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  • Stichwort: Marburg-Virus
  • Rache des Regenwaldes?

    "Killerviren" aus dem Dschungel

    Nairobi - Die "Killerviren" gehen ganz unterschiedlich vor. Die einen - als Ebola und Marburg gefürchtet - töten schnell. Nach wenigen Tagen enden Opfer in einer Lache ihres eigenen Blutes. Das Aids-Virus hingegen nimmt sich jahrelang Zeit. Gemeinsam ist ihnen die Vorliebe zum Halbschlaf - verborgen in Wirten, tief im Dschungel.

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    Von mindestens einem Dutzend Virusarten weiß die Wissenschaft heute, daß sie im Regenwaldgürtel der Erde schlummern - immer aufs neue bereit, auf Menschen überzuspringen, die sich zu weit vorwagen. Am berüchtigsten ist sicher der Aids-Erreger HIV. Nach Überzeugung amerikanischer Forscher hat er schon in den fünfziger Jahren in Zentralafrika seinen Weg über Affen in menschliche Blutbahnen gefunden. Eine nicht bekannte Zahl weiterer Erreger aus den letzten Urwäldern der Erde werden zudem in Einrichtungen wie dem Medizinischen Forschungsinstitut für Infektionskrankheiten der US- Armee (USAMRIID) im abgeschirmten Fort Detrick (Maryland) untersucht.

    Berichte von mysteriösen Seuchen

    Tödliche Epidemien wie jetzt der Marburg- und 1995 der bislang letzte größere Ebola-Ausbruch in Kongo (damals noch Zaire) hat es nach Überzeugung von Virus-Forschern vereinzelt auch in früheren Jahrhunderten gegeben. Forschungsreisende wie Henry Morton Stanley berichteten schon vor mehr als 100 Jahren von mysteriösen Seuchen auf dem "schwarzen Kontinent". Doch erst seitdem 1976 am Oberlauf des Ebola-Flusses im damaligen Zaire der nach dem Entdeckungsort benannte Todbringer Ebola isoliert wurde, machen sich mehr und mehr Forscher Gedanken um sozial- ökonomische Ursachen des Ausbruchs von "Urwald- Viren". Nicht nur Kongos führender Virologe, Professor Jean-Jacques Muyembe, sieht darin soetwas wie die "Rache des Regenwaldes".

    Dem Ausbruch von Ebola, Marburg und ähnlichen Viren seien "massive Eingriffe des Menschen in das Ökosystem Regenwald vorausgegangen", warnte 1996 der deutsche Professor für Tropenmedizin, Professor Hermann Feldmeier. Die Gefahr, daß die Erreger von ihren ursprünglichen Wirten auf den Menschen übertragen werden, sei in Afrika "mit zunehmendem Straßenbau, Brandrodung und der Ansiedlung immer neuer Zuwanderer immer größer" geworden.

    Bewaffnete Konflikte begünstigen die Verbreitung

    Eindeutig begünstigen auch die seit einigen Jahren wieder zunehmenden bewaffneten Konflikte die Verbreitung eigentlich schlummernder Viren. Und auch die wachsende Armut einer rasch wachsenden Bevölkerung trägt dazu bei. Die Herde der jüngsten Marburg-Epidemie liegen mitten im nordost-kongolesischen Bürgerkriegsgebiet. Die ersten Opfer waren verarmte Dörfler, die ausgezogen waren, um in verlassenen Goldminen im Dschungel ihr Glück zu machen. Statt auf Gold stießen sie auf Ratten und Fledermäuse - beides geeignete Wirtstiere des für Menschen tödlichen Erregers.

    Während die Marburg-Seuche im Nordosten Kongos inzwischen abzuklingen scheint, können Epidemiologen noch nicht völlig ausschließen, daß sie an anderen Orten und auch in benachbarten Ländern ausbricht. Tausende Menschen sind in den vergangenen Wochen aus der weiteren Umgebung der am schlimmsten betroffenen Ortschaften Watsa und Durba in weit entfernte Gebiete, teils in benachbarte Länder geflohen. Nicht vor dem Virus, sondern vor schweren Kämpfen bewaffneter Rebellen und Milizen, die sich den Zugriff auf die Urwaldschätze im Osten Kongos streitig machen.

    Von Thomas Burmeister, dpa - Foto: AP

    Geändert am 7. Mai 1999 13:59 von aj
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