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Auf der Spur der "Mail-Stinkbombe"
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  • Aus unserem Archiv: Vorsicht vor dem Melissa-Virus!
  • FBI fahndet nach Urheber des Virus "Melissa"

    Der "E-Mail-Stinkbombe" auf der Spur

     Frühes Gegenmittel für "Melissa":
     die Software VirusScan von McAfee.

    Washington - Die Opferliste des Computervirus "Melissa" liest sich wie das Who is Who der Hightech-Branche: Microsoft, Intel, Lucent Technologies und Dell Computer sind die prominentesten unter mehreren hunderttausend US-Firmen und -Dienststellen, deren E-Mail-Systeme am Wochenende von dem Virus weitgehend lahmgelegt wurden.

    Kein Wunder, meinen Experten, denn Hochleistungsrechner und Hochgeschwindigkeitsverbindungen im Internet machten die Verbreitung von "Melissa" erst möglich. "Es war, als wäre jemand in unser Gebäude gelatscht und hätte eine riesige Stinkbombe geworfen", stöhnt Michael Dell, Chef des gleichnamigen Computerherstellers.

    Vier Tage "Stau" im Datennetz

    Die bislang breiteste Epidemie des Computerzeitalters funktionierte nach dem Schneeballsystem: Sobald ein nichtsahnender E-Mail-Empfänger die angehängte Datei von "Melissa" öffnete, veranlaßte er damit die Versendung von 50 Kopien an E-Mail-Adressen aus seinem eigenen Verzeichnis. Die verseuchte Nachricht wirkte dabei ebenso harmlos wie neugierheischend: Sie trug jeweils den Titel "Wichtige Nachricht von...", gefolgt von einem bekannten Namen aus dem Umfeld des Adressaten. Wer die angehängte Word-Datei dann öffnete, bekam eine Liste mit Internet-Pornoadressen zu sehen und startete ungewollt einen eigenen Kettenbrief.

    Infiziert wurden nur Netzwerke, die mit der jüngsten Ausgabe der Microsoft-Schreibprogramme Word 97 und Word 2000 sowie mit den Microsoft-Postprogrammen Outlook und Outlook Express arbeiten. Vier Tage dauerte es insgesamt, die E-Mail-Schwemme und die dadurch entstandenen Verkehrsstaus zu beheben.

    Nachahmervirus "Papa"

    Die hinter "Melissa" steckende Idee sei nicht neu, sagt der Computervirenspezialist D.J. Forman von der kalifornischen Firma Data Fellows. Doch noch vor einem Jahr waren die Netzwerke zu langsam für den notwendigen Überraschungseffekt. Heute stünden auf allen Schreibtischen 400-Megahertz-Maschinen, die an Hochgeschwindigkeitsbandbreiten angeschlossen seien. "Es dauert nur Sekunden, solche Botschaften wie mit einem Maschinengewehr abzufeuern", warnt der Experte. Direkt nach "Melissa" machte bereits ein Nachahmervirus namens "Papa" das Internet unsicher, doch diesmal waren die Virenbekämpfer vorbereitet.

    Der Urheber von "Melissa" war bis Mittwoch noch nicht ausgemacht. Die US-Bundespolizei FBI verfolgte seine Spur zunächst bis zum AOL-Nutzerkonto eines Ingenieurs aus Lynnwood im US-Bundesstaat Washington. Der 37jährige Scott Steinmetz hatte sich freiwillig beim FBI gemeldet, um auszusagen, ein Hacker habe seine Identität mißbraucht. Der E-Mail-Erreger wurde zuerst von einem Internet-Postfach namens "SkyRoket" aufgegeben. Denselben Namen trägt Steinmetz' AOL-Account.

    Programmierer drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis

    Wird der Programmierer von "Melissa" erwischt, drohen ihm in den USA eine Geldstrafe von bis zu 350.000 Dollar (rund 637.000 Mark) und bis zu zehn Jahre Gefängnis. Außerdem könnten die geschädigten Firmen ihn auf Schadensersatz verklagen. "Melissa" zerstörte zwar weder Festplatten noch Programme, doch die Kläger könnten anführen, daß sie ihre Angestellten in lange Kaffeepausen schicken mußten, während der Virus aus den Netzwerken entfernt wurde.

    Selbst drakonische Strafen dürften Hacker jedoch nicht davon abhalten, weiterhin Duftmarken im weltweiten Datennetz zu setzen, sagt der Soziologe Bernard Beck von der Northwestern University. "Ich weiß nicht, wer 'Melissa' geschaffen hat, aber ich vermute mal, daß es ein pubertierender Halbstarker war."

    Henriette Löwisch, AFP - Screenshot: red.

    Geändert am 1. April 1999 12:45 von ar
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