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Lebenslang für Muttermörder

Mutter, Bruder und dessen Freundin getötet - Fax als Zeuge

Mainz - Als Mörder seiner Mutter, seines Bruders und dessen Freundin ist der Kaufmann Peter Engelbach (Foto) aus Worms am Freitag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Mainz äußerte in seinem Urteil am 44. Geburtstag des Angeklagten keinerlei Zweifel an dessen Schuld. Zahlreiche Indizien sprächen dafür, daß Engelbach die Angehörigen am Nachmittag des 8. September 1997 mit einem Hammer erschlagen hat. Der Angeklagte atmete schwer, als er das Urteil hörte. Während der Urteilsbegründung schüttelte er mehrfach den Kopf. Engelbach hatte die Bluttat stets bestritten.

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Der Vorsitzende Richter Horst Wieland betonte, der Täter habe "planvoll" gehandelt. Er habe sich bei seiner Tat den Umstand zu nutze gemacht, daß keines der Opfer mit einem mörderischen Angriff von ihm gerechnet habe. Dem jüngeren Bruder habe er in dessen Büro im Dachgeschoß der elterlichen Villa mit einem Schlag die Wirbelsäule zerstrümmert. Dann habe er abwechselnd den Bruder und dessen Freundin mit Hammerschlägen umgebracht, bevor er die Mutter mit dem Mordwerkzeug "von Angesicht zu Angesicht zunächst ins Gesicht" geschlagen habe. Die Mutter der ermordeten Freundin weinte bei Wielands Schilderung des Tathergangs leise in ihr Taschentuch.

Akribisch rekonstruiert

Akribisch rekonstruierte Richter Wieland den Tathergang, wie er nach Überzeugung des Gerichts abgelaufen war. Die Richter stützten sich dabei auf eine Vielzahl von Indizien. Wieland betonte, ein Zeuge sei häufig "das schwächste Beweismittel". Im konkreten Fall hätten die Fahnder hingegen "gute Arbeit" geleistet und Fakten ermittelt, von denen einige "nahezu unmittelbare Sachbeweise" darstellten.

So sehen die Richter verschiedene Blutspuren auf einem Fax, das exakt um 14.17 Uhr am Tatort einging, als klaren Beweis für den Zeitpunkt des Mordes. Zu dieser Zeit hielt sich der Angeklagte unstrittig in der Villa auf - und war in seinem Kellerbüro nach Auskunft der Telekom nicht wie üblich mit Telefonaten beschäftigt. Auch sonst habe er keine Tätigkeit für die Tatzeit nachweisen können. Von dem Mord in den oberen Stockwerken will er nichts mitbekommen haben. 55 Minuten vor der Tat hatte Engelbach indes noch einen Bekannten angerufen, um wegen "persönlicher Verpflichtungen" ein gemeinsames Tontaubenschießen abzusagen.

Blutspur am Rolladengurt

Auch eine Spur mit dem Blut der ermordeten Freundin des Bruders am Rolladengurt einer Wohnung der Villa kann nach Überzeugung der Richter nur der Mörder hinterlassen haben. Nur er habe ein Interesse gehabt, die leerstehende Einliegerwohnung zu betreten, als er sich vom Tatort entfernte. Er hatte einen Schlüssel zu allen wichtigen Türen - und er hatte ein Motiv: Peter Engelbach war zum Zeitpunkt der Tat mit 343.000 Mark verschuldet; von der Mutter erbte er vor allem Immobilien im Wert von rund fünf Millionen Mark. Neun Wochen nach dem Mord beantragte er beim Amtsgericht einen Erbschein. Seither sei er "wirtschaftlich objektiv saniert", stellte das Gericht fest.

435 Zeugen hatten die Richter vernommen und 70 Sachverständige gehört. Nach 70 Verhandlungstagen hatten die Richter nur zwei Möglichkeiten: Den verheirateten Vater eines Sohnes freizusprechen, oder ihn lebenslang hinter Gitter zu schicken. Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, auf eine besondere Schwere der Schuld zu erkennen. Dem folgte die Kammer. Richter Horst Wieland ließ keinen Zweifel gelten: "Peter Engelbach war der Täter."

Von Roland Siegloff, dpa - Foto: dpa

Geändert am 14. Mai 1999 16:58 von aj
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