsischen Beamten zum Verhängnis geworden sein. Eine andere Variante scheint dagegen eher abwegig: Theoretisch kann auch jemand ein Internet-Angebot abrufen und bei einem anderen Computer-Nutzer in der Datei ablegen, um etwa "einen unliebsamen Kollegen loszuwerden".

Unbemerkte Informationen durch "Cookies"

Auch die sogenannten "Cookies" liefern Internet-Anbietern weitgehend unbemerkt Informationen über Netz-Benutzer. "Cookies" sind kleine Textdateien, die ein Internet-Anbieter auf dem Computer des Kunden speichern kann, wenn der seine Seite besucht. Gedacht sind sie, um den Komfort des Surfers zu erhöhen, aber leider werden sie gelegentlich auch mißbraucht. Da kann dann zum Beispiel stehen, was sich der Betroffene in der letzten Zeit gekauft oder angesehen hat. Anhand der "Cookies" wird der Surfer erkannt, wenn er etwa eine Seite häufig besucht. Wegen ihres "kryptischen" Inhalts sind die "Cookies" aber vor allem für den Server und weniger für "Dritte" verständlich.

Gefahr für die Diskretion lauert zudem im Adreßbuch für E-Mail. Meist werden Kopien der abgeschickten Sendungen gespeichert. Auch mit persönlichen Daten oder Kreditkartennummern sollte der Computer-Nutzer demnach geizig umgehen: Oft werden die Daten etwa bei Erotik-Anbietern für einen angeblich kostenlosen Zugang angefordert. Im Kleingedruckten steht dann, daß sich die Gratis-Offerte nach einigen Tagen automatisch in eine teure Mitgliedschaft verwandelt - und vom Konto wird munter abgebucht.

Von Andrea Hentschel und Boris Reitschuster, AFP

Geändert am 31. März 1999 16:19 von aj
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