IVWPixel Zählpixel
Deutsches 2:0
war sehenswert

Daviscup: Boris' Anfang vom Ende
Wieder Skandal
im Radsport

Splittervorschau zur Bundesliga
Baseball: Neue Saison startet
Irvine: Dienst
nach Vorschrift

Bayern entlassen Ottmar Hitzfeld


... "Wirklich sehenswert"

Anklicken zum Vergrößern "Das war wirklich sehenswert", stellte der "Kaiser" nach dem Triumph gegen die Finnen in Nürnberg fest. DFB-Teamchef Erich Ribbeck ging sogar noch weiter: "Die erste Halbzeit war die beste, die eine deutsche Mannschaft seit langem gezeigt hat. Da hat man gesehen, daß auch in Deutschland noch schöner Fußball gespielt wird."

Der 61jährige kann hochzufrieden sein, denn nach sieben Länderspielen ist beim Europameister endlich seine Handschrift zu erkennen. Sein Entschluß, die 3-4-3-Taktik der Bayern mit der neuen "Flügelzange" Marco Bode und Oliver Neuville in der Nationalelf einzuführen, hat sich als voller Erfolg entpuppt. Ribbeck: "Vielleicht haben wir es nach diesen Siegen in den nächsten Spielen einfacher, weil die Gegner mitbekommen haben, daß der deutsche Fußball nicht so am Boden liegt, wie vorher vermutet wurde."

"Wir sind aus der Talsohle heraus"

Verantwortlich für den Aufwärtstrend sind aber auch Engagement und Spielfreude, die zuletzt vermißt wurden und mit denen Deutschland schon 1996 in England gegen spielerisch bessere Mannschaften Europameister geworden war. "Man hat unseren Willen gesehen, den deutschen Fußball wieder da hinzubringen, wo er hingehört", urteilte Kapitän Oliver Bierhoff, der überzeugt ist: "Wir sind aus der Talsohle heraus."

Anklicken zum Vergrößern

Stolz sei er, so der erneut enttäuschende Bierhoff, auf die Mannschaft, die in den letzten Tagen zusammengewachsen sei. Vom neuen Teamgeist schwärmte auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus: "Wir sind sehr eng zusammengerückt, denn nach der USA-Reise haben wir alle auf die Schnauze bekommen."

"Am Ende fehlte die Frische"

Durch die 0:1-Niederlage in der Türkei und die miserablen Auftritte in Florida habe sich die deutsche Mannaschaft selbst gewaltig unter Erfolgsdruck gesetzt. "Wir haben gezeigt, daß wir diesem Druck gewachsen sind. Schöner als in der ersten Halbzeit kann man fast nicht mehr spielen. Jetzt sind wir Tabellenführer, dieses schöne Gefühl kenne ich schon seit sieben Monaten bei Bayern München, und ich will es nicht mehr verlieren", sagte Matthäus, der neben den Torschützen Jens Jeremies (31.) und Oliver Neuville (36.) zu den herausragenden Spielern in der DFB-Auswahl gehörte.

Vor allem die Art und Weise, wie Jeremies vor 40.758 Zuschauern im ausverkauften Frankenstadion sein erstes Länderspieltor erzielte - der Münchner setzte sich bei seinem Sololauf mit der "Brechstange" gegen fünf Finnen durch - steht beispielhaft für die neue Einstellung in der deutschen Mannschaft.

"Die Spieler haben sich gut bewegt und waren giftig", lobte Ribbeck, dem der Leistungsabfall nach der Pause allerdings nicht entgangen ist: "Wir haben uns schwer getan, nachdem die Finnen umgestellt hatten. Uns fehlte am Ende auch die Frische, weil jeder Spieler das Bestmögliche aus sich herausgeholt hat. Und die Auswechslungen haben sich auch negativ ausgewirkt."

Ribbeck fehlen die Alternativen

Im letzten Fall sprach Ribbeck nach dem Sieg über den seiner Ansicht nach größten Konkurrenten im Kampf um die EM-Teilnahme ("Die Finnen haben wie wir erst ein Heimspiel absolviert, die Türken müssen noch viermal auswärts spielen") das Hauptproblem an. Nach der Auswechslungen seiner "Flügelzange" waren in Bierhoff, Ulf Kirsten und Carsten Jancker drei "gelernte" Mittelstürmer auf dem Platz, die sich gegenseitig auf den Füßen standen. Ribbeck fehlen derzeit noch die Alternativen - zumindest erfahrene.

Das Risiko, junge Spieler in seiner im Neuaufbau befindlichen Mannschaft einzusetzen, will der Teamchef noch nicht eingehen. "Ich hatte nicht den Mut, Michael Ballack zu bringen, weil ich Angst hatte, daß wir nicht stabil genug sind, wenn wir den Anschlußtreffer der Finnen kassieren", erklärte Ribbeck: "Jeder Sieg führt dazu, daß wir mit Krisensituationen besser umgehen können. Dann können wir die Mannschaft peu a peu verjüngen."

Matthäus über Jeremies: "Ich hatte einen Rasierer zuhause"

Bis dahin wird Ribbeck weiter auf Routiniers wie den 38jährigen Matthäus setzen. "Er hat vielen gezeigt, was man auch in älteren Jahren leisten kann. Lothar spielt nicht, weil Deutschland eine so schlechte Mannschaft hat, sondern weil er immer noch in der Lage ist, Topleistungen zu bringen." Sein Libero gab das Kompliment artig zurück: "Ich bedanke mich für das Vertrauen von Erich Ribbeck. Er hat mich in die Pflicht genommen, die will ich erfüllen. Ich hoffe, ich werde dabei nach Leistung und nicht nach Muskelzwicken bewertet."

Ein Nachfolger steht in Jeremies allerdings schon parat, wenn Matthäus nach der Euro 2000 endgültig abdanken wird. "Sein unbändiger Wille erinnert mich an den frühen Lothar Matthäus", meinte Ribbeck. Auch Matthäus selbst konnte gewisse Ähnlichkeiten mit dem langmähnigen Ziegenbart-Träger nicht leugnen - allerdings nur im spielerischen Bereich. "Ich hatte einen Rasierer zuhause", so Matthäus, der über seinen Klubkollegen urteilte: "Jerry ist ein Spieler, der auf dem Platz die Ärmel hochkrempelt. Da kommen Erinnerungen hoch."

Berries Boßmann und Thomas Häberlein, sid - Fotos: Reuters, dpa

Geändert am 1. April 1999 13:07 von jp
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Alles zur Fußball-Bundesliga Alles zur Formel 1 Aktuelle Agenturmeldungen zum Sport Leserbrief schreiben Zur Homepage Sport-Homepage von RZ-Online Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur Homepage