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Neuer Radsport-DopingskandalPolizei verhaftet komplettes Mapei-TeamKoortrijk - Es war leider kein April-Scherz, wie Telekom-Teamarzt Dr. Lothar Heinrich "zuerst gehofft" hatte. Der Stop des gesamten Fahrerfeldes und die Festnahme des italienischen Mapei-Teams auf offener Strecke beim Dreitagesrennen in De Panne haben den Radsport am Donnerstag neu auf das Schwerste erschüttert. Im belgischen Fernsehen verdrängte der Fall den Kosovo-Krieg als erste Schlagzeile.
Fünf Ampullen AmphetamineZuvor war auf dem Flughafen Brüssel ein Paket mit fünf Ampullen Amphetaminen (Aufputschmitteln) entdeckt worden, die in Videokassetten versteckt waren und von einem Mapei-Pfleger aufgegeben worden sein sollen. Im Rennen befand sich auch das Team Telekom, angeführt vom Dänen Bjarne Riis, aber ohne die Stars Jan Ullrich und Erik Zabel. Allen acht Mapei-Fahrer, der Nummer eins der Weltrangliste, wurden Blutproben entnommen. Sie und ihr Sportdirektor Patrick Lefevere blieben vorerst in Untersuchungshaft, darunter auch Belgiens Ex-Weltmeister Johan Museeuw und der Weltcupsieger Michele Bartoli (Italien). Staatsanwalt Louis Deneckere wollte eine Absage der Flandern-Rundfahrt am Ostersonntag nicht ausschließen: "Das hängt davon ab, wer die Hintermänner sind." Godefroot: "Medien-Spektakel"Gleichzeitig wurde aus Lille bekannt, daß gegen den Präsidenten des französischen Radsportverbandes, Daniel Baal, offiziell das Ermittlungsverfahren wegen der Vorgänge bei der Tour de France 1998 eröffnet wurde. Baal ist auch Vize des Weltverbandes UCI. Selbst die Tour 1999 scheint damit gefährdet. Allerdings war die Faktenlage im neuen Skandal verworren. Das Paket war laut ersten Meldungen an das Mapei-Hotel "Kennedy" in Kortrijk adressiert, nach anderen aber für Italien bestimmt. Walter Godefroot, Telekom-Teamchef und selbst Belgier, kritisierte die Polizei-Aktion als "Medien-Spektakel". Es könne sich durchaus um den Alleingang eines Pflegers gehandelt haben. Lefevere, auch Belgier, sprach von einer "Verleumdung". Sportliche Ergebnisse interessieren nicht mehrStaatsanwalt Deneckere verteidigte dagegen das Vorgehen: "Wir mußten einer Fluchtgefahr vorbeugen, weil schon Informationen an die Presse gelangt waren." Das Rennen nahe der Küste war am Donnerstag morgen um 8.50 Uhr drei Kilometer nach dem Start durch 20 Polizisten gestoppt worden, die Lefevere und die acht Mapei-Akteure abführten. Daraufhin verweigerte der Rest des Feldes die Weiterfahrt und rief wie bei der Tour 1998 einen Streik aus. Als Wortführer sprach Belgiens Radsporthoffnung Frank Vandenbroucke von einer "Kriminalisierung aller Sportler". Die Rundfahrt wurde dann am Nachmittag um 15 Uhr wie geplant mit einem Zeitfahren in De Panne abgeschlossen - ohne Mapei. Für das Ergebnis interessierte sich allerdings niemand mehr. Dieter Hennig, sid - Foto: Reuters
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| Geändert am 1. April 1999 16:47 von jp | ||||