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Kündigungswellen bei 630-Mark-JobsHamburg - Die Diskussion um die umstrittene Neuregelung der 630-Mark-Jobs reißt nicht ab. Von massiven Kündigungswellen geringfügig Beschäftigter seit Inkrafttreten der neuen Regelung berichten besonders das Gastgewerbe, der Einzelhandel, Reinigungsfirmen sowie Zeitungsverlage. Die Folgen: Störungen im Betriebsablauf und zusätzliche Kosten durch Überstunden von Festangestellten. Inzwischen gibt es allerdings auch erste Überlegungen, Teilzeitstellen in Vollzeitarbeitsplätze umzuwandeln. Beim Berliner Gebäudedienstleister Piepenbrock haben von den rund 17 000 geringfügig Beschäftigten bisher 5 000 gekündigt. Dies sei nur durch Überstunden des übrigen Personals aufzufangen, teilte das Unternehmen mit. Das Kölner Reinigungsunternehmen "Putzteufel" haben seit dem 1. April 30 Prozent der insgesamt 300 Billig-Arbeiter verlassen. "Kunden beschweren sich, weil Aufträge nicht wie üblich erfüllt werden", hieß es in der Personalabteilung. Auf Stellenangebote auf 630-Mark-Basis meldeten sich viele Bewerber, die schwarz und nicht auf Steuerkarte arbeiten wollten. Personalmangel beim Pizza-BringdienstBei Deutschlands größtem Pizza-Bringdienst, "Joeys Pizza Service", hat nach Angaben des Unternehmens jeder fünfte der etwa 3 000 geringfügig Beschäftigten den Betrieb verlassen. Wegen des Personalmangels vor allem bei Fahrern komme es inzwischen zu Lieferverzögerungen oder sogar -ausfällen, berichtete der geschäftsführende Gesellschafter Carsten Gerlach. "Das ist ein typischer Job für Leute, die auf dem Weg zu einem festen Beruf sind. Sie werden jetzt in die Schwarzarbeit und damit in die Illegalität getrieben", sagte Gerlach. Im Gegensatz zu großen Kaufhäusern wie Karstadt oder Kaufhof, die kaum 630-Mark-Kräfte eingestellt haben, berichten Supermärkte von Schwierigkeiten. 630-Mark-Kräfte würden dort vor allem für das Packen oder Auffüllen von Regalen eingesetzt, sagte Konzernsprecher Jörg Schillinger von der Spar Handels-AG. Von 2.600 Mini-Jobbern hätten bereits mehr als hundert gekündigt. "Dies führt teilweise zu erheblichen Störungen im Betriebsablauf und zwangsläufig zu Mehrarbeitsstunden bei den übrigen Mitarbeitern." Letztlich erhöhten sich dadurch die Arbeitskosten, hieß es bei Supermarkt-Kette. 630-Mark-Jobs in Teilzeitarbeitsplätze umwandelnDie Unternehmensgruppe Tengelmann rechnet mit finanziellen Mehrbelastungen von bis zu 12 Millionen Mark im Jahr durch das 630- Mark-Gesetz. Im April sei die Zahl dieser Beschäftigungsverhältnisse um zehn Prozent geschrumpft, teilte eine Sprecherin in Mülheim/Ruhr mitr. Deshalb will Tengelmann verstärkt Teilzeitkräfte einstellen und einige 630-Mark-Jobs in Teilzeitarbeitsplätze umwandeln. Seit dem 1. April müssen Arbeitgeber für 630-Mark-Jobs Sozialabgaben in Höhe von 22 Prozent zahlen. Geringfügig Beschäftigte, die noch weitere Einkommensquellen haben, müssen ihren Verdienst versteuern. dpa
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| Geändert am 7. Mai 1999 16:56 von aj | ||||