|
|
Trennung im DoppelpackChaostage in Frankfurt vorbei?Frankfurt/Main - Nach den Chaostagen am Riederwald steht Fußball- Bundesligist Eintracht Frankfurt am Scheideweg. Mit dem kompletten Austausch der sportlichen Leitung durch die Entlassung von Trainer Reinhold Fanz sowie den erwarteten Rücktritt von Manager Gernot Rohr (Foto) haben die abstiegsbedrohten Hessen innerhalb von 48 Stunden die "Notbremse" gezogen. Nun lautet die bange Frage, ob "Feuerwehrmann" Jörg Berger den zweiten Abstieg des Bundesliga-Gründungsmitgliedes aus dem Oberhaus noch verhindern kann.
Dabei setzt der "neue Alte" vor dem wichtigen Match gegen den direkten Rivalen Hansa Rostock auf bewährte Tugenden und gibt markige Parolen von sich. "Es heißt Abstiegskampf und nicht Abstiegsspiel", sagt Berger: "Wenn es außerhalb des Platzes keine Disziplin gibt, dann gibt es auch keine auf dem Platz." Der 54jährige, der die Eintracht in der Saison 1989/90 schon einmal vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit gerettet hat, ist ausgestattet mit allen Kompetenzen, trägt aber auch die ganze Verantwortung. Bei seinem Amtsantritt hatte der Sachse zu Wochenbeginn eine Zusammenarbeit mit Rohr praktisch ausgeschlossen. Zwar übarnahm Präsident Rolf Heller am Dienstag pro forma wieder die sportliche Leitung übernommen, doch das alleinige Sagen hat Berger. "Er ist ja ein Motivationskünstler"Der Trainer, der in der vergangenen Saison mit dem Karlsruher SC in die zweite Liga abgestiegen sowie zuvor auch in Basel gescheitert war und noch nie ein reguläres Vertragsende erlebt hat, blieb vom Wirbel der letzten Tage unbeeindruckt: "Wenn Sie wüßten, was ich schon alles erlebt habe. Wichtig ist, daß die Mannschaft am Samstag gut vorbereitet ist." An seinen ersten drei Arbeitstagen ertönte während den Übungseinheiten mehrfach Bergers Trillerpfeife. Der Fußballehrer versammelte seine Mannen um sich und redete auf sie ein. Offenbar mit Erfolg. "Er ist ja ein Motivationskünstler", erklärte Co-Trainer Bernhard Lippert: "Zum momentanen Zeitpunkt bin ich sicher, daß wir nicht absteigen." Und Mittelfeldspieler Alexander Schur meinte: "Der ganze Ablauf ist sehr professionell." Schlechte Erinnerungen an RostockAm Mittwoch abend bezog die Eintracht ein Trainingslager, um sich auf das vorentscheidende Kellerduell gegen Rostock vorzubereiten. Erst am Spieltag wird die Eintracht zum Heimspiel anreisen. Mit Rostock verbinden die Frankfurter allerdings schlechte Erinnerungen. Im Ostseestadion verspielte die Eintracht am letzten Spieltag der Saison 1991/92 durch ein 1:2 die schon sicher geglaubte Meisterschaft. Jetzt gilt es dagegen, die zuletzt rasante Talfahrt in Richtung Zweitklassigkeit durch einen Sieg vorerst abzubremsen. Ex-Manager Rohr zeigte sich nach seinem vorzeitigen Abschied trotzig. "Ich gehe erhobenen Hauptes. Ich werde aus der Ferne mitzittern", sagte der 45jährige, der sich wieder seiner Familie und dem Haus an der französischen Biscaya widmen kann. Die Trennung im Doppelpack von Fanz und Rohr soll die Eintracht rund 700.000 Mark an Abfindungen kosten. Eine letzte verzweifelte und fragliche "Investition" im Kampf um den Klassenerhalt. Mark Mittasch, sid - Foto: dpa
|
|||
| Geändert am 21. April 1999 16:53 von jp | ||||